21. Oktober 2008 / , , , , , , , , , / Henry / 1c

Passion Pit – ungewöhnlich ruhige Musik

“Chunk Of Change” heißt die EP, die mich in den letzten Tagen sehr gefesselt hat. Da habe ich doch eigentlich große Lust euch auch einmal in den Geschmack dieser wunderbaren Töne zu bringen. Passion Pit faszinieren dabei auf eine ganz eigenartige Weise, obwohl sie so gewöhnlich aussehen.

Cambride, USA, das ist ihre Heimat. Big Beat, Soul, Pop – irgendwie das was sie spielen. Doch irgendwie hat das alles nicht so viel Stil, wie man sich das sonst so vorstellt. Sie sind alles keine herausragenden Persönlichkeiten. Normale Musiker, solide und dennoch vollkommen genial, auf ihre Art.

Ich dachte zunächst, dass die EP keine große Besonderheit gewesen ist. Zuerst einmal kurz darüber gehört und nichts Interessantes entdeckt. Es waren fremde Töne, die einen zunächst einmal suspekt vorkommen, wenn man sie nicht gewöhnt ist. Sie klingen halb weinend und irgendwie total unpassend. Man achtet auf nichts und hört sich halt so durch.

Doch irgendwann kommt man zu dem Punkt, an dem das letzte Lied “Sleepyhead” plötzlich ernsthaft hervorsticht. Man denkt zunächst an große Rap-Hymnen und wird dann mit einer Eingängigkeit überrascht, die die vorigen Lieder so ja überhaupt nicht richtig erfüllt haben. Was ist passiert? Wo ist die Band, von vor einer Minute und dann geschieht es. Der Refrain setzt ein und plötzlich liebt man es. Dieser ruheverstrahlende nachdenkliche Magnet “Chunk of Change” hält einen immer fester und plötzlich öffnen sich nach und nach die anderen Lieder.

Dort erscheint einem die anfänglich weinerliche Stimme plötzlich vollkommen passend und hier ist die Stimmung einzigartig. Das Eröffnungslied “I’ve Got Your Numbers” ist ein sehr simpel gehaltenes Stück Musik, das bis zu 1:14 sehr stark an klanglicher Monotonie festhält. Doch plötzlich stört ein Schrei das Gebilde und öffnet einen neuen Weg, der nach und nach das gesamte Lied übernimmt. Diese chaotische, fast kranke Stimme durchdringt nach und nach jede Kleinigkeit und läuft ab 3:26 zu Hochtouren auf.

Smile Upon Me” fängt hingegen gänzlich anders an. Mit einem ständigen Wechsel zwischen rechtem und linken Ausgang und einigem Klirren verwirrt das Lied zunächst und gibt dem Hörer erst einmal einen Vorgeschmack auf den ab 1:48 anbrechenden wortlosen Wohlklang. Das Hoch- und Runterspielen einiger Klänge, sowie die doppelte Stimme versuchen stärker denn je Vielfalt in das gesamte Stück einfahren zu lassen. Bis zum Ende weiß man nicht, was einen erwartet.

Halbe Töne, abgerissene Kanten und eine wohlklingende, reine Stimme sind jedoch der vollkommene Inhalt von “Cuddle Fuddle“. Eine lange Einleitung führt uns zum ersten Refrainstück, das ab 1:09 uns in eine blühende Meereslandschaft abtauchen lässt. Allgemein sind die ersten Gedanken, die ich mit Passion Pit in Verbindung bringe eine freundliche und tiefblaue Unterwasserlandschaft. Dieses Lied allerdings trägt dieses Blau einfach in der Stimme. Zum Teil erinnert es mich sogar an die Young Vulgarians mit ihrer verrückten Klanggewaltigkeit. Es ist einfach interessant dieser Freundlichkeit zuzuhören.

Live to Tell the Tale” setzt diesem Unterwasserbild nun jedoch eigentlich die Krone auf. Zuerst findet man in diesem Lied eine Abgeschiedenheit vor, die das Lied von den anderen in einer Weise abhebt, die es fremd erscheinen lässt. Erst ab 0:22 wird dann das Spiel aufgelöst und die Leere wird durch Eingängigkeit und Schönheit ersetzt. Die Entspanntheit kann nur noch vom Refrain erhöht werden. Es ist ein Genuss jeder Silbe zu lauschen und sich langsam in den Schlaf singen zu lassen.

Dschungelklänge, Radio-Elemente und ein schneller Rythmus beherrschen dahingegen das wohl energiereichste Stück der EP. “Better Things” wird mit einer vergleichsweise starken Stimme getragen und es gibt nur sehr wenige Brüche in der allgemein heiteren Stimmung. Bis zum Ende spürt man jedes kleinste Element und wandert dann direkt zum Meisterwerk über.

Sleepyhead” ist mit 2:55 das kürzeste, aber dennoch das eindrucksvollste Stück der gesamten Platte. Es hat einen dreistufigen Aufbau. Zuerst findet man sich in den Hintergrundklängen wider, die sehr stark an die Beats von Rap-Künstlern erinnern. Danach kommt ab 0:43 die Singstimme zum Tragen, die den Großteil des Liedes ausmacht. Diese wird nur noch übertrumpft durch den ab 1:19 einsetzenden Refrain, der das Lied und die EP insgesamt einfach nur total aufwertet. Die Klänge sind nur kurz und beinhalten kaum Kraft, sind aber dennoch so einzigartig, dass sie mich einfach nur umhauen.

Um diesen Beitrag nun aber richtig ausklingen zu lassen, möchte ich euch das letzte Lied namens “Sleepyhead” vorstellen, damit ihr euch selbst von der Großartigkeit überzeugen könnt. Ich bin hingegen hin und weg und schwimme noch ein wenig durch die aufgebauten Bilder.