23. Februar 2008 / , , , , / Henry / 0c

Tale of Tales

Heute möchte ich euch einmal einen netten, kleinen Independent-Spieleentwickler vorstellen, dem ich das erste Mal wohl vor einem Jahr begegnet bin. “Tale of Tales” ist für mich nicht mal unbedingt so großartig wegen ihren Spielen, sondern vielmehr wegen der Philosophie, die hinter den Spielen steckt und wegen der außergewöhnlichen 3D-Grafik, die sie einfach hervorragend in ihre Spiele integrieren.

Das Erste dieser Spiele nennt sich “The Endless Forest” und hat auf den ersten Blick überhaupt kein Ziel. Man ist ein Hirsch in einem Wald, kann nicht sprechen und nichts wirklich machen, was den Spielcharakter voran bringt. Wenn man das Spiel beendet, ist man genauso ausgerüstet, wie man es gewesen ist, als man das Spiel startete. Doch dann erkennt man, dass bei diesem Spielkonzept die anfängliche Kommunikationslücke völlig neu gefüllt wurde, denn das einfache Gespräch wird über Emotionen und Gesten ausgetragen und plötzlich ist es furchtbar interessant, nicht mehr auf das zu achten, worüber die Charaktere sprechen, sondern auf das, was sie eigentlich machen.

Das Spiel wird aber gerade dadurch interessant, dass hinter den anderen Hirschen nicht etwa der PC steckt, sondern, dass es genauso andere Spieler sind, die die Welt von “The Endless Forest” erkunden und ihre Seele baumeln lassen. Das Spiel versucht also nicht durch Stress oder Druck jemanden zu irgendwas zu zwingen, sondern ihn einfach nur in Ruhe entspannen und die Welt um ihn herum genießen zu lassen.

Als nächstes erwartet den Spieler in “The Path” ein wenig Horror und ein bisschen Verwirrung, denn man weiß nicht, was man überhaupt zu tun hat. “The Path” handelt von einem Mädchen, dass von ihrer Mutter zu ihrer Großmutter geschickt wird, nachdem das Auto nicht mehr weiterfahren kann. Die einzige Regel ist auf dem Pfad zu bleiben. Klingt ein wenig nach einer düsteren Rotkäppchengeschichte, aber da sich das Spiel noch in der Entwicklung befindet, muss man sich noch ein wenig gedulden.

Das letzte Spiel in der Reihe ist für mich irgendwie auch das mysteriöseste davon. Es nennt sich “8” und mehr kann ich auch wirklich nicht dazu sagen. Ich habe die Vorgeschichte gelesen und bin verwirrt. Ich weiß echt nicht, um was es geht, obwohl ich es eigentlich verstanden habe. Es ist so ein Spiel, wo man denkt, dass man es echt ein wenig übertrieben hat mit dem lyrischen Blabla. Jedenfalls hoffe ich auf ein wenig Aufklärung, wenn die ersten Videos dazu veröffentlicht werden.

Man kommt zu dem Schluss, dass man nicht versteht, was die Spiele an sich bedeuten, bis man sie irgendwann wirklich einmal gespielt hat. Es ist dahingehend auch gar nichts Besonderes daran, wenn man erst einmal nicht davon beeindruckt ist. Das war ich anfangs auch nicht. Ich habe erst angefangen mich dafür zu interessieren, nachdem mir bewusst wurde, welche Gedanken sich die Entwickler über die Spiele gemacht haben und welche Ideen sie miteinander kombiniert haben. So arbeitet man in “8″ nicht etwa nur mit einem einfachen Avatar seiner selbst, sondern man steuert eine eigene Lebensform, die, wenn man sie nicht gut genug behandelt, einfach ihren eigenen Weg geht. Bei “The Endless Forest” ist man plötzlich erstaunt darüber, welche Möglichkeiten einem sich eröffnen, wenn man sich erst einmal über die Eingeschränktheit hinweg getröstet hat und bei “The Path” wird man immer wieder von der Atmosphäre und der eigentlich herrlichen Waldstimmung überrascht und getäuscht. Es ist eine Firme, die sich wirklich Gedanken macht und es ist eine Firma, die diese Gedanken dann in ein Manifest drückt und es anderen Spieleentwicklern in die Hand gibt. Großartig.