6. Oktober 2009 / , , , , , , / Henry / 0c

The First Days of Spring

The First Days of Spring
Screenshot: Noah and the Whale – The First Days of Spring

Als ich zum ersten Mal die Singleauskopplung “Blue Skies” aus ihrem neuen Album “The First Days of Spring” gehört habe, war ich sofort davon überzeugt, dass ich “Noah and the Whale” irgendwie dafür danken muss, dass sie so großartige Musik machen. This is a song for anyone with a broken heart, this is a song for anyone who can’t get out of bed.

Aus diesem Grund habe ich mir ihr erstes und neues zweites Album bestellt und muss sagen, dass ich einfach nur zufrieden bin. Nach dem ersten Durchhören fühlt man sich zwar etwas träge, ganz besonders beim zweiten Album, aber je häufiger man die beruhigende Stimme von Charlie Fink hört, desto schöner werden die Melodien und irgendwann ist es einfach nur noch erfrischend. Doch das ist noch nicht alles, denn Noah and the Whale haben in Verbindung mit ihrem neuen Album auch einen netten kleinen Indie-Film veröffentlicht, der die Musik des neuen Albums in Szene setzt und den ich mir heute ebenfalls angucken durfte.

Es ist nicht leicht den Film zu beschreiben, weil er sich mehr wie ein überlanges Musikvideo als ein richtiger Film anfühlt. Dennoch bin ich sowohl von der schauspielerischen, als auch visuellen Qualität des Machwerkes überrascht. Die Handlung dreht sich in drei Zeitebenen um das Leben von einem Mann namens Ethan. Die Abschnitte überkreuzen sich und sind nicht chronologisch angeordnet. Im ersten Teil geht es um den jugendlichen Ethan, der sich an einen Ausflug mit seiner Freundin an einen See erinnert, durch die Wildnis läuft und später die Asche einer gestohlenen Urne im See verteilt. Im zweiten Teil geht es um einen erwachsenen Ethan, der mit seiner Freundin ein Kind erwartet und von Depressionen geplagt wird. Er lässt sich allerdings von einem Freund zu einem Radausflug ans Meer überreden und fühlt sich erstmals wieder lebendig. Der letzte Teil beschreibt das Leben eines alten Ethan, der unglücklich einem Familienfest beiwohnt, aber seinen Sinn für das Verrückte nicht eingebüßt hat (stellt sich vor, wie er als Westernheld mit Fingern einen jüngeren Typen abschießt und dieser dann wirklich umfällt). Nach einer aufgewühlten Szene wird der Zuschauer aber mit dem Tod von Ethan konfrontiert und seine Asche wird ebenfalls im gleichen See wie schon die aus dem ersten Teil verstreut.

Es macht Spaß, sich den Film anzuschauen; nicht weil er eine besonders gut ausgearbeitete Handlung besitzt oder weil seine Figuren so eine unglaubliche Präsenz zeigen. Nein, es sind hauptsächlich die dargestellten Orte, die starke Melancholie und die Ruhe, die den Film zu einem Genuss machen. Der Film hilft dabei das Album besser zu verstehen und die Klänge den Momenten im Leben zuzuordnen. Der Film sticht dabei besonders durch seine monotone, aber realistische Farbgestaltung hervor, die einen rohen Eindruck der Aufnahmen vermitteln und sie damit sehr authentisch machen. Die Aufnahmen erfolgen größtenteils über ein Stativ, obwohl mehrfach auch Schienen- und Handaufnahmen zum Einsatz kommen. Das lässt den Film eine unglaubliche Ruhe ausstrahlen, die durch die Zeitlupenaufnahmen noch einmal besonders hervorgehoben wird. Insgesamt ist es kein Film, der einen unbedingt aufheitert oder einem sehr zum Denken anregt. Es ist vielmehr ein Film für lange, verregnete Samstagvormittage, an denen man nicht aus dem Bett aufstehen möchte. Genau für solche Momente wurde dieser Film gemacht. Mir hat er gefallen, aber ich kann ihn nicht wirklich empfehlen. Wer experimentelle Filme mag, die einen zum Schlafen anregen, der sollte sich die Bonusedition mit der DVD vielleicht mal angucken. Ansonsten ist man mit dem Album schon genug bedient.