Persönliche Begründung
Ich wurde heute dazu berechtigt, den Kriegsdienst zu verweigern und möchte in diesem Zusammenhang meine persönliche Begründung hier online stellen. Vielleicht gibt sie euch entsprechende Anregungen, die es euch ermöglichen, einen Weg außerhalb des Militärs zu bestreiten. Weiterhin sehe ich die Seite Frieden-schaffen.de als einen sehr guten Einstieg in das Thema, wenn ihr wirklich absolut keine Ahnung habt, was ihr in eine solche Begründung hineinschreiben sollt. Viel Spaß damit.
In einer globalpolitischen Zeit, in der es immer schwieriger wird zu überblicken, was richtig und was falsch ist, fühle ich mich außerstande einer militärischen Institution beizutreten. Freiheit, Gewaltlosigkeit und Ruhe sind für mich gerade deshalb die wichtigsten Indikatoren für ein friedliches und konfliktbefreites Zusammenleben. Das Leben eines einzelnen Menschen ist aus meiner Ansicht heraus unantastbar, egal welcher Verbrechen er sich schuldig gemacht hat. Der Tod ist dabei eine solch endgültige Entscheidung, dass sie meiner Meinung nach kein anderer Mensch fällen darf. Auch wenn wir es noch nicht geschafft haben, alle Menschen auf der Welt von der Sinnlosigkeit des Krieges allgemein zu überzeugen, so möchte ich dennoch meinen Beitrag dazu leisten, indem ich mich selbst dem Kriegsdienst verweigere.
Mein Gewissen ist dabei ein abstrakter Begriff, der für das innere Abwägen zwischen Gut und Böse zuständig ist. Er ist aus meiner recht freien Erziehung und meinen persönlichen Erfahrungen entstanden und steht mir bei jeder Entscheidung so gut es geht zur Seite. Durch mein Gewissen lebe ich im Einklang mit meiner Person und kann Situationen beurteilen, die sich grundlegend auf mein Leben auswirken können. So fühlte ich mich im letzten Jahr dafür verantwortlich, dass ich mehrere Male einen Freund verletzt habe, obwohl mir mein Gewissen sagte, dass ich falsch handele. Ich hatte Probleme mich zu konzentrieren und war über meine Person schwer enttäuscht. Nachdem ich meinen Mut zusammengenommen hatte, ging ich zu meinem Freund und klärte die Sache mit ihm. Ich habe gelernt, dass es mir tiefe Schmerzen verursacht, wenn ich mich gegen mein Gewissen stelle und möchte deshalb auch grundlegend diese Erfahrung nicht mehr machen.
Wenn ich über meine Abneigung gegenüber dem Krieg oder allgemeiner noch dem Militär nachdenke, dann kommen mir zu aller erst die Geschichtsstunden in meiner Grundschule in den Sinn, in denen uns zum ersten Mal die negativen Bedeutungen der zwei Weltkriege näher gebracht wurden. Nach weiteren acht Jahren Schule kann ich mir bis heute nicht wirklich erklären, wie man einfach so aus ideologischer Überzeugung so viele Menschen in den Tod schicken konnte. Doch, die durch Deutschland verursachten Weltkriege waren ja nur der Anfang. Der gesamte Verlauf der Geschichte ist mit tausenden von Konflikten, Kriegen und Interventionen zugepflastert, die nichts weiter getan haben, als Machtverhältnisse neu aufzusetzen.
Meine Familie und darunter besonders meine Großmutter trugen maßgeblich dazu bei, dass ich mich niemals freiwillig dazu verpflichten würde, Deutschland im Militär zu dienen. Angefangen hat dies durch eine antiautoritäre Erziehung, die mir die Wichtigkeit von Gewaltlosigkeit und Problemlösung in einer modernen und freiheitlichen Gesellschaft lehrte. Auf dieser Grundlage entschloss ich mich dazu Pazifist zu werden, da ich in einer Welt, in der die Kommunikation versagt, nicht wirklich leben wollte. Für mich wird es niemals eine letzte Option geben, bei der ich Krieg oder selbst die Verteidigung eines Landes für gerechtfertigt halten würde.
Es gibt weiterhin auch besonders extreme Fälle, bei denen ich mir sicher geworden bin, dass das Militär niemals für mich in Betracht kommen wird. Ein Beispiel wäre sicherlich das Konzentrationslager in Buchenwald, das ich mit meinem Politik-Kurs besucht habe. Die große Leere in Verbindung mit mehreren hundert Gedenksteinen hatte auf mich eine Wirkung, die weit über gesehene Filme wie „Schindlers Liste“, „Das Leben ist schön“ oder „Die Fälscher“ hinausgeht. Allerdings muss ich einen Film davon herausnehmen, der mich persönlich weit über alle Maßen schockiert hat. Auch wenn dieser Film sich nicht mit den Schicksalen in einem Konzentrationslager, sondern mit denen im Vietnamkrieg auseinandersetzt, so hat er dennoch eine solch starke Wirkung auf mich gehabt, dass ich es mir nun grundlegend zwei Mal überlege, ob ich mir überhaupt noch Kriegsfilme angucken möchte. Der Film nennt sich „Full Metal Jacket“ und zeigt mit einer unvergesslichen Präzision jegliche Schrecken des Krieges.
Doch, was erhoffe ich mir im Gegensatz dazu vom Zivildienst? Ich hoffe, dass ich in meiner Betätigung als Zivildienstleistender den Menschen mit meinen Stärken und meinen Werten behilflich sein kann. Vor allem hoffe ich aber, dass meine Entscheidung dazu beiträgt, dass die Menschen in meiner Umgebung von mir profitieren und mich als Unterstützung in ihrem Leben betrachten können.

![Nostalgie ist ein Scheusal, denn die Vergangenheit erinnert uns nur an das, was wir nicht mehr haben. [Seperator]](http://archiv.xesier.de/wp-content/themes/xesier_archiv/images/blank.gif)
Toll. Ehrlich. Das kann ich so zu 100 % unterschreiben. Falls ich bei der Musterung nicht sowieso komplett durchfalle, weil meine Luftröhre verengt ist und ich Omphalocele (http://de.wikipedia.org/wiki/Omphalozele) habe, werde ich mir deine Gedanken hier noch einmal anschauen, und mich selbst noch einmal extra damit auseinander setzen.
Ein soziales Jahr will ich aber auf jeden Fall machen, um selbst Erfahrung zu sammeln, und um anderen Menschen zu helfen. Dabei möchte ich wenn möglich ins Ausland, in eine Region, in der Menschen tagtäglich dafür arbeiten, dass wir ein angenehmes Leben haben.