24. Oktober 2007 / , , , , , , , , , , / Henry / 10c

Warum die Kirche ihren Einfluss verliert.

Wie viele Menschen gehen in Deutschland wohl noch regelmäßig jeden Sonntag in die Kirche? Ich kenne wirklich niemanden, der sich das wirklich so regelmäßig antut, damit er sich keine Sorgen mehr um die Hölle machen muss. Woher kommt das? Ich denke, das was die Kirche früher besonders ausgemacht hat, ist in der heutigen Zeit entweder nicht mehr notwendig oder verlor durch die Trennung von Kirche und Staat vollkommen an Bedeutung.

In den mehr als 1000 Jahren, in denen die Kirche Einfluss auf Europa und die Welt genommen hat, war sie vor allem deshalb so mächtig, da die unteren Stände entweder so gut wie keine Bildung besaßen oder diese ihnen direkt durch die Kirche eingeflößt worden war, sodass eine Bekehrung mit der Schulausbildung gleichgesetzt wurde. Da dadurch die Welt grundlegend von der Kirche und dem christlichen Glauben bestimmt wurde, war es ein leichtes auch Politik, Gesetze und Normen darüber zu bestimmen. Das alles änderte sich mit dem Beginn der Renaissance und dem damit einhergehenden Humanismus, der erstmals zwar nicht völlig, aber doch in Ansätzen die religiösen Antworten verwarf und wissenschaftliche Erkenntnisse in den Vordergrund stellt. Durch die weitere Entwicklung und die immer mehr auf das Leben im Diesseits ausgerichtete Denkweise entfernte sich die Kirche immer weiter aus ihrem ehemaligen Machtbereich und der moderne Staat wurde geboren.

Doch warum wurde es überhaupt erforderlich, dass man auf einen religiösen Staat verzichtet? Sobald man eine Auffassung von einer höheren Macht hat, die einem etwas befiehlt, befindet man sich in einer Frage der Ansicht und nicht mehr in einer materiell greifbaren Ebene. Durch das Fehlen einer konkreten Übereinstimmung mit anderen Menschen, sieht jeder beispielsweise einen Mord aus unterschiedlichen Perspektiven. Wenn der Mörder sich selbst als Diener Gottes bezeichnet und mit großen Worten von einem göttlichen Auftrag sprach, dann kann man dies nicht anzweifeln, da Glauben beliebig aufgefasst werden kann. Was würde aber nun passieren, wenn die Kirche diese Unanzweifelbarkeit zu ihrem Vorteil ausnutzen würde, um beispielsweise persönliche Interessen durchzusetzen? Richtig, man hätte eine ungerechte Situation. Da man jedoch in einem modernen Rechtsstaat eine vollkommene Gleichheit in Bezug zur Juristik gewährleisten muss, darf die Kirche keinen Einfluss auf diesen ausüben, da sonst es nicht gewährleistet werden kann.

Mit dem Verlust des Einflusses auf weltliche Belange verschwanden die Bekehrungen innerhalb der Schule, die im Laufe der Zeit zur staatlichen Pflichtinstitution aufgestiegen ist. Kirche und Religion durften an vollkommen staatlich getragenen Schulen nur noch auf Wunsch eine Rolle spielen, ansonsten wurden sie vollständig daraus verbannt. Es stellte sich die Frage, wie die Kirche nun noch Anhänger finden sollte, da sie erstens keinen direkten Einfluss mehr ausüben konnten und zweitens auch sonst in keinster Weise mehr mit Privilegien verbunden werden konnte. Das Einzige, was die Kirche heute noch ausmacht, ist eine lange Tradition und ein riesiges Regelwerk, welches dazu dient, Normen zu lehren, die entweder nicht mehr zeitgemäß sind oder nicht mehr von jedem so wie früher verstanden werden.

Warum sollte ein junger, gesunder und gebildeter Mensch noch der Kirche beitreten. Er selbst kann für sich bestimmen und braucht keine Hölle, die ihn Angst vor Straftaten machen soll. Er braucht keine Priester, die ihn von seinen Sünden frei sprechen und er braucht auch keine Zeitverschwendung, die zum Teil mit der Kirche einhergeht. Der moderne Jugendliche sozialisiert sich auch ohne die Hilfe von Institutionen, deren Vergangenheit mit Blut gespickt und deren Gegenwart von Geschichtsüberbleibseln und Jugendreformen geprägt ist. Jugendreformen sind für mich dahingehend Anpassungen der kirchlichen Ordnungen an die moderne Gesellschaft auf Lasten der Neuauslegung der Bibel. Allgemein ist die Bibel niemals ein eindeutiges Werk gewesen, sondern sie hat sich durch ständige Neuauslegungen für mich zu nichts weiterem als eine billige Rechtfertigungsgrundlage entwickelt. Ich sehe deshalb auch die gesamte Kirche als eine eher sehr fragwürdige Einrichtung. Jeder kann an sich glauben, was er für richtig hält und ich möchte niemanden behindern, der sich von den Auffassungen der Kirche angesprochen fühlt, jedoch denke ich, dass der einzelne Mensch auch in der Lage ist eine eigene Ideologie zu finden und selbst zu entscheiden, was richtig und was falsch ist.

Ich bin Atheist und wenn ich in diesem Beitrag von “Kirche” rede, meine ich die christliche Kirche, nichtsdestoweniger ist die hier spezielle Thematik auch auf andere Kirchen und Religionen anwendbar.