Vom Hühnchen zur Musterung
Gestern Abend war doch noch alles so toll gewesen. Henry, Felix und ich hatten Langeweile, bis Henry ein Hühnchenkostüm bei sich fand. Er setzte sich dessen Kopf auf und nach einer Weile bemerkten wir, wie viel Scheiße wir damit anstellen konnten. Wir stellten uns an einen Straßenrand unter eine Laterne in Klein Kölzig und taten so, als würden wir Henry, der den Hühnchenkopf trug, vermöbeln. Erst fuhren drei Autos vorbei. Die Fahrer dürften nicht schlecht geguckt haben, als sie nichtsahnend am späten Abend zwei Jugendliche auf ein wehrloses “Hühnchen” einschlagen sahen.
Eine Frau hatte dann soviel Courage, stehen zu bleiben und nach kurzem Zögern die Tür zu öffnen, um zu fragen, was los sei und ob alles in Ordnung wäre. Wir schauten sie erst nur an, bis Felix meinte, es sei alles in Ordnung und dem Hühnchen befahl, es solle sich wieder hinlegen. Als die Frau Henry, also das Hühnchen dann direkt fragte was los sei, sagte er demonstrativ nichts, stand auf und die Frau fuhr weiter. Was die sich gedacht haben muss. Und ihre kleine Tochter erst, die alles vom Rücksitz aus mitverfolgt hatte.
Im Anschluss beschlossen wir kleine Filmchen mit dem Hühnchen zu drehen. Dabei inszenierten wir einen Drogenhandel, bei welchem das Hühnchen den Dealer bescheißen wollte und deshalb verkloppt wurde. Außerdem einen kleineren Film, der das Hühnchen auf der Schaukel zeigt, von welcher es runtergeschmissen und verkloppt wird (ist aber von eher schlechterer Qualität, da es im Dunkeln gedreht wurde und ich viel mit dem Zoom gespielt habe). Das dritte Video zeigt das Hühnchen an seinem Arbeitsplatz, samt Chef, der das Hühnchen etwas fragt. Das war ne richtig lustige spontane Aktion gestern. Herrlich.
Tja, aber am nächsten Morgen war dann Schluss mit lustig und mir wurde wieder mal gezeigt, dass ich jetzt im “Erwachsenenleben” nichts mehr zu lachen hatte: Musterung stand an. Nicht so schlimm wie erwartet. Zwar liefen da einige Trauergestalten rum, die mich im Gespräch nicht einmal anschauten und auch keine Miene verzogen, aber naja. Schon die Dame am Empfang war mir direkt unsympathisch. Nicht eines Blickes hat sie mich gewürdigt, starr auf den PC geguckt hat sie. Und als ich keine Kontonummer von mir oder meinen Eltern parat hatte, tat die so gestresst. Abtörn. Sie schickte mich dann zur nächsten Dame, die meine Personalien aufnahm. Auch die tat so als gebe es mich gar nicht und sie würde nur mit einer Wand reden.
Naja und dann musste ich halt zum Arzt. Erstmal umziehen, kurz mit einer Frau über irgendwas quatschen, ich weiß gar nicht mehr was die wollte und dann warten. Drei Jungs in einem Wartesaal und keiner sagte etwas. Alle saßen beklemmt da. Dann wurde ich aufgerufen. Seh- und Hörtest gemacht, meinen Körper klassifiziert, ein paar Fragen beantwortet und dann konnte ich bald auch wieder gehen. Natürlich nicht ohne kurz die Hose runterzulassen, aber das war mir irgendwie egal.
Dann durfte ich nochmal mit einer Frau über die Musterung reden, mir die schönen Deuschlandfahnen anschauen, die da waren (Abtörn die zweite). Und dann durfte ich auch wieder gehen.
Ich hab irgendwie ne schlechte Meinung vom Kreiswehrersatzamt und ohne die jetzt verteufeln zu wollen, aber eines viel mir direkt auf. Ich stand auf diesem Gelände, einzelne Gebäude in Blocks aufgeteilt, die aus gelben Steinen erbaut waren. Und ich fühlte mich erinnert an meine Besichtigung in Auschwitz 2005. Es sah dem so ähnlich. Aber na ja, da muss ich erstmal nicht mehr hin.

![Nostalgie ist ein Scheusal, denn die Vergangenheit erinnert uns nur an das, was wir nicht mehr haben. [Seperator]](http://archiv.xesier.de/wp-content/themes/xesier_archiv/images/blank.gif)
T1,T2 oder ausgemustert? Wenn amn fragen darf…. und warst du wenn du kriegstdienstverweiger bist auch al letztes bei der voll coolen Frau?