19. Dezember 2007 / , , , , , , , , , , , , , , / Henry / 9c

Patriotismus

Märzrevolution
Märzrevolution – Anpassung durch Xesier.de, Lizenz

Patriotismus ist der Stolz auf sein eigenes Land und unterscheidet sich vom Nationalismus dahingehend, dass man selbst nicht denkt, dass die eigene Nation “besser” ist als andere Nationen. Ich weiß, es mag schwierig sein ein solches Thema anzusprechen, gerade weil wir auch stark unter den Nachwirkungen des Nationalsozialismus zu leiden haben und von anderen Ländern meistens allein auf diese Vergangenheit reduziert werden. Dennoch möchte ich gerne dazu eine Frage stellen, die ich mir selbst schon sehr oft gestellt habe und die mir ebenfalls sehr oft großes Kopfzerbrechen bereitet hat. Bin ich selbst ein Patriot?

Anstatt jetzt eine klare Ja-Nein-Antwort zu geben, weiche ich aus, was ich häufiger mache, wenn man mich mit Fragen konfrontiert, auf die ich selbst auch nicht wirklich meiner Person entsprechend reagieren kann. Vielleicht sollte man deshalb erst einmal auf Deutschland als geschichtsträchtiges Land zurückblicken und sich danach entscheiden, wie patriotisch man wirklich selbst sein sollte.

Jetzt kommt natürlich die Frage auf, wie weit man zurückblicken sollte? Geht man auf die Teutonen oder die Kelten 50 v. Chr. ein? Sollte man lieber den Untergang des römischen Reiches und nachfolgend den Aufstieg und Untergang des Frankenreiches und die damit verbundene Trennung in West- und Ostfrankenreich bezeichnend als den Beginn der Entwicklung eines “teutschen” Reiches darstellen? Oder sollte man ganz einfach die Annektierung der deutschen Gebiete durch Preußen unter Wilhelm I. und Bismarck als Geburt von “Deutschland” betrachten? Ich weiß es nicht, ich kann es nicht einschätzen und gerade deshalb macht es uns die Entscheidung noch schwieriger. Auf was soll man stolz sein? Welche Kultur hat uns am meisten beeinflusst, dass wir zu einer “deutschen” Kultur überhaupt finden konnten? Und selbst heute stellt sich die Frage, inwieweit wir eine gesamtdeutsche einheitliche Kulturvergangenheit aufweisen können? Ich denke eine solche existiert nicht. Gebietskämpfe, Annektierungen, verschiedene Vorlieben und Machtansprüche der verschiedensten Mächte in ganz Europa beeinflussten jedes Land radikal, sodass eine ursprüngliche nationalstaatliche Kultur gar nicht existiert. Es existiert vielleicht eine europäische Kultur, obwohl selbst das durch die Osmanen widerlegt werden könnte. Es ist halt einfach eine schwierige Situation mit dem Patriotismus, denn wenn wir es nüchtern betrachten, können wir allein unsere Sprache hochschätzen, da alles andere nicht unbedingt deutsch ist.

Doch man sieht, ich rede wieder einmal drumherum. Rückblickend, was hat Deutschland groß gemacht? Für mich persönlich steht auf diesem Plan die Literatur unter Goethe, Schiller, Kant, Hegel, Engels und Marx, dann die Naturwissenschaften mit Einstein, Kepler, Leibniz und Gauß, sowie zum Abschluss die zusammenfassende Entwicklung zu einem liberalen, demokratischen Bundesstaat. Sollte man deswegen patriotisch sein oder besser gesagt stolz sein, Deutscher zu sein? Ich weiß es immer noch nicht und werde mich wohl nie ganz heimisch und nie ganz fremd fühlen können. Es ist wohl das Schicksal dieser Generation auf der einen Seite zwischen den alten Traditionen aus dem Ost-West-Konflikt der Alten und dem neuen aufgelockerten Bild einer Bundesrepublik zu leben. Jugendkultur ist dennoch für mich immer noch das Maß aller Dinge und auch wie wichtig die Betrachtung der Vergangenheit auch sein mag, viel wichtiger ist es doch, etwas zu vollbringen, was jemand anderen ähnlich bewegen kann, wie man selbst durch andere bewegt wurde. Das würde mich stolz machen Deutscher zu sein.