12. Juli 2009 / , , , , , , , / Henry / 2c

Taxi Driver (1976)

“Taxi Driver” ist einer der größten Erfolge von Robert De Niro und gehört gleichfalls zu den besten amerikanischen Filmen überhaupt. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis ich dazu komme, mir Martin Scorceses Meisterwerk anzugucken. Mein Fazit: Gute Filmkost mit Kritik an der Heldenglorifizierung.

Travis Bickle (Robert De Niro) ist ein heimgekehrter Vietnam-Soldat, der in New York versucht, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Er hat massive Schlafstörungen und verbringt deshalb seine Zeit in der Nacht hauptsächlich in Pornokinos. Um diesem Trott zu entkommen, nimmt er eine Stelle als Taxifahrer an. Im Gegensatz zu anderen Taxifahrern, mit denen er sich auch häufiger in einer Bar trifft, hat er keine Probleme damit, in die gefährlichen Viertel der Stadt zu fahren oder sogar auch “Neger” zu transportieren.

Travis’ Leben zieht vor ihm her, ohne dass er intimeren Kontakt zu anderen Menschen pflegt. Erst mit Betsy (Cybill Shepherd), einer Wahlkampfhelferin für den Präsidentschaftsanwärter und Senatoren Palantine, erscheint eine Person, für die Travis Gefühle entwickelt. Als sie jedoch seine Leidenschaft für pornografische Filme entdeckt, weist sie ihn ab. Nach mehrmaligen gescheiterten Versuchen Betsy zurückzugewinnen, sucht sich Travis eine neue Aufgabe und beginnt wieder zu trainieren. Er möchte die Stadt von ihrem “Dreck” – den Prostituierten, den Dealern, Kriminellen – befreien. Als er auf seinem Weg der kindhafte Prostituierten Iris (Jodie Foster) begegnet und sieht, wie sie versucht, ihrem Zuhälter zu entkommen, entschließt er sich dazu, ihr zu helfen und sie zu befreien.

Er kauft sich Waffen und möchte mit ihnen ein Anschlag auf Palantine ausführen, um sich somit für die Abweisung von Betsy zu rächen. Als er jedoch vom Secret Service entdeckt wird, bricht er sein Vorhaben ab und macht sich in das Hotel auf, in dem Iris sich aufhält. Er schießt sich seinen Weg frei und befreit Iris schließlich aus ihrem Leben als Hure. Travis ist schwer verletzt und versucht sich mit einem Schuss selbst zu töten. Da die Waffe jedoch leer ist, kann er von Notärzten gerettet werden. Am Ende steigt Betsy wieder in sein Taxi und spricht mit ihm über seine “Heldentaten”, die in den Zeitungen groß gefeiert werden. Er bleibt jedoch zurückhaltend und verlangt nicht einmal Fahrtgeld von Betsy.

“Taxi Driver” ist ein sehr robuster Film, der mit seiner Behandlung von sozialem Ausschluss und der negativem Heldentum zu gefallen weiß. Travis’ Handlungen sind stets die eines normalen Menschen, der versucht Anerkennung zu gewinnen. Er wirkt zwar ein wenig psychotisch, aber dieser Aspekt lässt sich sehr gut mit seiner Einsamkeit und seinem besitzergreifenden Umgang mit anderen Individuen erklären. Er bleibt der harte Mann, auch wenn er eigentlich nichts hat, weshalb er hart sein müsste.

Travis Charakter ist der wichtigste Teil des gesamten Filmes, der auch sehr gut als Charakterstudie bezeichnet werden kann. Die Verwandlung vom Außenseiter über den Attentäter zum Helden ist bezeichnend für eine starke Kritik am Prinzip der Heldenglorifizierung. Travis wird als einfacher Mensch mit einfachen Bedürfnissen dargestellt, der Prostituierte und Kleimkriminelle direkt für seine Probleme verantwortlich macht. Er steigert sich immer mehr in diesen Wahn hinein und kommt dann in eine Situation, in der er Iris zufällig durch das Töten von mehreren Verbrechern hilft, ein neues Leben anzufangen. Obwohl diese Tat verachtenswert wäre, wird er von den Zeitungen dennoch als Held gefeiert.

Meine persönlichen Höhepunkte sind jedoch die einzelnen Taxigeschichten, die zeigen, wie sehr Travis von ihnen mitgenommen wird, er sich jedoch nicht einmischt. Diese Abschnitte haben genau das richtige Tempo, sind nie langweilig und zeigen stets neue, interessante Charaktere. Als besonders herausragend betrachte ich dabei die Szene, in der ein Mann ankündigt, seine Ehefrau aufgrund eines Seitensprunges mit einer Magnum umzubringen. Die Charaktere schaffen es hier eine Spannung aufzubauen, ohne dass überhaupt wirklich etwas passiert. Es gibt keine großen Bewegungen der Kamera. Es ist zum Teil sogar nur ein Monolog. Trotzdem sticht dieses Gespräch aufgrund der Härte und Travis’ Passivität hervor. Erschreckend.

Insgesamt ist “Taxi Driver” ein sehr ansehnlicher Film, der durch seine Vielseitigkeit in Sachen Charakterdarstellung und -entwicklung ein sehr großes Potenzial zum erneuten Anschauen besitzt. Obwohl das Ende mehr oder weniger recht plötzlich auftritt und die Handlung für heutige Verhältnisse nicht wirklich fesselt, ist es dennoch ein sehr umfangreicher Film, der sich hervorragend dazu eignet, ihn sich am sehr späten Abend anzugucken.