16. September 2009 / , , , , , , , , / Henry / 13c

Warum Barack Obama Afghanistan zu verantworten hat und ich ihn trotzdem noch mag.

Eines der Laster, die man als US-Präsident wahrscheinlich zu tragen hat, besteht wohl darin, einen Krieg anzufangen. Clinton hatte Kosovo, Bush Irak und Obama nun Afghanistan. Doch den Krieg zu verdammen ist zu einfach, wenn man nicht versteht, unter welchem Druck dieser entstanden ist und zum Schluss schiebt man die Schuld immer auf denjenigen, der an der Spitze steht.

Eigentlich bin ich nicht in der Lage mich wirklich differenziert mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Ich habe weder das politische Hintergrundwissen, noch die unglaubliche Welterfahrung, um die Dinge wirklich intensiv bewerten zu können. Ich vermute nur und ich stütze diese Vermutungen grundsätzlich nur auf mein Gefühl. Man darf meine Aussagen also maximal als Möglichkeit betrachten und ich würde mich gerne eines besseren belehren lassen. Und jetzt nachdem ich diesen unglaublich dummen und langen Disclaimer geschrieben habe, warum ich absolut nicht dazu geeignet dafür bin, meine Meinung zu diesem Thema wiederzugeben, möchte ich mit einfachen Worten sagen, warum ich es doch tue: Ich mag Obama. Selbst nach dem Hype.

Und dass ich Obama mag, hat drei Gründe: Erstens Transparenz durch freie, weiterverarbeitbare Informationen, Zweitens Weitsicht durch Investitionen in grüne Themenbereiche, Drittens Verständnis durch Nerdhaftigkeit. Ich weiß, viele halten Obama, nachdem er nicht mehr so häufig, wie noch zu Wahlkampfzeiten, in den Medien ist, nicht mehr für den Messias einer neuen, jugendlicheren und besseren Welt. Ich denke jedoch, dass es unglaublich wichtig ist, diese Hoffnung, die man in ihn gesteckt hat, nicht einfach so unter den Tisch fallen zu lassen. Ein Mensch macht schließlich keine Veränderung. Die Idee dahinter ist viel wichtiger und es lag allein an den Menschen, die Obama unterstützt und letztendlich auch gewählt haben, diese Idee weiterzutragen.

Dass sich Protest bildet, ist normal. Hoffnung lässt sich eben nicht einfach so in Politik übersetzen. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass man ihn viel zu früh verurteilt. Bisher und ich betone bisher macht er wesentlich weniger falsch, als er könnte. Das mag vielen zwar für einen Präsidenten nicht reichen, aber man ey, er ist ein Mensch und kein Stephen Byerley. Jedenfalls denke ich, dass viele Leute ihm Unrecht tun und obwohl ich denke, dass ich zu großen Teilen falsch liegen werde, würde ich trotzdem gerne versuchen, meine haarsträubende Auffassung mit aus der Luft gegriffenen Thesen irgendwie zu belegen. Also meine typische Herangehensweise, wenn ich ein Thema behandele, das ich nicht verstehe.

Gut, These Nummer 1: Ich denke, dass Barack Obama (also Obama ist auch langsam ein Begriff, den ich nicht mehr hören kann) den Krieg in Afghanistan zum großen Teil nur durchführt, um sich international als harter Typ zu etablieren. Und ehrlich gesagt, das ist verständlich. Wer einmal die South-Park-Folge “Obama’s Eleven” gesehen hat, wird verstehen, worin die Angst vieler Amerikaner lag. Die Unerfahrenheit des Präsidenten könnte dazu führen, dass das Land international angreifbar wird. Noch schlimmer als 9-11 könnte es werden. Die logische Konsequenz bestand also darin, dass Obama sich stark zeigt und seine Schritte mit aller zur Verfügung stehenden Macht verteidigt.

These Nummer 2: Obama bleibt innenpolitisch weiterhin auf Kurs. Wenn ich mir manche Kommentare über die Regierung von Obama so angucke, dann muss ich mich echt fragen, ob sich die Menschen auch für die Politik hinter der ganzen Hope-Euphorie interessiert haben oder ob es einfach nur Vergnügen war in dieser Welle mitzuschwimmen. Jedenfalls macht Obama genau das, was er angekündigt hat. Er macht die USA energiepolitisch unabhängiger, investiert in die Aufforstung und versucht nun das Gesundheitssystem zu reformieren. Viele beschweren sich, dass Obama zu einem Sozialist geworden sein soll, was ich lustig finde, da Sozialist in den USA sofort eine vollkommen negative Assoziation beinhaltet, während es mir maximal ein Lächeln abringt. Er macht genau das, was er gesagt hat. Selbst bei seinen Wahlversprechen versucht er sein Bestes: Er beendet den Irakkrieg. Er schließt Guantanamo Bay. Na ja, fast.

These Nummer 3: Obama wird noch einiges leisten, er muss sich nur eingewöhnen. Ich weiß, es ist schon fast ein Jahr her, dass er offiziell zum Präsidenten ernannt wurde, aber ganz offiziell hat er seine offiziellen Tätigkeiten erst im Januar übernommen. Das bedeutet, dass gerade einmal ein paar Monate vergangen sind und jeder fragt sich, wo die Veränderung bleibt. Man kann ja viel erwarten, aber dass ein Präsident während einer Wirtschaftskrise und einem andauernden riesigen Verlustkrieg, sofort allen Menschen Vollzeitbeschäftigung gewährleistet, ist meines Erachtens ein wenig illusorisch und entspricht auch nicht meiner bisherigen Erfahrung von Politik, wo normalerweise alles so langsam vonstatten geht, dass man lieber Jahrespläne wie die Agenda 2010 oder 2020 aufstellt, um zukunftsdenkend zu erscheinen, als dass man wirklich schnell wirksame Pläne entwickelt. Ich würde den Amerikanern am liebsten zurufen: Seid glücklich, dass überhaupt etwas passiert!

Nun gut, ich glaube, ich habe mich genug zum Affen gemacht und bevor ich hier noch einmal einen Absatz darüber lamentiere, dass ich eigentlich keine Ahnung davon habe, wovon ich spreche, möchte ich einfach nur noch einmal betonen, dass ich wirklich immer noch große Hoffnungen in diesen Kerl namens Obama setze und dass mir erst nach seiner Amtszeit bewusst werden wird, wie sehr ich doch auf seine PR reingefallen bin. Egal, ich schaue nach vorne. Optimistisch wie immer.