26. November 2008 / , , , , , , , , , , , , , , , / Henry / 14c

Super Paper Mario

Dienstag ist für mich ein sehr interessanter Tag, denn in den letzten paar Wochen war Dienstag immer ein Tag voller Schlemmerei, freundlicher Gespräche und vor allem mit einer gehörigen Portion Nintendo Wii. Ich bin ja ein Fan des alten NES und war gegenüber der Wii immer ein wenig skeptisch, ob das neue Bedienkonzept aufgehen würde. Doch seitdem ich Super Paper Mario kenne, bin ich mir sicher, dass ich mir irgendwann selbst einmal eine Wii zulegen werde.

Super Paper Mario hat einen Charme, dem ich einfach nicht entgehen konnte und der mich immer wieder in die Welt von Merlon, Timpani und Blumiere zurückgeholt hat. Super Paper Mario ist dabei die beste Umsetzung eines Mario-Spiels, die mir bisher untergekommen ist und vereint auf eine so natürliche Art und Weise 2D und 3D, dass ich fast nicht umhin kommen kann, es vielleicht sogar als meinen persönlichen Höhepunkt auf einer Konsole zu bezeichnen.

Das Spiel ist eine Mischung aus Rollenspiel und Plattformer und verbindet damit sowohl Elemente der Super-Mario-Bros.-Serie, als auch der Paper-Mario-Reihe. So werden die in den Vordergrund gelegten Hüpfeinlagen, die Punktetafel und die zweidimensionale Welt aus Super Mario entnommen, während die Papier-Optik, die RPG-Elemente und die 3D-Umgebung aus Paper Mario stammen. Diese Fusion macht es zu einem angenehmen Erlebnis für beide Parteien und gibt den jeweiligen Puristen die Chance sich in die jeweils andere Spieleserie zu verlieben.

Im Gegensatz zu einem reinen Plattformer besitzt Super Paper Mario sogar eine sehr durchdachte Geschichte, die ich in rund dreizehn Stunden komplett durchgespielt habe. Die Länge ergibt sich dahingehend aus der umfangreichen Auswahl an Fähigkeiten, die in dem Spiel durch Pixl, kleine feenartige Wesen, die dem Spieler eine bestimmte Kraft ermöglichen, repräsentiert werden. Mit dem Sammeln dieser Wesen, wird das Spiel nach und nach komplexer, da man sich in jeder Situation überlegen muss, ob man bereits alle Möglichkeiten mit den Pixln ausprobiert hat.

Dabei bleibt das Spiel aber generell sehr fair und gibt in den meisten Fällen genug Hinweise, die einem bei der Lösung behilflich sind. Tippi sticht als Begleiterin sehr stark aus den Pixln heraus. Sie analysiert Gegner, findet versteckte Türen und gibt an der ein oder anderen Stelle die mehr oder weniger erfolgversprechenden Tipps. In den meisten Fällen lässt sich jedoch ein unüberwindbares Hindernis mit einem Wechsel zwischen 2D und 3D überbrücken. Diese Fähigkeit gehört mit zu den meistbenutztesten Kräften im gesamten Spiel und ist gleichzeitig auch mit eine der besten. Rätsel bekommen einen weitaus komplexeren Grad, wenn man eine anfangs leicht aussehende 2D-Ebene in ihr 3D-Äquivalent umwandelt. Es macht Spaß und es fordert, jedes Mal sich selbst daran zu erinnern, dass nicht alles so ist, wie es scheint.

Die Geschichte des Spiels dreht sich um zwei große Prophezeiungen, die vor Urzeiten einmal aufgestellt wurden. Das dunkle Prognosticon sagt voraus, dass ein Graf Knickwitz mit der großen Leere das Universum verschlingen werden wird und damit gleichzeitig das gesamte existente Leben vernichten wird. Um der Prophezeiung jedoch etwas entgegen zu setzen, wurde das lichte Prognosticon geschrieben, das vier Helden prophezeit, die mit der Hilfe der acht reinen Herzen, Graf Knickwitz stürzen würden. Welche Prophezeiung sich allerdings als die richtige erweist, wird bis zum Ende des Spiels offen gelassen.

Am Anfang des Spiels wohnt man einer Hochzeit zwischen Bowser und Prinzessin Peach bei, die widerwillig unter Hypnose zu einem Ja-Wort getrieben wird. Nachdem die Hochzeit jedoch vollendet ist, hat Graf Knickwitz keine Verwendung mehr für die beiden Verheirateten und möchte sie loswerden. Doch in diesem Augenblick kommt Luigi auf den Plan und vereitelt das Schlimmste. Beide Parteien werden auseinandergerissen. Die Szene wechselt und der Spieler übernimmt die Kontrolle über Mario, der in Ruhe aus seiner Hütte watschelt und sich dann auf den Weg nach Flipstadt macht, um wieder einmal die Welt zu retten.

Durch Wüsten, Bergregionen, Unterwelt, Himmel und Weltraum muss Mario sich dann kämpfen, um die reinen Herzen aufzuspüren, die die einzige Chance darstellen Graf Knickwitz und seine Schergen zu besiegen. Unterstützt wird Mario von seinem Bruder Luigi, Prinzessin Peach und seinem früheren Feind Bowser, die alle noch eine Rechnung mit Graf Knickwitz offen haben oder wenigstens versuchen das Universum vor der Leere zu bewahren. Eine interessante Funktion ist dabei das Wechseln der Charaktere, das die verschiedenen Charakterstärken in den Vordergrund rücken lässt und zu jeder Situation noch eine für den Charakter einzigartige Komponente hinzufügt. Peach hat ihren Schirm und kann über große Schluchten schweben, Bowser kann Feuer spucken und macht doppelt so viel Schaden und Luigi hat einen Super-Sprung.

Die Geschichte wird zwar linear erzählt, erhält sich dadurch aber eine spannende und vor allem mitreißende Art. Es finden sich sehr stark überzeichnete Charaktere, die eine nette Satire auf die Wirklichkeit darstellen und zum Teil auch Gefühle thematisieren, die ich so von Videospielen noch nicht gesehen habe. Liebe und Tod sind dabei die wichtigsten Elemente und verbinden sich mit einem großen Strang Humor, der das gesamte Spiel zusammenhält und so sympathisch macht. So wird die Hölle in Super Paper Mario kurzerhand zum Game-Over-Land, das das “beendete” Spiel einer jeweiligen Figur beinhaltet.

Nebenbei wird mit vielen Referenzen gearbeitet, die sowohl Fans der Serie, als auch Fans des Nerdtums ansprechen könnten. So spielt die gesamte Geschichte des dritten Kapitels in einer Pixel-Welt, die aus größeren quadratischen Steinen aufgebaut ist und einen Nerd beinhaltet, der sich Roboter hält, die für ihn TV-Serien aufnehmen und daraus die Werbung entfernen. Weiterhin sind einige Level aus dem ersten Super Mario Bros. enthalten und für die Fans schnell zu erkennen. Gerade diese Referenzen gehören zu den schönsten Momenten im Spiel, weil man sich dann bewusst wird, welchen Spaß man eigentlich mit den Originalen hatte.

Gleichzeitig zur Spielerfahrung gesellt sich auch die philosophische Erfahrung. Verlust, Leere, Sinn des Lebens, Erfüllung und vor allem das Spiel mit der Unwirklichkeit der Charaktere sind immer wieder interessante Ansatzpunkte, denen man gerne folgt. Generell entnimmt man dem Spiel eine sehr optimistische Grundhaltung, die durch den Humor dahinter kräftig bestärkt wird. Trotzdem braucht man sich nicht generell auf ein glückliches Ende freuen. Das Ende ist anders, als ich es erwartet habe, auch wenn ich es zum Teil auch vorhergesehen habe.

Super Paper Mario ist ein durch und durch gelungenes Konsolenspiel, das mit seiner Vielseitigkeit mich darüber grübeln lässt, inwiefern man solch ein Spiel mechanisch noch verbessern könnte. Mir ist nicht wirklich etwas eingefallen, was dem Spiel wirklich negativ zu Buche schlägt. Die Rätsel sind manchmal etwas träge, weil man in einigen Fällen sehr viel herumlaufen muss. Außerdem sollte man sich des Öfteren in Flipstadt mit Heiltränken eindecken, da man während der einzelnen Unterkapiteln nur wenige davon findet und nicht ohne weiteres von Flipstadt zum entsprechenden Kapitel zurückgelangen kann.

Ich nehme jedoch nur gute Erfahrungen aus dem Spiel mit heraus und verbuche es generell unter den Erlebnissen, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Es war eine schöne Zeit und ich danke Christopher noch einmal vielmals, dass er mich so lange bei sich ertragen hat und mir in vielerlei Hinsicht schöne Dienstage beschert hat. Ja, Dienstage sind generell gute Tage, im Gegensatz zu den sonst so furchtbar dummen Donnerstagen. Ja!