Warum Barack Obama Afghanistan zu verantworten hat und ich ihn trotzdem noch mag.
Eines der Laster, die man als US-Präsident wahrscheinlich zu tragen hat, besteht wohl darin, einen Krieg anzufangen. Clinton hatte Kosovo, Bush Irak und Obama nun Afghanistan. Doch den Krieg zu verdammen ist zu einfach, wenn man nicht versteht, unter welchem Druck dieser entstanden ist und zum Schluss schiebt man die Schuld immer auf denjenigen, der an der Spitze steht.
Eigentlich bin ich nicht in der Lage mich wirklich differenziert mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Ich habe weder das politische Hintergrundwissen, noch die unglaubliche Welterfahrung, um die Dinge wirklich intensiv bewerten zu können. Ich vermute nur und ich stütze diese Vermutungen grundsätzlich nur auf mein Gefühl. Man darf meine Aussagen also maximal als Möglichkeit betrachten und ich würde mich gerne eines besseren belehren lassen. Und jetzt nachdem ich diesen unglaublich dummen und langen Disclaimer geschrieben habe, warum ich absolut nicht dazu geeignet dafür bin, meine Meinung zu diesem Thema wiederzugeben, möchte ich mit einfachen Worten sagen, warum ich es doch tue: Ich mag Obama. Selbst nach dem Hype.
Und dass ich Obama mag, hat drei Gründe: Erstens Transparenz durch freie, weiterverarbeitbare Informationen, Zweitens Weitsicht durch Investitionen in grüne Themenbereiche, Drittens Verständnis durch Nerdhaftigkeit. Ich weiß, viele halten Obama, nachdem er nicht mehr so häufig, wie noch zu Wahlkampfzeiten, in den Medien ist, nicht mehr für den Messias einer neuen, jugendlicheren und besseren Welt. Ich denke jedoch, dass es unglaublich wichtig ist, diese Hoffnung, die man in ihn gesteckt hat, nicht einfach so unter den Tisch fallen zu lassen. Ein Mensch macht schließlich keine Veränderung. Die Idee dahinter ist viel wichtiger und es lag allein an den Menschen, die Obama unterstützt und letztendlich auch gewählt haben, diese Idee weiterzutragen.
Dass sich Protest bildet, ist normal. Hoffnung lässt sich eben nicht einfach so in Politik übersetzen. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass man ihn viel zu früh verurteilt. Bisher und ich betone bisher macht er wesentlich weniger falsch, als er könnte. Das mag vielen zwar für einen Präsidenten nicht reichen, aber man ey, er ist ein Mensch und kein Stephen Byerley. Jedenfalls denke ich, dass viele Leute ihm Unrecht tun und obwohl ich denke, dass ich zu großen Teilen falsch liegen werde, würde ich trotzdem gerne versuchen, meine haarsträubende Auffassung mit aus der Luft gegriffenen Thesen irgendwie zu belegen. Also meine typische Herangehensweise, wenn ich ein Thema behandele, das ich nicht verstehe.
Gut, These Nummer 1: Ich denke, dass Barack Obama (also Obama ist auch langsam ein Begriff, den ich nicht mehr hören kann) den Krieg in Afghanistan zum großen Teil nur durchführt, um sich international als harter Typ zu etablieren. Und ehrlich gesagt, das ist verständlich. Wer einmal die South-Park-Folge “Obama’s Eleven” gesehen hat, wird verstehen, worin die Angst vieler Amerikaner lag. Die Unerfahrenheit des Präsidenten könnte dazu führen, dass das Land international angreifbar wird. Noch schlimmer als 9-11 könnte es werden. Die logische Konsequenz bestand also darin, dass Obama sich stark zeigt und seine Schritte mit aller zur Verfügung stehenden Macht verteidigt.
These Nummer 2: Obama bleibt innenpolitisch weiterhin auf Kurs. Wenn ich mir manche Kommentare über die Regierung von Obama so angucke, dann muss ich mich echt fragen, ob sich die Menschen auch für die Politik hinter der ganzen Hope-Euphorie interessiert haben oder ob es einfach nur Vergnügen war in dieser Welle mitzuschwimmen. Jedenfalls macht Obama genau das, was er angekündigt hat. Er macht die USA energiepolitisch unabhängiger, investiert in die Aufforstung und versucht nun das Gesundheitssystem zu reformieren. Viele beschweren sich, dass Obama zu einem Sozialist geworden sein soll, was ich lustig finde, da Sozialist in den USA sofort eine vollkommen negative Assoziation beinhaltet, während es mir maximal ein Lächeln abringt. Er macht genau das, was er gesagt hat. Selbst bei seinen Wahlversprechen versucht er sein Bestes: Er beendet den Irakkrieg. Er schließt Guantanamo Bay. Na ja, fast.
These Nummer 3: Obama wird noch einiges leisten, er muss sich nur eingewöhnen. Ich weiß, es ist schon fast ein Jahr her, dass er offiziell zum Präsidenten ernannt wurde, aber ganz offiziell hat er seine offiziellen Tätigkeiten erst im Januar übernommen. Das bedeutet, dass gerade einmal ein paar Monate vergangen sind und jeder fragt sich, wo die Veränderung bleibt. Man kann ja viel erwarten, aber dass ein Präsident während einer Wirtschaftskrise und einem andauernden riesigen Verlustkrieg, sofort allen Menschen Vollzeitbeschäftigung gewährleistet, ist meines Erachtens ein wenig illusorisch und entspricht auch nicht meiner bisherigen Erfahrung von Politik, wo normalerweise alles so langsam vonstatten geht, dass man lieber Jahrespläne wie die Agenda 2010 oder 2020 aufstellt, um zukunftsdenkend zu erscheinen, als dass man wirklich schnell wirksame Pläne entwickelt. Ich würde den Amerikanern am liebsten zurufen: Seid glücklich, dass überhaupt etwas passiert!
Nun gut, ich glaube, ich habe mich genug zum Affen gemacht und bevor ich hier noch einmal einen Absatz darüber lamentiere, dass ich eigentlich keine Ahnung davon habe, wovon ich spreche, möchte ich einfach nur noch einmal betonen, dass ich wirklich immer noch große Hoffnungen in diesen Kerl namens Obama setze und dass mir erst nach seiner Amtszeit bewusst werden wird, wie sehr ich doch auf seine PR reingefallen bin. Egal, ich schaue nach vorne. Optimistisch wie immer.

![Nostalgie ist ein Scheusal, denn die Vergangenheit erinnert uns nur an das, was wir nicht mehr haben. [Seperator]](http://archiv.xesier.de/wp-content/themes/xesier_archiv/images/blank.gif)
ist es nicht schlimmer erst hoffnungen zu wecken um sie dann wieder zu zerstören?
und ich find lustig, dass du obusher als eigenständigen politiker betrachtest der mit seinem eigenem kopf denkt.
auch ganzschö krass, dass du die ganzen zivilen opfer des Afghanistankrieges damit entschuldigst, dass er sich als harter kerl geben kann.
Ich wollte das auch keinesfalls herunterspielen und ich rechtfertige die zivilen Opfer auch nicht nur damit, dass er sich als harter Kerl geben kann. Er ist vielmehr um die Sicherheit seines Landes besorgt und macht die logischen Schritte: er setzt alle zur Verfügung stehenden Mittel ein, um nach außen hin kampfbereit zu wirken und potenzielle Feinde klein zu halten.
Ich sehe ihn als eigenständigen Politiker, auch wenn er sich natürlich von verschiedenen Interessengruppen beraten und beeinflussen lassen wird. Ich vertraue ihm. Das ist ja auch die Hoffnung, die ich in ihn setze.
welche Feinde meinst du denn damit? China, Russland?
denke nicht, dass das der Grund für die Kriege ist. schließlich wollen die Gas -und Rüstungsindustrien weiter ordentlich Umsatz machen.
und iwie kommt mir deine “Hoffnung” wie Selbsttäuschung vor, da du ja weißt, dass er sich vor anderen zu verantworten hat und nicht wirklich was allein bewirken kann.
Mögliche Feinde wären alle die Länder, die einen Hass auf die USA haben und in denen ein Diktator gegen die USA operieren würde. Die USA bezeichnet diese Länder gerne als Achse des Bösen. Nicht, dass diese Länder gegen die USA auch nur die geringste Chance hätten, aber es würde schon ausreichen, wenn in den USA neue terroristische Anschläge ausgeführt werden würden, um dadurch eine Panik auszulösen und die Wirtschaft empfindlich zu verletzen.
Ich denke auch, dass die Rüstungsindustrie zum Teil mitverantwortlich dafür ist, dass Obama in Afghanistan Krieg führt, aber ich denke nicht, dass sie der Auslöser dafür sind. Es gibt gewisse Grenzen und mit Obama im Amt sind bereits einige Korruptionsverfahren eingeleitet worden, die den Einfluss der Industrie auf die Politik verringert haben. Allerdings kann ich das auch nicht vollständig einschätzen. Wir wissen es aber beide nicht genau und stützen uns hierbei auf Vermutungen oder Halbwahrheiten.
Hoffnung ist immer Selbsttäuschung. Man verlässt den Pfad des Rationalen, um Vertrauen in das Unlogische zu setzen und damit vielleicht etwas zu verändern. Hoffnung, halt.
http://tmideast.files.wordpress.com/2009/02/facepalm2ly3.jpg
Fail-Kommentare hatte ich auch noch nie. Du musst aber auch nicht unbedingt ein Bild verlinken. Es reicht schon ein einfaches, fettgedrucktes und in Großbuchstaben geschriebenes “FAIL!!!”. Sehr verständlich, das alles. :D
och nee du, ich find das Bild einfach zu herrlich… und nebenbei hätte es das Thema doch prima beendet oder? ;)
kann man bei dir hier im Xesier-Universum eigentlich auch direkt Bilder als comments posten?
Nein.
orykezij…
mujeres aciendo seso …
Cool, dass ORYKEZIJ das Thema noch einmal so produktiv aufgegriffen hat! ;)
Was man die Woche wieder über Obama gehört hat:
- Er vertritt immernoch öffentlich die Meinung, dass CO2 Grund für eine Klimaerwärmung ist. Ich frage mich sowieso, warum sooo viele kluge Staatsmänner immernoch dieser pseudowissentschlaftlichen Theorie anhängen, es gibt doch mittlerweile genug Experten, die sich dagegen aussprechen, unter ihnen auch Professor Mojib Latif, einer der führenden Schreiberlinge des Klimaberichts der IPCC, welcher vor dem UNO-Klimakonferenz am 1.9.09 eingestanden hat, dass sich das Klima abgekühlt hat und das auch weiter tun wird. Und davon hat Obama nichts gehört.
- Er bezeichnete Nachrichten-Blogs, welche alternativ und unabhängig von Zeitgeschenissen berichten als unserös, sie gäben nur Meinungen wieder. Mit diesem Statement will er den US-Zeitungen, welche in letzter Zeit massive Einbußen erfuhren den Rücken stärken. Zum Thema unabhängige Zeitungen in den USA hier ein kräftiges Auflachen…
- dieses Video (http://www.youtube.com/watch?v=0aqMTD5UFmU), was irgendwie ekelhaft nach Personenkult ausschaut… zumal das Prinzip denkbar einfach nach der Christrock-Band “FAITH” funktioniert. nimm ein eigentlich religiöses Lied und tausche das Wort ‘Jesus’ gegen ein anderes, im Falle des videos: ‘Obama’
aber vll. überreagiere ich auch nur und der Mist ist nur auf eine fanatische Obama-Lehrerin gewaschen.
bis zur nächsten Woche…
Ich bin gespannt. Ich würde mich noch über einen Link zur Quelle freuen. :)
nü gloa ‘enry:
1. http://community.zeit.de/user/schneefan/beitrag/2009/09/09/mojib-latif-globale-abk%C3%BChlung-f%C3%BCr-20-jahre
2. http://www.editorandpublisher.com/eandp/news/article_display.jsp?vnu_content_id=1004014435
- Mir fehlt wahrscheinlich das Grundwissen für eine richtige Argumentation, aber es gibt mindestens genauso viele Experten, die CO2 als Ursache betrachten. Was wirklich für einen Klimawandel verantwortlich sein könnte, weiß ich nicht. Trotzdem ist es nicht falsch, umweltbewusst zu handeln. Wikipedia schreibt, dass der Klimawandel durch CO2 zum wissenschaftlichen Konsens geworden ist. http://de.wikipedia.org/wiki/CO2#CO2_in_der_Atmosph.C3.A4re_und_Treibhauseffekt
– Im Bericht zu den Zeitungen kritisiert er die Blogosphäre für das, was sie in großen Teilen nun einmal wirklich ist: Eine Meinungsplattform, die journalistische Arbeit nicht ersetzen kann. Damit greift er keine alternativen Nachrichten-Blogs an, sondern spricht sich einfach generell für ein Bezahlungsmodell für Inhalte aus. Übrigens gibt es in Deutschland ein ähnliches Problem. Hierzulande interessiert sich nur kein Politiker für die Blogosphäre, sodass die Verlage das alles in ihre eigenen Hände nehmen und versuchen zu retten, was zu retten ist.
– Eine Lehrerin, die den Kindern solche Lieder beibringt, finde ich allerdings auch ziemlich krank. Nur kann man dafür nicht Obama verantwortlich machen.