22. Mai 2009 / , , , , , , , , , , , , / Henry / 8c

Prototype – Preview

Ich warte wieder auf ein Spiel und wieder einmal könnte ich enttäuscht werden, denn Prototype sieht zurzeit einfach nur viel zu gut aus, als dass es wirklich so gut werden könnte. Doch trotzdem bin ich irgendwie guter Dinge und hoffe darauf, ein Independent-Superheldenspiel zu bekommen, dass derzeit eine Intensität versprüht, die ich so eigentlich noch nie in einem Spiel gesehen habe.

Doch nachdem ihr euch das Video angesehen habt, werden euch mindestens genauso viele Gründe einfallen, warum man dieses Spiel verdammen sollte. Das Spiel ist brutal und das Spiel ist extrem blutig. Man spielt einen Charakter, der nicht unbedingt ein Gewissen hat und es mit seiner Macht auch nicht unbedingt braucht. Viele hilflose Menschen werden sowohl zum Spielball des Charakters, als auch der unzähligen Mutanten, die das Spiel unsicher machen.

Und dennoch freue ich mich auf das Spiel, denn es vereint Parkour, unglaubliche Macht und das Gefühl einer epischen Schlacht in unglaublichen Perfektion. Viele Menschen werden das Spiel nicht verstehen und würden am liebsten alle Programmierer an den Pranger stellen. Ich kann das nachvollziehen, aber ich kann trotzdem nicht meine Vorfreude auf das Veröffentlichungsdatum verbergen.

Doch gehen wir ein wenig tiefer und versuchen nachzuvollziehen, warum ich überhaupt ein solches Spiel verteidigen möchte und was es meiner Meinung nach so sehr von anderen Spielen abhebt. Ich bin der Auffassung, dass Gewalt in Videospielen eine stilistische Komponente darstellt, die Realität und Fiktion in wahrheitsgetreuer Weise verbindet. Aus diesem Grund sollte es in der Kunst gestattet sein, neben einer verharmlosten Fiktion, die die Konflikte immer friedlich löst und den Tod abstrahiert, auch eine realere oder sogar überzeichnete Fiktion anzubieten, die einen Gegenpol zur Gelassenheit darstellt und den Menschen die Auswirkungen seiner Taten aufzeigt.

In der Antike kam ein weiterer Aspekt in der Debatte um die Gewalt hinzu. So beschreibt die Karthasis den entlastenden Effekt von Darbietungen, die gewalttätige oder verwerfliche Darstellungen beinhalten. Der Zuschauer soll durch das Miterleben von überreizten Emotionen, die eigenen inneren Ungereimtheiten beseitigen können. Dieses Prinzip ist wie viele Theorien, die versuchen die menschliche Psyche zu erklären, natürlich nicht vollständig bewiesen. Es bietet uns aber eine Erklärung dafür, warum aber selbst friedfertige Menschen es sich nicht nehmen lassen wollen, Zombies auf dem Bildschirm abzuknallen.

Prototype bietet im Gegensatz zu anderen Spielen sehr viel von der schon angesprochenen überzeichneten Fiktion und strapaziert sie in einer Weise, die es eigentlich unmöglich macht, sie zu reproduzieren. Das Spiel ist einzig darauf aus, eine Szenerie zu präsentieren, in der ein Mensch an fast unerschöpfliche Kräfte gelangt und sie allein zu seinem Vorteil nutzt. Das Spiel wertet keine Taten und versucht auch nicht, dem Spieler zu erklären, warum das, was er tut, falsch ist. Das wäre nicht nachvollziehbar und würde die Regeln der Illusion brechen.

Doch was nutzt es zu wissen, wie man sich fühlt, wenn man Macht hat? Man bestätigt sich selbst und sein Lebensgefühl. Viele Menschen werden niemals die Möglichkeit dazu haben, in ihrem Job weiter aufzusteigen und die meisten wollen das auch nicht. Trotzdem würden sie gerne erleben, wie es sich anfühlt, etwas Besonderes zu sein. Aus diesem Grund gibt es Abenteuerromane, Superheldencomics, Detektivfilme oder eben auch Computerspiele wie Prototype, die einem die Möglichkeit bieten, etwas nachzuempfinden, was die Wirklichkeit niemals bereit hält.

Für viele Menschen mögen solche Darstellungen und alles, was Menschen scheinbar verletzt, falsch sein. Ich denke, solch eine Einstellung beeinträchtigt die Freiheiten, die man einem denkenden Menschen lassen sollte, denn letztendlich verletzen Computerspiele keine Menschen. Der Spieler tötet niemanden. Die Gefühle im Spiel sind gespielt, egal, wie real sie erscheinen mögen. Ist das so schwer zu verstehen? Ich meine, ich bin ein Pazifist, der das Leben in all seinen Facetten genießt und sich schon schlecht fühlt, wenn er einer Fliege das Leben genommen hat. Trotzdem empfinde ich kein Mitleid, wenn ich dem Spiel unterworfene Computerspielcharaktere abschieße. Sie sind nicht mehr als Schneemänner, die man mit einem Fön schmilzt. Sie sind nicht mehr als Bowlingpins, die man mit der Kugel umstößt. Sie sind einfach nicht echt.

Weiterhin sollte man Prototype auch nicht als reine Bösartigkeit bezeichnen, denn Prototype ist keine reine Tötungssimulation. Prototype handelt von Alex Mercer, der in einer New-Yorker-Wohnung aufwacht, sein gesamter Gedächtnis verloren hat und sich nun mit seinen neuentdeckten Kräften auf die Suche nach seiner Vergangenheit macht. Er bemerkt, dass die Stadt von einem unheimlichen Virus heimgesucht wird und dass er anscheinend etwas damit zu tun hat. So kämpft sich Alex durch die unzähligen verseuchten Stadtteile und versucht die Zusammenhänge aufzuklären. Das Spiel versucht also Handlung zu schaffen, die nicht das sinnlose Töten, sondern die inneren und äußeren Konflikte in den Vordergrund setzt.

Eine weitere Besonderheit stellt das schon im Video erwähnte erweiterte Open-World-Parkour dar. Das Laufen über die Dächer einer Großstadt mit übermenschlichen Sprungkräften und unglaublicher Ausdauer gehört sicherlich zu den Highlights des Spieles und ist in solch einer Weise nicht einmal ansatzweise in Mirror’s Edge umgesetzt worden. Das Spiel bietet unglaublich viele Möglichkeiten, sich läuferisch auszutoben und verspricht ein unglaubliches Potenzial, Freiheit spielbar zu machen.

Das waren soweit meine ersten Eindrücke zum Spiel. Ich weiß nicht, wie das endgültige Produkt aussehen wird, ich hoffe aber, dass ich eine unzensierte Version spielen werden kann. Das einzige Problem, was ich mit dem Spiel wohl haben werde, ist die Tatsache, dass es in der Öffentlichkeit wahrscheinlich extrem dazu missbraucht werden wird, die Gewaltdebatte von Computerspielen anzuheizen. Gerade jetzt, wo in Deutschland sehr viele Verbote gefordert werden, wird es da für den Publisher extrem schwer werden, das Spiel überhaupt zu verkaufen oder zu vermarkten. Aber wir werden sehen, was passiert, wenn das Spiel am 12. Juni in Europa erscheinen wird.