Heiner Rank – Die Ohnmacht der Allmächtigen
Es ist nicht häufig so, dass ich Bücher verschlinge. Man beginnt es zu lesen, ohne weiter darüber nachzudenken und schon nach kürzester Zeit befindet man sich auf Seite 143 und will unbedingt wissen, wie es denn nun ausgeht, dieses fantastische Werk. Der Science-Fiction-Roman “Die Ohnmacht der Allmächtigen” ist ein Teil dieser wunderbaren immer wieder lesbaren Literatur.
Achtung Spoiler!: Asmus Feuerstake ist ein fünfzigjähriger Mineraloge, der auf Japetus 2, einer automatischen Kupferschürfanlage auf dem neunten Mond des Jupiter, von Außerirdischen verschleppt wird und dann auf Astilot, dem Planeten der allmächtigen Daffotil, erwacht. Vorerst hat er sein Gedächtnis verloren und muss sich in dieser neuen Umgebung sozusagen als Fremder zurecht finden.
Er stoßt auf ein scheinbares Paradies, in welchem es keinen Mangel mehr gibt. Materielle und immaterielle Güter sind im Überfluss vorhanden, jeder kümmert sich um jeden und alles steht unter dem großen Gesetz des KAPINOM, welches sich in den Genen der Dafotil befindet und sie daran hindert Gewalt gegen andere Dafotil oder Gegenstände anzuwenden. Doch eine Welt, die nichts braucht, entwickelt sich nicht und plötzlich regt sich Widerstand unter den Dafotil, die keine Polizei, keinen Staat, keinen Schmerz kennen. Sie wollen arbeiten und Asmo (Asmus) ist der einzige, der ihnen dabei helfen kann, da er als wissenschaftliches Konservat einer Vorzeit, dem KAPINOM nicht untergeordnet ist.
Spoiler vorbei!: Die Ohnmacht der Allmächtigen ist ein utopischer Roman, der sich vor allem mit der Frage nach dem Sinn des Lebens auseinandersetzt. Dabei spielt vor allem die Idee der schöpferischen Arbeit als vom Menschen notwendiges Mittel zur Entwicklung eine wichtige Rolle. Man merkt dem Buch dabei die DDR-Nähe aber sowas von an, dass es echt schon Spaß macht, die Ideologie der Hauptfigur mitzuverfolgen. Obwohl das Buch stellenweise arg mit einer schnulzenhaften Art zu kämpfen hat und die Handlungen der Hauptfigur ein wenig über die reguläre Vernunft, die sie häufig propagiert, hinaus geht (hartes Vorgehen und Vermutungen, die vollkommen aus der Luft gegriffen sind), so muss man dem Buch dennoch eine Klasse zuweisen, die ich so nur von einigen Büchern kenne.
Es ist ein einfaches und verständliches Buch, ohne eine große Anzahl von Fachbegriffen. Mit ein paar Englischkenntnissen und ein wenig physikalischem Verständnis erschließt es sich ohne Probleme. Doch was soll man aus dem Buch mitnehmen? Durch die Vernebelung des Geistes mit Drogen und die Niederlegung der Arbeit verdirbt der Mensch, weil er durch sich selbst keine Entwicklung mehr vollzieht, sondern sich nur noch den weltlichen Gelüsten hingibt. Na gut, für mich klingt diese erzieherische Moral eher wie der Versuch die Menschheit der unbedingten Arbeit zu unterwerfen. Wer Lust hat kann sich in Kapitel 7 die letzten fünfzehn Absätze durchlesen und sich selbst eine Meinung über Asmo bilden.
Das Buch bietet in jedem Fall genug Stoff für eine Filmumsetzung, obwohl diese wohl arg B-Movie-mäßig daherkommen würde. Nun, egal. Ich hatte Spaß mit dem Werk. Wer Lust auf utopische Literatur bekommen hat, der sollte es sich unbedingt bestellen. Demnächst werde ich mich einmal an “Menschen wie Götter” wagen. Mal sehen, was das verspricht.

![Nostalgie ist ein Scheusal, denn die Vergangenheit erinnert uns nur an das, was wir nicht mehr haben. [Seperator]](http://archiv.xesier.de/wp-content/themes/xesier_archiv/images/blank.gif)
[...] eigentlich mein Traumberuf wäre.; Hass, Wut und der ganze Dreck; Zeitgeist; Heiner Rank – Die Ohnmacht der Allmächtigen; Wie mich die aktuelle Spielewelt total kalt lässt.; Traumzeit – Lebenswahn; Ich [...]
Hallo Henry – I’m an old (>40) East German
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Also ich fand das Buch als es 1974 herauskaum umwerfend – weil es aus der DDR-Realität solch eine Märchenwelt – in der jeder nur noch an sein Vergnügen und Spass denkt unmöglich geben konnte.
Heute sind wir/ich eines besseren belehrt – und ich bin immer noch großer SF-Fan ( unter anderem !)
meine Favoriten sind:
Ursula K. Le Guin
Stanislaw Lem
John Brunner
Pearl S. Buck (kein SF) aber super !
Taylor Caldwell kein SF – “Der Anwalt des Teufels –
könnte aber durchaus aktuelle Polit-SF sein )
Grüße aus Schwerin
von Paule
und Zitat zum Schluss:
“Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition.
Die Zensur ist das lebendige Geständnis der Großen, daß sie nur verdummte Sklaven treten,
aber keine freien Völker regieren können.”
- Johann Nestroy: “Freiheit in Krähwinkel” (1849)
Ich bin ebenfalls ein großer Science-Fiction-Fan, obwohl ich meine ersten Erfahrungen eher mit der russischen und amerikanischen Science-Fiction hatte (Strugazki, Zarenow / Asimov). Die finde ich gegebenenfalls immer noch am spannendsten.