25. Januar 2009 / , , , , , , , , / Henry / 3c

Fallout 3

Als ich Anfang 2007 das langerwartete S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl erstmals selbst anspielen konnte, war ich noch frohen Mutes auf ein wirklich ausgetüfteltes Meisterwerk. Heute knapp zwei Jahre später, schaue ich nur noch mit Langeweile auf das, was GSC Gameworld geschaffen hat. Sie haben ein total verbuggtes, mittelmäßiges und sehr lineares Spiel abgeliefert, das nicht einmal die Erwartungen derjenigen befriedigen konnte, die sich sowieso nicht viel davon erhofft hatten. Nun erschien jedoch ein weiteres postapokalyptisches Spiel, das weit über alle Erwartungen hinausgeht und mich gute zwei Monate beschäftigt hat: Fallout 3.

Fallout 3 gehört zum 1997 von Interplay gegründeten Fallout-Franchise, das allerdings 2004 an Bethesda Softworks übergeben wurde und behandelt eine alternative Zukunft der 1950er Jahre, in der ein Atomkrieg fast die gesamte Welt in ein radioaktives Ödland verwandelt hat. Im Jahr 2277 macht sich der Spieler nun auf den Weg die Spuren seines aus dem Bunker entlaufenen Vaters aufzunehmen und zu klären, warum er die sicheren Mauern von Vault 101 verlassen hat.

Fallout 3 gehört meiner Meinung nach zu den besten Spielen, die man heutzutage spielen kann. Es bietet genau die Mischung aus First-Person-Shooter und Rollenspiel, die ich mir persönlich schon immer bei einem Spiel gewünscht hatte. So steuert man bzw. schießt mit seiner Hauptfigur aus der Ego-Perspektive, während auf der anderen Seite Erfahrungspunkte gesammelt und für Verbesserungen am Charakter ausgegeben werden. Das SPECIAL-System bildet mit seinen vier Hauptfeldern dabei ganz klar die Grundlage für den Rollenspielcharakter des Endproduktes. Auf der ersten Ebene stehen dabei die sieben Attribute Stärke, Wahrnehmung, Ausdauer, Charisma, Intelligenz, Beweglichkeit und Glück, die die einzelnen Kräfte des Charakters bestimmen.

Als zweites folgen verschiedene Fähigkeiten wie Sprache, Schleichen oder Kleine Waffen, die bis zu 100 gesteigert werden können und den Umgang mit den entsprechenden Tätigkeiten regeln. Als drittes folgen Zusatzfähigkeiten wie besonderer Umgang mit Frauen oder Tierfreund, der es ermöglicht, dass Tiere einen nicht mehr angreifen. Diese Fähigkeiten dienen dazu den Charakter stärker zu individualisieren und ihm Boni einzuräumen, die ihm durch das Standardsystem nicht gegeben werden können. Die vierte und letzte Stufe bilden dann schließlich die Angewohnheiten, die einem besondere Fähigkeiten auf Kosten anderer anbieten. So wären das zum Beispiel gewisse Mutationen, die einen stärker machen, aber auch schneller ermüden lassen.

Dieses System bietet die perfekte Grundlage für ein mehr als überwältigendes Erlebnis, das mit jedem Level einzigartiger wird. Es macht einfach Spaß aufzusteigen und seine zusätzlichen Fähigkeiten auszuwählen. Jede Spielweise hat seine eigenen Vor- und Nachteile, die sich auch ganz konsequent auf das wirkliche Spielen auswirken. So hilft eine hohe Wissenschaftsfähigkeit besonders dann, wenn man Türen wieder in Gang setzen möchte oder Computer sich einfach nicht knacken lassen. Während man dann vielleicht das Knacken von Schlössern vernachlässigen muss und dann keinen Zugriff auf andere Punkte der Welt erhält. Es ist ein wirklich sehr individuelles Erlebnis, bei dem man sich immer sicher sein kann, dass ein zweites Mal spielen zu neuen Ergebnissen führen wird.

Eine weitere sehr interessante Neuerung für einen First-Person-Shooter ist das wirklich großartige V.A.T.S-System. Mit dem Aktivieren dieser Apparatur wird das Spielgeschehen pausiert und man kann in Ruhe taktische Angriffe planen, die dann im weiteren Spielgeschehen nach und nach ausgeführt werden. Wenn eine Stelle zu gefährlich für mich werden sollte, kann ich erst einmal das Spiel pausieren und über Rettungsmöglichkeiten nachdenken. Es ist einfach eine wunderbare Möglichkeit sich Stress zu ersparen und das Spiel ohne ständiges Neuladen wirklich zu genießen.

Und ich weiß, ich könnte stundenlang weiter über dieses ausgeklügelte System reden, so zum Beispiel inwiefern die Waffen zur Atmosphäre beitragen, was es bedeutet im Spiel gut gekleidet zu sein, wie genial die Außenwelt doch ist oder noch wie die eigenen Handlungen zur Geschichte beitragen. Es würde einfach darauf hinauslaufen, dass ich Fallout 3 noch mehr für dieses Spielerlebnis danken möchte. Auf der anderen Seite könnte ich mich jedoch auch über die deutsche geschnittene Version oder die überaus nervenden Mausbewegungsfehler beklagen. Doch im Grunde genommen ist das sowas von egal, wenn man wirklich erst einmal Fallout 3 ohne ständiges Abstürzen zum Laufen gebracht hat. Fallout 3 ist das geworden, was ich mir von Stalker erhofft hatte, obwohl es nicht einmal so viel anders macht. Ich freue mich trotzdem auf die kommenden Wochen, wenn die ersten Erweiterungen zum Spiel veröffentlicht werden und mich an einen neuen Ort in der Fallout-Welt transportieren.