22. Februar 2009 / , , , , , , , , , , , , / Henry / 10c

Ensemble Studios – ein Rückblick

[ensemble-studios]

Es gab eine Zeit, in der Spiele nicht allein auf ihre Grafik und ihre Physik reduziert wurden. Es gab eine Zeit, in der an Spielen gearbeitet wurde, die mehr waren als bloße Massenware. Es gab eine Zeit, in der die Geschichte wichtiger war, als die Technik, die benutzt wurde, um sie zu präsentieren. Und genau in dieser Zeit waren die Ensemble Studios zu Hause. Doch diese Zeit ist nun vorbei.

Die Ensemble Studios dürften den meisten dabei wohl für ihre unvergessliche Strategieserie Age of Empires im Gedächtnis bleiben, denn mit über zehn Jahren, in denen sich das Franchise aufbauen konnte, gehört es mit zu den Serien, in denen sich jedes Hauptspiel schon über eine Million Mal verkauft hat[1].

Ensemble wurde 1995 als unabhängiges Entwicklerstudio von Tony Goodman, seinem Bruder Rick Goodman, Bruce Sullivan, und Bruce Shelley in Dallas, Texas gegründet[2]. 1997 veröffentlichen sie mit Age of Empires einen absoluten Überraschungshit. Die angepeilten 100.000 Einheiten werden schnell überschritten und nach bereits sechs Monaten wurden über 500.000 Spiele verkauft. Das Spiel punktet mit seiner ausgeklügelten Strategie, besonderen Wert auf historische Authenzität zu legen und die verschiedenen Epochen der Antike in korrekter Weise darzustellen.

Die aus Warcraft bekannten Entwicklungsstufen einer Basis wurden in ein reales Szenario gezwängt und erweitert, sodass ein vom Spieler gesteuertes Volk einen großen Abschnitt der Geschichte durchleben und damit immer bessere Einheiten freischalten konnte. Diese Form der Ausbaustufen macht einen Großteil des Charmes der Serie aus, da man sich für das Schicksal eines Volkes verantwortlich fühlt und langsam merkt, wie es immer größer und unübersichtlich wird. Dies wurde mit Empire Earth allerdings auf die Spitze getrieben, sodass es leicht unübersichtlich oder in Mehrspielerpartien sogar recht unfair werden konnte, wenn der Gegner plötzlich sechs Entwicklungsstufen über einem ist. Während man dann mit irgendwelchen Steinschleudern die gegnerische Basis angreift, wurde man auf der anderen Seite von Panzern niedergerungen.

Ein typisches Spiel Age of Empires beginnt mit einem Haupthaus in der untersten Entwicklungsstufe und fünf Arbeitern, die für eine beliebige Aufgabe zugewiesen werden können. Während man diese Arbeiter also beauftragt, Rohstoffe abzuernten und Häuser zu bauen, produziert man im Haupthaus neue Arbeiter, die wiederum neue Arbeiten ausführen. Wirtschaft und Militär entwickeln sich langsam, während einzelne Späher, die noch unentdeckte Karte erkunden.

Spielausschnitt: Age of Empires I

1999 erschien dann mit dem Nachfolger Age of Empires II, das wohl bis heute genialste Spiel der Serie. Mit der Aufpolierung der einzelnen Epochen, einer besseren Wegfindung, mehreren verschiedenen Spielmodi (Zufallskarte, Königsmord, auf Leben und Tod) und bis zu dreizehn verschiedenen Völkern aufgeteilt in vier Baustilen, mit jeweils unterschiedlichen Besonderheiten, gehört das Spiel mit zur oberen Spitze des Strategiespielgenres. Age of Empires II behandelt dabei die Zeit des Mittelalters ca. von 500 bis 1550 n.C.[3].

Die Kampagnen sind mit ihrer Aufmachung nicht gerade vielschichtig, aber relativ spannend und gut synchronisiert. Wenn man als gefallener Kreuzritter in die Hände von Saladin gerät und an seiner Seite den Aufstieg der Sarazenen miterlebt, dann ist das schon etwas ganz Besonderes. Die anderen Kampagnen umfassen William Wallace, Johanna von Orleans, Dschingis Khan und Friedrich Barbarossa. Die Missionen sind abwechslungsreich gestaltet, obwohl sie sich in den meisten Fällen auf das ursprüngliche Spielprinzip des Aufbauens und Zerstörens berufen.

2001 wird ein sehr aufregendes Jahr für die Ensemble Studios, da sie ihren Stand als unabhängiges Entwicklerstudio verlieren und von Microsoft aufgekauft werden. Das erste Spiel unter der Aufsicht von Microsoft ist das eher ungewöhnliche Age of Mythology, das trotz seiner signifikanten Unterschiede im Spielgeschehen zur Age-of-Empires-Reihe gezählt wird. So verliert Age of Mythology seinen historischen Bezug und zeichnet einen Weg durch die griechische, ägyptische und nordische Sagenwelt. Die Kampagne ist hierbei erstmals in drei große Kapitel, die für jeweils ein Volk stehen, unterteilt, in der der Held Arkantos in einen Machtkonflikt der Götter gerät. Es beginnt eine Hetzjagd, die von Atlantis, über Troja und Ägypten schließlich bis in den hohen Norden der skandinavischen Länder reicht.

Für mich ist Age of Mythology das beste Spiel der Serie, da eine sehr spannende Handlung mit den drei unterschiedlichen Völkern intensiv verwoben ist. Man hat nicht mehr das Gefühl, dass die Handlung wie zum Beispiel in Age of Empires zerstückelt wurde, um in den geschichtlichen Rahmen zu passen, sondern man ist hier von Anfang an dabei. Weiterhin gerät die Wirtschaft ein wenig in den Hintergrund, um mehr Wert auf die Taktikkomponente der mythologischen Wesen einzugehen. Der Mehrspielerteil ist wunderbar anzuschauen und man weiß nie, mit welchen Gegnern man es zu tun hat, da jedes Volk sich mit Hilfe der Auswahl unterschiedlicher Götter noch einmal spezialisieren kann.

Das bisher letzte Spiel der Reihe erschien 2005 und ging die Entwicklung von Age of Mythology konsequent weiter. Die Kampagne stützt sich nun auf Einzelschicksale, die innerhalb der verschiedenen Jahrhunderten verschiedenen Gegebenheiten ausgesetzt sind. So wird die Geschichte der Familie Black erzählt, die immer wieder gegen den Zirkel des Ossus kämpfen muss, der wiederum nach einem sagenumwobenden Jungbrunnen sucht. Age of Empires III setzt den Weg von einer wirtschaftsgeprägten zu einer taktischen, militärgeprägten Spielweise fort und verändert in diesem Zusammenhang das erste Mal die Rohstoffe der Serie, sodass es nun Holz, Nahrung, Münzen und Erfahrungspunkte, anstatt der bisher vorherrschenden Holz, Nahrung, Gold und Steine sind.

Es wurde eine Heimatstadt eingeführt, die sich ähnlich wie bei Rollenspielen im Verlaufe eines Spieles immer weiter entwickelt und auch nicht zerstört werden kann. Von dort aus können Truppen angefordert oder besondere Boni freigeschaltet werden. Es gibt nun Handelslinien auf der Karte, die zur Münz- oder Erfahrungsbeschaffung genutzt werden können. Weiterhin können mit der Einnahme von neutralen Dörfern, besondere Einheiten oder Technologien beschafft werden. Die taktische Komponente, der auf der Karte verteilten Orte nimmt also noch einmal zu.

Spielausschnitt: Age of Empires III

Age of Empires wird immer einen speziellen Platz in meinem Leben einnehmen und so wie alles einmal vorbei gehen muss, so müssen sich nun auch die Ensemble Studios verabschieden. Im Herbst 2008 entschied Microsoft das Studio aus finanziellen Gründen zu schließen und neue Überlegungen anzustellen, was mit den Mitarbeitern geschehen soll. Diejenigen, die nicht neuen Projekten zugeordnet werden wollten, gründeten eigene Studios (Robot Entertainment, Bonfire Studios) und versuchen ihr Glück nun mit neuen Spielen. Das letzte Spiel der Ensemble Studios Halo Wars wird demnächst ausschließlich für die Xbox360 erscheinen und damit den Abschluss einer der großen Strategieentwicklerstudios darstellen.

  1. Wikipedia (en) – Age of Empires []
  2. Gameplayer – The History of Ensemble []
  3. Wikipedia – Age of Empires []