Funny Games (1997)
Wenn man von österreichischen Filmen spricht, dann fällt mir persönlich immer die verfilmte Lebensgeschichte von Mozart ein. Das ist jetzt irgendwie ein wenig klischeehaft, aber na ja, was soll man machen. Dass es natürlich auch anders gehen kann, wollte mir gestern der Psychothriller “Funny Games” von Regisseur Michael Haneke einreden. Zu meinem Bedauern hat der Film aber leider nichts Besseres zu tun, als bei Uhrwerk Orange zu klauen und die Zuschauer zu verarschen.
“Funny Games” handelt von einer dreiköpfigen Mittelstands-Familie, die an einen Erholungssee fährt, um ein wenig auszuspannen und zu segeln. Nachdem die Familie sich einigermaßen eingelebt hat, tauchen plötzlich die zwei Jugendlichen Paul und Peter auf, die völlig unbekümmert nach ein paar Frühstückseiern fragen. Als die Eier jedoch mehrfach kaputt gehen und die beiden immer aufdringlicher werden, wollen die Frau und später auch der Mann die beiden hinauswerfen. Allerdings haben sie nicht mit dem Enthusiasmus der beiden jungen Männer gerechnet. Plötzlich wird aus der einfachen Aufdringlichkeit bitterer Ernst und der Familienvater liegt mit gebrochenem Bein auf dem Boden des Flurs. Paul und Peter terrorisieren die Familie und zerstören mit einem Mal das gesamte Ferienglück.
An und für sich klingt es nach einer spannenden Geschichte, die einer Verfilmung sicherlich wert wäre. Hier haben wir den gewöhnlichen Alltag einer typischen Familie, die einfach nur in ihrer Sorglosigkeit versinkt und da haben wir die Schreckenskomponente in Gestalt zweier Jugendlicher, die absolut keine Grenzen kennen und vor nichts zurückschrecken. Als die beiden Seiten aufeinander prallen, weiß man zunächst noch nicht, dass es jetzt schon richtig losgeht und irgendwie ist man von dieser Schnelligkeit viel zu überwältigt, als dass man wirklich realisiert, was noch auf einen zukommen wird. Doch diese Schnelligkeit hat einen Haken. Sie ist langsam.
Die Typen sind sowas von langweilig langsam, dass man nicht einmal bemerkt, dass dieser Moment des Umwälzens spannend sein soll. Manche nennen sowas subtil, aber ich war von diesen Typen einfach nur maßlos enttäuscht. Sie sind nicht wirklich intelligent, versuchen aber ständig so rüberzukommen. Sie erzählen Lügen, um ihren wechselnden Identitäten eine Geschichte zu verpassen, sind aber zu dumm, um diese Geschichten in ihre abartigen Spiele miteinzubeziehen. Sie wirken wie zwei vollkommene Idioten, die versuchen wie zwei bösartige Superhirne zu agieren. Sie sind an sich schon gar nicht mehr menschlich, da sie alle Regeln selbst aufstellen und keinen Regelbruch tolerieren. So verhält es sich zum Beispiel, in der Szene, wo die Frau scheinbar Peter erschießt und Paul verzweifelt nach der Fernbedienung sucht. Nachdem Paul die Fernbedienung gefunden hat, drückt er auf den Rückwärts-Knopf und lässt den Film zu dem Punkt zurückspulen, an dem die Frau zur Waffe greifen will. Paul schnappt sich die Waffe, bevor die Frau etwas tun kann und sagt ihr ganz direkt, dass Regelbrüche nicht toleriert werden. Was für ein Meisterwerk!
An anderen Stellen tritt Paul auch mal aus dem aktuellen Geschehen heraus und spricht direkt zum Publikum, was es denn anstelle der Familie tun würde oder was auch immer. An diesen Stellen habe ich meist ausgeschalten. Man merkt wirklich, wie der Film eigentlich die ganze Zeit versucht, alle Regeln und Konventionen des gewöhnlichen Filmes zu brechen, um den Zuschauer über das Gesehene nachdenken zu lassen. Doch da liegt eben auch die größte Schwäche. Ich möchte nicht über das nachdenken, was dieser omnipotente Scheißwichser Paul mir vorschreibt. Ich habe ja nichts gegen brechtsche Illusionsbrüche, aber wenn die Illussionsbrüche mit zur Illusion dazugehören, geht mir das einfach zu weit. Auch die Diskussion, in der Peter davon erzählt, dass reale und fiktive Welt existieren und Paul dann einwirft, dass die fiktive Welt zur realen Welt ja dazugehört, da man sie ja zum Beispiel in einem Film sehen kann, gehört mit zu den unpassendsten Selbstreferenzen, die ich jemals zu Gesicht bekommen habe.
Ich meine, wenn der Film sich selbst nicht so ernst nehmen will, warum dann aber diese Brutalität und diese unglaublichen Gefühle der Familie, die zwischen absoluter Erleichterung und Todesangst immer mal wieder hin und her schwanken? Ich verstehe das alles nicht. Achso und ich kann mir die ganzen Zufälle und Dummheiten der Familie auch nur mit der unglaublichen Macht der beiden Idioten erklären, denn ansonsten macht das alles sowas von keinen Sinn. Erstens: Eine Frau, die von irgendwelchen Typen terrorisiert wird, verabredet sich in einer Situation, in der die Typen absolut keine Gewalt über sie haben, mit ihren Freunden für ein mögliches, aber nicht festgesetztes Treffen am Abend, anstatt einfach nur ihre Hilfe zu verlangen und gemeinsam die beiden Typen fertigzumachen. Zweitens: Das Kind, das sich aus den Fängen der beiden Typen befreien konnte, versucht in der Nacht in anderen Häusern Hilfe zu finden, wird aber von Paul wieder eingefangen, obwohl das Kind einen unglaublichen Vorsprung hatte und Paul die ganze Zeit einfach nur normal gelaufen ist. Drittens: Die Frau, die sich aus dem Haus befreien konnte, nachdem die beiden Typen kurzzeitig abgehauen sind, trifft auf der Straße genau auf den Wagen, in dem sich die beiden Typen befinden und wird wieder zurück ins Haus gebracht.
Dieser Film versucht ja nicht einmal irgendeine plausible Logik aufzubauen. Er soll meines Erachtens vielleicht viel eher das Publikum darauf aufmerksam machen, dass es eigentlich dafür verantwortlich ist, was mit der Familie geschieht, da das Publikum sich ja auch den Film weiter anschaut. Der Film versucht uns damit also die ganze Zeit einzureden, dass es besser wäre den Film abzuschalten. Dann wäre alles gut. Dann stirbt niemand. Ja und würde sich der Film nicht in dieser eigentlich meisterlich aufbereiteten Botschaft die ganze Zeit suhlen, ja dann wäre “Funny Games” tatsächlich ein guter Film. Aber so, nein, fehlende Logik, absolute Idioten, Überlänge in so vielen Szenen. So geht das nicht.

![Nostalgie ist ein Scheusal, denn die Vergangenheit erinnert uns nur an das, was wir nicht mehr haben. [Seperator]](http://archiv.xesier.de/wp-content/themes/xesier_archiv/images/blank.gif)
“…einen Erholungssee…” ein selten dämlicher Begriff
Warum?
- “Und wo fährst du dieses Jahr in den Urlaub?”
- “ICh flieg nach Tenerrifa. Und du?”
- “Ach, ich fahr mit meinen Eltern an nen Erholungssee..”
- “Ohh, cool hab schon viel gehört von diesen Erholungsseen”
- “Ja, sind echt toll. so mit See und Erholung und so.”
- “Stimmt, da soll man sich richtig toll erholen können.”
- “Ja und halt See ist auch noch dabei”
- “Coole Sache. Na dann viel Spass.”
Du scheinst das Wort Erholung in Verbindung mit anderen Wörtern nicht zu mögen.
Na weils sich einach mal nicht stimmig anhört.
Wie würdest du einen See bezeichnen, der Familien zur Erholung dient?
Ich würde einfahc schreiben, dass sie im Urlaub an nen see fahren. MAn muss doch nicht dem See unbedingt mit seinem Nutzen benennen
ich weiß nicht, ich habe nochmal über den film nachgedacht. er hatte richtig viel ambition. und ne ganze weile dachte ich, ja, das wird ein richtig geiler film. aber spätestens als der junge versucht aus dem haus zu flüchten, denkt man nur noch: wie dumm verhalten die sich denn alle?
schade, ich gebe dem fil die schulnote 3-.
ach das kotzt michso an, das der film so scheiße weitergegangen ist.
und willi ich würde mich mal über eine meinung von dir freuen, als das du dich hier an einem wort aufgeilst.
Tjaa die kriegst aber nicht martin, weil der Film mir schon immer schnuppe war…. Seit wann bist du der ansicht, das Kommentare sich zum Artikel äussern müssen?
Wenn sie an einen See fahren, dann klingt das so, als wäre der See eher abgeschieden. Ein Freizeitpark ist schließlich auch etwas anderes als ein Park.
Und, ja, zu dem, was Martin gesagt hat.
in einer Urlaubergegend mit Bungalows und See…
Vielen Dank für die Unterrichtsstunde, aber “Urlaubergegend” klingt auch nicht gerade nach einer gelungenen Wortkombination.
besser als Erholungssee…. bitteschön gerne wieder
Fernsehbildschirm, is och en tolles wort …