Warum die Kirche ihren Einfluss verliert.
Wie viele Menschen gehen in Deutschland wohl noch regelmäßig jeden Sonntag in die Kirche? Ich kenne wirklich niemanden, der sich das wirklich so regelmäßig antut, damit er sich keine Sorgen mehr um die Hölle machen muss. Woher kommt das? Ich denke, das was die Kirche früher besonders ausgemacht hat, ist in der heutigen Zeit entweder nicht mehr notwendig oder verlor durch die Trennung von Kirche und Staat vollkommen an Bedeutung.
In den mehr als 1000 Jahren, in denen die Kirche Einfluss auf Europa und die Welt genommen hat, war sie vor allem deshalb so mächtig, da die unteren Stände entweder so gut wie keine Bildung besaßen oder diese ihnen direkt durch die Kirche eingeflößt worden war, sodass eine Bekehrung mit der Schulausbildung gleichgesetzt wurde. Da dadurch die Welt grundlegend von der Kirche und dem christlichen Glauben bestimmt wurde, war es ein leichtes auch Politik, Gesetze und Normen darüber zu bestimmen. Das alles änderte sich mit dem Beginn der Renaissance und dem damit einhergehenden Humanismus, der erstmals zwar nicht völlig, aber doch in Ansätzen die religiösen Antworten verwarf und wissenschaftliche Erkenntnisse in den Vordergrund stellt. Durch die weitere Entwicklung und die immer mehr auf das Leben im Diesseits ausgerichtete Denkweise entfernte sich die Kirche immer weiter aus ihrem ehemaligen Machtbereich und der moderne Staat wurde geboren.
Doch warum wurde es überhaupt erforderlich, dass man auf einen religiösen Staat verzichtet? Sobald man eine Auffassung von einer höheren Macht hat, die einem etwas befiehlt, befindet man sich in einer Frage der Ansicht und nicht mehr in einer materiell greifbaren Ebene. Durch das Fehlen einer konkreten Übereinstimmung mit anderen Menschen, sieht jeder beispielsweise einen Mord aus unterschiedlichen Perspektiven. Wenn der Mörder sich selbst als Diener Gottes bezeichnet und mit großen Worten von einem göttlichen Auftrag sprach, dann kann man dies nicht anzweifeln, da Glauben beliebig aufgefasst werden kann. Was würde aber nun passieren, wenn die Kirche diese Unanzweifelbarkeit zu ihrem Vorteil ausnutzen würde, um beispielsweise persönliche Interessen durchzusetzen? Richtig, man hätte eine ungerechte Situation. Da man jedoch in einem modernen Rechtsstaat eine vollkommene Gleichheit in Bezug zur Juristik gewährleisten muss, darf die Kirche keinen Einfluss auf diesen ausüben, da sonst es nicht gewährleistet werden kann.
Mit dem Verlust des Einflusses auf weltliche Belange verschwanden die Bekehrungen innerhalb der Schule, die im Laufe der Zeit zur staatlichen Pflichtinstitution aufgestiegen ist. Kirche und Religion durften an vollkommen staatlich getragenen Schulen nur noch auf Wunsch eine Rolle spielen, ansonsten wurden sie vollständig daraus verbannt. Es stellte sich die Frage, wie die Kirche nun noch Anhänger finden sollte, da sie erstens keinen direkten Einfluss mehr ausüben konnten und zweitens auch sonst in keinster Weise mehr mit Privilegien verbunden werden konnte. Das Einzige, was die Kirche heute noch ausmacht, ist eine lange Tradition und ein riesiges Regelwerk, welches dazu dient, Normen zu lehren, die entweder nicht mehr zeitgemäß sind oder nicht mehr von jedem so wie früher verstanden werden.
Warum sollte ein junger, gesunder und gebildeter Mensch noch der Kirche beitreten. Er selbst kann für sich bestimmen und braucht keine Hölle, die ihn Angst vor Straftaten machen soll. Er braucht keine Priester, die ihn von seinen Sünden frei sprechen und er braucht auch keine Zeitverschwendung, die zum Teil mit der Kirche einhergeht. Der moderne Jugendliche sozialisiert sich auch ohne die Hilfe von Institutionen, deren Vergangenheit mit Blut gespickt und deren Gegenwart von Geschichtsüberbleibseln und Jugendreformen geprägt ist. Jugendreformen sind für mich dahingehend Anpassungen der kirchlichen Ordnungen an die moderne Gesellschaft auf Lasten der Neuauslegung der Bibel. Allgemein ist die Bibel niemals ein eindeutiges Werk gewesen, sondern sie hat sich durch ständige Neuauslegungen für mich zu nichts weiterem als eine billige Rechtfertigungsgrundlage entwickelt. Ich sehe deshalb auch die gesamte Kirche als eine eher sehr fragwürdige Einrichtung. Jeder kann an sich glauben, was er für richtig hält und ich möchte niemanden behindern, der sich von den Auffassungen der Kirche angesprochen fühlt, jedoch denke ich, dass der einzelne Mensch auch in der Lage ist eine eigene Ideologie zu finden und selbst zu entscheiden, was richtig und was falsch ist.
Ich bin Atheist und wenn ich in diesem Beitrag von “Kirche” rede, meine ich die christliche Kirche, nichtsdestoweniger ist die hier spezielle Thematik auch auf andere Kirchen und Religionen anwendbar.

![Nostalgie ist ein Scheusal, denn die Vergangenheit erinnert uns nur an das, was wir nicht mehr haben. [Seperator]](http://archiv.xesier.de/wp-content/themes/xesier_archiv/images/blank.gif)
Also für mich persönlich ist die Kirche in erster Linie ein Ort der Hoffnung. Sie ist etwas reales woran ich mich halten kann.Und das mit der Hölle is auch so ne sache… ich leg mir es so aus das Jesus für unsere Sünden gestorben ist und das gilt noch heute also gibt es für mich keine Hölle
Das würde mich näher interessieren, die Kirche hat Tradition und damit auch einen gewissen Anspruch auf Beständigkeit und Realität, das sehe ich ein. In welcher Beziehung gibt sie dir aber Hoffnung und warum brauchst du als Individuum überhaupt etwas Reales, an dem du dich halten kannst? – Das mit der Hölle sehe ich schon als ersten positiven Schritt bei dir an, denn wenn man die Lehren der Kirche einfach nur übernimmt, dann kann man auch sehr leicht die Realität wieder aus den Augen verlieren.
Übrigens danke für den Kommentar.
Das hört sich wahrscheinlich voll naiv an aber der Glaube und die Kirche können dir als Grund dienen. Ist zwar ziemlich abgedroschen aber manchmal muss ich einfach zu mir selber sagen:“ Gott hat ein Grund dafür, dass der Tag so Scheiße war .´´Und außerdem ist natürlich Glaube auch eine Gemeinschaft mit anderen und alleine einen Tag mit den richtigen Leuten um dich herum gibt dir Kraft für eine ganze beschissene Woche
Na ja, ich will deinen Glauben ja nicht anzweifeln. Wie schon gesagt hat sowieso jeder einen Glauben, auch Atheisten, obwohl sie sich davon erst einmal nicht bewusst sind. Ich finde es sogar positiv, wenn man sich treffen, seine Probleme besprechen und Spaß in der Gemeinschaft haben kann.
Was ich dann jedoch auf der anderen Seite sehe sind diese unbedingte Hierarchie der Kirche und die scheinbare Unentbehrlichkeit von grundlegenden unabweichlichen Gesetzen, die dann aber irgendwann doch geändert werden. Ich finde dieses Verhalten geradezu lächerlich, da das meiner Meinung nach zeigt, wie inkonsistent die ganzen Aufteilungen der einzelnen Glaubensrichtungen sind.
Ich denke auch nicht, dass du dich jetzt so einfach von der Kirche lösen könntest, weil du wie du gesagt hast, daraus ja auch deine Kraft schöpfst. Was ich mich jedoch selbst frage, was könnte die Kirche mir anbieten, der bereits andere Mittel gefunden hat, sich von seinem Stress und von seinen Problemen zu entledigen. Was bleibt da dann noch von der Kirche übrig?
Ich hoffe du denkst nicht, dass ich nicht-christen weniger sympathisch finde…. du glaubst nich was es für Typen bei uns in den Gemeinden gibt.. so richtige Klischee-christen… Hanfhemd,Jesus loves you button, und ein kumba yahh lied auf den Lippen.. die kotzen mich auch an kann ich dir sagen… naja was könnte dir die kirche geben ? Ich glaube das lässt sich schlecht sagen, weil jeder etwas anderes an ihr findet… Freunde, Ruhe, Hoffnung die Angebotspalette is riesig.
Ich danke dir dafür, dass du mir dieses Forum bietest
Dann bleibt die Frage jedoch im Raum, warum sich die Kirche als etwas Besonderes empfindet und warum sie beispielsweise Einfluss auf Unterricht und Erziehung nehmen möchte? Ich finde, wenn die Kirche die gleichen Fähigkeiten wie eine Jugendorganisation bietet, dann darf sie zwar Richtlinien setzen, aber wirklich nur in Ernstfällen eingreifen, anstatt das ganze Leben dann zu kontrollieren und zu bestimmen, was im Unterricht gelehrt wird.
Auch empfinde ich christlich gestützte Schulen ebenso viel zu sehr idealisiert. Ich finde es gut, dass Religion als Unterrichtsfach angeboten wird, aber meiner Meinung nach darf man in diesem nicht behaupten, dass Gott existiert, da es die Schüler dazu verleitet einen Glauben zu übernehmen, den sie vielleicht gar nicht wollen.
Ich war selber nie an einer christlichen Schule aber ich muss sagen ich hör von denen nur Gutes. Die kinder sind meistens ziemlich gut in der Schule haben ein klares Weltbild und sind ziemlich weit für ihr Alter. Und das mit der Religion aufzwingen is auch nich. Den Kindern wird halt die Religion erklärt und angeboten. Zwang in irgendeiner Art gibts nicht. Aber ich kenne nur den evangelischen Part und kann den katholischen schlecht beurteilen. Außerdem beschäftigen auch evangelische Schulen ganz normale Lehrer und bestimmen jetzt nicht den Biologie Unterricht.
Ich will ja nicht behaupten jede christliche Schule ist schlecht oder total verschlossen, aber die Behandlung des christlichen Glaubens über eine geschichtliche Abhandlung hinaus ist gleichzeitig eine Bekehrung.
Wenn über die Bibel, Gott, Jesus und Dreifaltigkeit gesprochen wird, wäre es meiner Meinung nach Pflicht sich zu distanzieren und den Schülern eine eigene Entscheidung zu lassen, anstatt von vornherein zu sagen, dass Gott existiert und diese Dinge alle “wirklich” geschehen sind.
Ja du hast damit ja recht. aber glaubst es ist auf der anderen Seite besser nur auf die Geschichte der Kirche zu schimpfen ? So kommt es mir manchmal im Geschichtsunterricht vor. Ich will damit keine der Greueltaten der Kirche leugnen… davon gibts genug, aber kann nicht vielleicht auch den Nutzen der Kirche für die Leute ansprechen ? Is nur ein Vorschlag
Natürlich. Die Kirche ist wie oben angesprochen eben auch durch ihre Regeln und Traditionen für eine Reihe von positiven Errungenschaften verantwortlich. Neben den kulturellen Denkmälern in Form von Architektur, wurde durch die Kirche eine allgemeine Norm eingeführt. Die Menschen wurden zwar ernst erzogen, aber sie konnten friedlich leben, wenn sie sich den Prinzipien unterwarfen. Ich bin auch dafür, dass die positiven Seiten der Kirche nicht unterschlagen werden, aber Religion als Unterricht geht das Thema dahingehend falsch an, wenn man denkt, dass man mit der Existenz von Gott das Paradies beweisen kann.