Einige Gedanken über die Watchmen
Bevor ich meine Gedanken über die Wächter zu einem Text verarbeite, möchte ich mich noch einmal in aller Form bei Wilhelm bedanken, der mir das Werk von Alan Moore und Dave Gibbons zur Verfügung gestellt hat. Doch nun stehe ich vor der schweren Aufgabe Watchmen eine richtige Form auf Xesier zu geben und ehrlich gesagt, fürchte ich mich sehr stark davor. Das hat damit zu tun, dass Watchmen ein sehr, sehr umfangreiches Universum besitzt, das sich mit über 40 Jahren alternativer Realität auseinandersetzt. Wenn man dort versucht an der richtigen Stelle anzufangen, kann es schnell passieren, dass eine solche Arbeit einen Rahmen erreicht, der jegliche Aufmerksamkeitsspanne überschreitet. Ich möchte deshalb versuchen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und meine persönlichen Erfahrungen in den Vordergrund zu stellen. In diesem Zusammenhang versuche ich auch auf den Film einzugehen und ihn mit dem Comic zu vergleichen. Für weitere Informationen sollte man unbedingt die englische Wikipedia zu Rate ziehen, da ich mich allein auf meine eigene Analyse und Interpretation konzentriere, um damit einen eigenen Weg ohne weitere äußere Einflüsse zu beschreiten.
Der zwischen 1986 und 1987 von DC Comics veröffentlichte Comic “Watchmen” des Autoren Alan Moore und des Zeichners Dave Gibbons behandelt einen sich im Kalten Krieg abspielenden zuspitzenden Konflikt einer alternativen Realität, der durch das Verschwinden eines omnipotenten Menschens mit dem Namen Dr. Manhattan ausgelöst wird, und die damit in Zusammenhang stehenden Auswirkungen auf eine Reihe von sich maskierenden Abenteurern und auf die Gesellschaft.
Hier noch einmal eine Warnung: Man sollte nicht vergessen, dass Watchmen ein sehr umfangreiches Werk ist und deshalb auch nur im Kontext verstanden und gedeutet werden kann. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen den gesamten Inhalt mit jeglichen Wendungen hier zusammenzufassen. Wer sich selbst einen Überblick verschaffen möchte, der sollte sich entweder das Buch als Komplettpaket bei Amazon bestellen oder auf die DVD-Version des Filmes warten.
Watchmen beginnt am 12. Oktober 1985 mit der Ermordung von Edward Blake, eines Geheimdienstmitgliedes und Kriegsveteranen. Während sich die Polizei jedoch noch nicht darüber einig ist, ob es sich dabei um einen Einbruch mit Mordfolge oder um ein Attentat handelt, findet der im Untergrund agierende Privatdetektiv Rorschach unabhängig von der Polizei durch eine genauere Untersuchung eines Kleiderschrankes heraus, dass es sich bei dem Mordopfer, um den Comedian gehandelt hat. Der Comedian gehörte zu der ersten und zweiten Generation von maskierten Verbrechensbekämpfern. Während er in den 1940ern bei den “Minutemen” noch einfache Verbrecher zur Strecke gebracht hatte, arbeitete er in den 1960ern mit der Regierung zusammen, um unter anderem in Vietnam zu intervenieren.
Rorschach gehört ebenfalls zur zweiten Generation der Verbrechensbekämpfer und vermutet einen Attentäter, der es auf ehemalige Maskenträger abgesehen hat. Seit dem Keene-Erlass aus den 1970er Jahren sind Vigilanten, wie die maskierten Verbrechensjäger in der Welt von Watchmen noch genannt werden, dazu genötigt worden, ihre Karriere an den Nagel zu hängen oder in den Untergrund zu gehen. Rorschach entschied sich für den zweiten Weg und wird dafür von der Polizei gesucht.
Er entschließt sich dazu, seine ehemaligen Mitstreiter aufzusuchen, um sie davor zu warnen, das sie vielleicht die nächsten Opfer sein könnten. Zunächst macht er sich auf den Weg zu Daniel Dreiberg ehemals Nite Owl II, mit dem er früher in einem Team einige Banden-Chefs dingsfest gemacht hat. Er bricht in sein Haus ein, warnt ihn und macht sich dann wieder aus dem Staub. Als nächstes sucht er den Geschäftsmann und Liberalen Adrian Veidt ehemals Ozymandias auf, der als klügster Mann der Welt dient und noch vor dem Keene-Erlass an die Öffentlichkeit gegangen ist, sodass er damit Millionen verdienen konnte. Veidt glaubt, dass es sich um einen politischen Mord handeln könnte, Rorschach weist das zurück, da Russland Angst vor Amerikas Superhelden Dr. Manhattan hätte. Rorschach besucht als letzten Jon Osterman alias Dr. Manhattan und seine Freundin Laurie Juspeczyk alias Silk Spectre. Dr. Manhattan wird als blaues menschenähnliches Wesen dargestellt, das seine Größe beliebig verändern, Transmutationen und Telekinese ausführen und Teleportationen durchführen kann. Nachdem Laurie von Rorschach angewidert wird, teleportiert Dr. Manhattan ihn aus dem Forschungsgelände, in dem Laurie und Dr. Manhattan wohnen.
Während sich Rorschach darauf konzentriert allen möglichen Spuren nachzugehen, um den Mörder des Comedian aufzuspüren, erleben wir wie Dr. Manhattan sich gefühlsmäßig immer weiter von Laurie entfernt und es schließlich dazu kommt, dass sie aus der gemeinsamen Wohnung auszieht. Dr. Manhattan ist dies aber schon seit längerem bewusst, da für ihn Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart dasselbe sind und hält sie deshalb auch nicht auf. Laurie läuft zu Daniel und erzählt ihm von der Trennung, er fühlt sich daraufhin für sie verantwortlich und bietet ihr an, bei sich zu übernachten. Währenddessen entschließt sich Dr. Manhattan dazu, nach einem eskalierten Fernsehinterview, in dem er seine Jugendliebe wiedersieht und damit konfrontiert wird, das sie durch ihn an Krebs erkrankt ist, ins Exil auf den Mars zu gehen.
Russland nutzt die Gelegenheit dazu, in Afghanistan einzufallen und verschäft damit die politische Spannungen der beiden Supermächte. Es wird ein nicht zu verhindernder dritter Weltkrieg erwartet. Rorschach macht sich auf den Weg Moloch, einen alten Gegner des Comedian, auszufragen und stößt durch ihn auf einen Plan, der anscheinend von langer Hand geplant wurde, aber von Rorschach noch nicht entschlüsselt werden kann. Er lässt von Moloch ab, sagt ihm aber, dass er ihm Bescheid geben soll, wenn er etwas zu sagen hätte. Veidt fällt im weiteren Verlauf einem Attentat zum Opfer und kann sich nur aufgrund seiner schnellen Reflexe retten. Rorschach erhält einen Zettel von Moloch, wird allerdings in eine Falle geführt, sodass erstmals seine wahre Identität zum Vorschein kommt: Walter Kovacs.
Er wird ins Gefängnis gesteckt und muss sich regelmäßigen psychischen Untersuchungen stellen. Dort erfährt man auch, dass eine Person namens Walter Kovacs für Rorschach nicht mehr existiert. Sie ist mit dem brutalen Mord an einer Sechsjährigen gestorben. Seit dieser Zeit bezeichnet Rorschach seine Maske auch nicht mehr als Maske, sondern als sein wahres Gesicht. Anstatt also Walter Kovacs zu sein, der als Rorschach auf Verbrecherjagd geht, wurde er zu Rorschach, der sich nur noch als Walter Kovacs ausruht. Daniel und Laurie verleben eine gewöhnliche Zeit miteinander und kommen sich während ihrer Zeit immer näher, was schließlich dazu führt, dass sie miteinander schlafen. Sie verstoßen weiterhin auch gegen den Keene-Erlass und sind erneut als Maskierte tätig, indem sie einige Menschen vor einem Hochhausbrand retten.
Daniel überzeugt am nächsten Tag Laurie davon, dass sie Rorschach befreien müssen, um endlich dahinter zu kommen, wer es auf die Maskierten abgesehen hat. Sie brechen ins Hochsicherheitsgefängnis ein, befreien Rorschach und fliehen mit ihm zu Daniels Unterschlupf. Währenddessen erscheint Dr. Manhattan und nimmt Laurie mit zu sich auf den Mars, wo sie über das Schicksal der Erde reden werden. Daniel und Rorschach fliehen aus der Unterkunft vor der Polizei und machen sich daran, Veidt aufzusuchen, um ihn über eine Firma namens Pyramid Diliveries auszufragen, die die Morde angeblich finanziert haben soll. Auf dem Mars unterhalten sich Dr. Manhattan und Laurie über das Leben und seine Bedeutsamkeit im Vergleich zum Universum. Schlussendlich kann Laurie Jon doch noch überzeugen und er sieht ein, dass das Leben doch einen Sinn hat.
Daniel und Rorschach finden derweil heraus, dass hinter Pyramid Veidt selbst steckt. Er hat die Anschläge am Comedian und sich selbst bezahlt, allerdings hat er sich bereits in sein Quartier in der Antarktis zurückgezogen, sodass die beiden Helden sich nun daran machen, ihn dort aufzusuchen. Sie konfrontierten ihn mit den Vorwürfen und Veidt gibt alle Verbrechen ohne Reue zu. Sein Plan ist es, die Welt aus der nuklearen Bedrohung zu befreien, indem er die Leben von einigen Millionen Menschen dafür opfert. Er zündet eine psychische Bombe über New York und tötet einen Großteil der dortigen Menschen. Nachdem er von Dr. Manhattan konfrontiert wird und ihn nicht besiegen kann, schaltet Veidt die Fernseher in seinem Unterschlupf ein und zeigt das Ergebnis seines Plans. Die Welt vereinigt sich, der kalte Krieg ist vorbei. Am Ende jedoch stellt Veidt die alles umfassende Frage: Waren die Mittel gerechtfertigt?
Technische Analyse
Watchmen ist ein sehr storylastiges Werk, das besonders durch seine Hintergrundinformationen und seine umfangreiche Eingliederung in einen geschichtlichen Kontext, erst zu einem solchen Geniestreich werden konnte. Doch Watchmen wäre nur halb so lebendig, gäbe es nicht die unglaublich genialen Zeichnungen von Dave Gibbons. Viele Comics sind gut gezeichnet und verdienen einen gewissen Respekt in ihren unterschiedlichen Stilen, aber Watchmen schafft es diesen Stil so zu perfektionieren, dass man die verrottenden Straßen von New York fast riechen kann.
Ein sehr stark hervorstechender Punkt mag in diesem Fall die Farbgebung sein. Watchmen ist ein in stark einzelne Farben aufgeteilter Comic. Es gibt keine Verläufe und die Farben passen sich stark den Stimmungen an. Das hilft dabei die Handlung emotional verständlich zu machen. Es dominieren rot, grün und gelb, wobei sich allerdings das Blau von Dr. Manhattan in späteren Kapiteln immer mehr hervortut und in Kapitel 4 sogar vollständig überwiegt. Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass Dr. Manhattan allgemein wichtiger für die Handlung oder eben nur noch als einziger Ausweg angesehen wird.
Die Konturenschatten und die stäkeren Schatten werden fast durchgehend als schwarz dargestellt, was den Eindruck verstärkt, dass der Vordergrund und der Hintergrund etwa gleich viel Einfluss auf die einzelnen Panele haben. Allgemein verhält es sich so, dass die einzelnen Panele zum Suchen einladen und viele Details sich erst durch genaues Hinschauen ergeben. So kann man immer wieder Wahlplakate von Nixon erspähen oder sich auch von den einzelnen Motiven (Smiley, Uhren, “Wer wacht über die Wächter”-Schriftzüge) überzeugen lassen, dass die Details eben einen wesentlichen Anteil zur Stimmung beitragen.
Das kann man auch in Hinblick auf die Hintergrundinformationen und die geschichtliche Einordnung sagen. Die Geschichte nimmt sich einem der schwierigsten Themen des 20. Jahrhunderts an und versucht einen Lösungsweg zu präsentieren, der durch eine alternative Realität in greifbare Nähe gerückt ist. Alan Moore schafft es eine solch komplettes Universum auf die Beine zu stellen, dass jede Motivation und jeder Charakter authentisch wirken. So gibt es immer wieder Schlüsselereignisse, die im Comic von mehreren Seiten unterschiedlich weit in der Handlung fortgeschritten aufgegriffen werden und neu interpretiert werden können. Die bedeutendste dieser Szenen findet man bei den Rückblicken in Kapitel 2. Adrian Veidt erinnert sich an das erste Treffen der Crimebusters (Seite 9), in dem die zweite Generation der Abenteurer das erste Mal vollständig zusammen auftritt. Diese Szene dient in vielen späteren Kapiteln dazu, noch einmal darüber nachzudenken, was man bei den ersten Eindrücken überhaupt nicht wahrgenommen hat. Gerade auch das Ende nimmt noch einmal stark Bezug auf diesen Teil.
Ein weiteres Mittel, um die Welt sehr authentisch wirken zu lassen, sind die regelmäßigen Einblicke in Ausschnitte aus Zeitungen, Büchern oder sonstigen Aufzeichnungen. Sie helfen ein Verständnis für die Welt zu schaffen und Motivationen der Charaktere zu begründen. Außerdem zeigen sie, wohin die Reise gehen wird und greifen noch einmal Themen auf, die bereits im vorangegangenen Kapitel kritisch diskutiert wurden, um dadurch noch einmal eine andere Meinung zum Thema einzuholen. Ein interessantes Beispiel ist dahingehend die rechtsgerichtete Zeitung “Der Neue Grenzwächter”, die mit ihrer Karikatur eines von übermächtigen Gegnern umzingelten Amerikas in einem Ringkampf, noch einmal genau die Stimmung wiedergibt, die das Verschwinden von Dr. Manhattan bei den Menschen ausgelöst hat.
Eine weitere Besonderheit stellen sowohl die Titel der einzelnen Kapitel als auch der Titel des Gesamtwerkes dar, denn jeder Titel ist die Kurzform eines etwas längeren, bekannteren Zitates. So steht der Titel “Watchmen” für den Ausspruch “Who Watches The Watchmen”, der so viel bedeutet wie “Wer wacht über die Wächter” und auch ein durchgehendes Motiv innerhalb der Handlung als Graffito an den Wänden einnimmt. Das hinterfragt aber auch die Bezeichnung der zweiten Generation der Abenteurer (Rorschach, Nite Owl II, Silk Spectre II, Dr. Manhattan, Comedian und Ozymandias), denn sie sind damit nicht einfach nur die geeinten Watchmen (wie es beispielsweise bei anderen Superheldenverbänden der Fall gewesen ist, vgl. Justice League), sondern sollten als unabhängige Wächter gesehen werden, die sich nur zufällig über den Weg gelaufen sind.
Das vollständige Zitat der Titel der einzelnen Kapitel befindet sich jeweils am Ende des Kapitels und kann dort mit dem jeweiligen Urheber gelesen werden. Meistens fassen diese Zitate die Inhalte auf eine sehr abstrakte Art zusammen, die immer wieder etwas Besonderes darstellt. So gibt das Kapitel 4, “Uhrmacher”, erst am Ende Aufschluss darüber, dass mit Uhrmacher nicht nur der frühere Traum von Jon gemeint gewesen ist, sondern auch das Schicksal, das ihn getroffen hat. Albert Einsteins Worte lauten nämlich vollständig: “Die Entdeckung der Atomkraft hat alles verändert, nur unsere Denkweise nicht… Die Lösung dieses Problems liegt in den Herzen der Menschheit. Hätte ich das nur gewusst, ich wäre Uhrmacher geworden.”
Interpretation
“Watchmen” besitzt neben den technischen Aspekten eine magische Anziehungskraft, die weit über dieses Verständnis und die Anerkennung von perfekter Anordnung hinausgeht. Ich würde diese Anziehungskraft natürlich gerne beschreiben, aber es fällt mir unglaublich schwer die richtigen Worte dafür zu finden. Vielleicht hilft es, wenn man sich zunächst einmal mit den wichtigsten Themen auseinandersetzt, um zu verstehen, was Watchmen so interessant und vielschichtig macht.
In diesem Zusammenhang sticht als erstes die absolute Historizität heraus. Das fängt damit an, dass eine genaue Datumsangabe die meisten Kapitel durchzieht und sich damit ein Großteil der Handlung zeitlich nachvollziehen lässt und endet schließlich damit, dass das Attentat auf John F. Kennedy, der Watergate-Skandal, die Befürchtungen vor dem Eintritt in den zweiten Weltkrieg wenigstens in Ansätzen angeschnitten werden. Man versteht, warum sich die Welt in das verändert hat, was sie ist. Doch damit noch lange nicht genug. Während wir damit vor allem verstehen, warum sich die USA in einer solchen Überposition fühlt und warum Nixon immer noch im Amt ist, so wird uns durch ägyptische, buddhistische und hinduistische Einflüsse deutlich, warum Adrian Veidt sich von den Schrecken dieser Welt löst, um selbst ein Schrecken dieser Welt zu werden. Ähnlich wie Alexander der Große versucht Veidt die Welt zu einen und nimmt dafür das seiner Ansicht nach kleinere Übel in Kauf. Die Darstellung einer bipolaren Welt zugunsten der USA zeigt ebenfalls das Selbstverständnis mit dem eine Übermacht aufgefasst wird. Dr. Manhattan verwandelt sich dadurch nicht nur selbst zu einem Nicht-Menschen, er wird vor allem auch dazu gemacht, indem man ihn vor allem als Waffe verwendet.
Ebenso wie Dr. Manhattan befindet sich aber jeder “Held” in Watchmen in einem Dilemma und verliert den früher vollkommen positiv anmutenden Charme eines Supermans. Rorschach verliert durch sein Schwarz-Weiß-Denken langsam den Verstand und wird selbst zu einem Opfer seiner Gewalt. Daniel oder Nite Owl II zieht sich immer mehr aus der Welt zurück und ist zum Teil stark vereinsamt. Silk Spectre II klammert sich an Dr. Manhattan und verliert dabei die Weitsicht. Ihr Leben wurde ihr aufgezwungen und sie weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Ozymandias steht vor dem Konflikt als klügster Mensch der Welt, die wichtigste Entscheidung der Welt auf sich zu nehmen und als Pazifist zu verantworten, dass Millionen unschuldiger Menschen sterben. Und der Comedian ist ein wissender Drecksack, der die Welt in ihrer Scheußlichkeit erkennt und mit seiner Brutalität und Arroganz zu ihrer hässlichen Parodie wird.
Da scheinen die Supermächte, die ihren Allmachtsfantasien nachhängen, doch noch gerade so ungefährlich. Es werden Demokratiefeindlichkeit, Dominanz und Intoleranz thematisiert und zu jedem Thema verhält sich die USA in irgendeiner Form unverantwortlich. Dass Dr. Manhattan zur allumfassenden Waffe gemacht wird, erscheint da noch als einer der logischsten Schritte. Ein Mann der alle Kriege verhindern soll, nachdem ein Krieg (Zweiter Weltkrieg) und eine Waffe (Atombombe), die alle zukünftigen Kriege verhindern sollten, gescheitert sind. Doch Dr. Manhattan ist nicht vollständig allmächtig und er kann auch nicht überall zur gleichen Zeit sein. Und selbst wenn 99 % aller Waffen ausgelöscht werden, so schafft es das 1 % noch alles Leben auf der gesamten Welt auszulöschen.
Da ist es doch wohl klar, dass der “klügste Mensch der Welt” eine Antwort parat haben muss und die hat Adrian Veidt tatsächlich. Er, der die größte Katastrophe der Welt irgendwie aufhalten muss, steht vor dem Konflikt der höheren Vernunft: Wenn ich eine kleine Anzahl von Menschen opfern muss, um alle zu retten, sollte ich es tun? Wie klein darf diese Anzahl sein? Sind Millionen okay? Wo ist die Grenze, bei der man sagt, jetzt ist etwas unverhältnismäßig? Wo ist die Grenze, die sagt, dass dieser Mord wirklich gerechtfertigt wäre? Ist ein Mensch, der eine solche Last auf sich bürgt, überhaupt noch imstande zu leben?
Filmvergleich
So um die wichtigste Frage vorweg zu beantworten: Ja, der Film ist eine adäquate Umsetzung des Comics und kann ohne Bedenken angeschaut werden. Der Film hält sich fast eins zu eins an die Comic-Vorlage und macht es meiner Meinung vollkommen richtig, denn eine Eigeninterpretation würde ohne genug Einarbeitungszeit wohl das gesamte Erlebnis zerstören. Trotzdem sollte man, wenn man den Comic gelesen hat, auf keinen Fall gelangweilt werden, wenn man den Film zum ersten Mal sehen sollte.
Dafür besitzt er genügend eigenen Charakter und hält gewisse Schwerpunkte sehr penibel ein. So setzt der Film vor allen Dingen auf die Actionsequenzen und genialen Übergänge der einzelnen Szenen. Das bringt dem Film einen sehr netten Geschwindigkeitsschub, der zum Glück die Aufteilung dieses Meisterwerkes in einzelne Episoden verhindert hat. Allgemein finde ich die Szenen sehr angenehm und das Ambiente großartig getroffen. “Watchmen” als Film macht meiner Meinung nach auch mehr Spaß, da man nicht so sehr an seine eigene Geschwindigkeit gefesselt ist, sondern mit der Geschwindigkeit von Snyder mitgehen kann, ohne etwas zu verpassen.
Die einzige größere inhaltliche Veränderung, die einem persönlich auffällt, wenn man Comic und Verfilmung miteinander vergleicht, ist das Ende, denn im Film wird nicht nur New York zerstört. Außerdem wird Dr. Manhattan für die Zerstörung verantwortlich gemacht, sodass eine Abwendung von der menschlichen Zivilisation mehr Sinn macht, als im Comic, wo er nach der Wiederentdeckung der Schönheit des menschlichen Lebens einfach sofort wieder verschwindet, um neues Leben auf anderen Welten zu schaffen.
Wirkung & Fazit
Wilhelms Meinung nach sollte man “Watchmen” in der Schule als Ganzwerk anbieten und ich kann diesen Vorschlag eigentlich nur unterstützen. “Watchmen” ist genial. Es zeichnet sich durch sein vollständig ausgearbeitetes und abgeschlossenes Universum aus und schafft es auf der anderen Seite noch genügend Raum für unzählige Interpretationsvarianten offen zu lassen. Weiterhin ist es als Comic-Buch prädestiniert dafür von Jugendlichen gelesen und verstanden zu werden, sodass ein großes Interesse dahingehend daran bestehen wird, über das Buch auch im Unterricht zu reden.
Durch seine Historizität kann es dazu dienen, um geschichtliche Alternativen aufzuzeigen und den Geist auf politische Symbolik und politischen Einfluss vorzubereiten. Der Umfang ist mit 12 Kapiteln nicht wirklich gigantisch, sodass das gesamte Werk mit genug Motivation an einem einzigen Tag ausgelesen werden kann. Die Handlung ist mitreißend und die Zeichnungen sind außergewöhnlich bodenständig. Weiterhin werden physikalische, biologische, philosophische und gesellschaftspolitische Zusammenhänge angeschnitten. Quantenphysik, Eugenik, höhere Vernunft und Machtpolitik. Wir haben hier also ein Beispielwerk für Englisch, Deutsch, Geschichte, Politik, Biologie, Physik und Kunst. Wer will da noch gegen eine Einführung ins Schulsystem stimmen?
Doch ich muss persönlich einfach nur sagen, dass ich überzeugt davon bin, eine der bestausgearbeiteten Geschichten jemals gelesen zu haben, ohne mit dem Gefühl herauszugehen, dass ich diese Geschichte mit irgendwas anderem unbedingt vergleichen müsste. Das ist toll, denn ansonsten hätte ich wohl einen Großteil meiner DVD- und Bücher-Sammlung wegschmeißen müssen.

![Nostalgie ist ein Scheusal, denn die Vergangenheit erinnert uns nur an das, was wir nicht mehr haben. [Seperator]](http://archiv.xesier.de/wp-content/themes/xesier_archiv/images/blank.gif)
“Ähnlich wie Alexander der Große versucht Veidt die Welt zu einen und nimmt dafür das kleinere Übel in Kauf”
tut er das wirklich?
naja auf jeden Fall ein klasse Artikel zu einem klasse Comic. Danek dafür henry. Und wenn ich mich wieder an ner Kleinigkeit aufhängen darf… du bezeichnest Rorschach als Privatdeketiv. Finde ich nicht. Er ist einfahc ein held wie die anderen. Und wäre geil wenn du bilder dazu zeigen könntest. Würde viel sinn machen bei so einer Revie. aber ich weiß ja ist nicht eingfach wegen Copyright dreck und so. Also haste gut gemacht henry.
Das für ihn kleinere Übel. Ich korrigiere das.
Privatdetektiv lässt mich persönlich auch aufschlucken, aber an sich passt es zu Rorschach. Er nimmt Aufträge an, lässt sich wahrscheinlich auch dafür bezahlen und jagt halt meistens allein die Verbrecher.
Bilder hatte ich überlegt, habe mich aber dagegen entschieden, da ich mir erstens nicht über die rechtliche Lage sicher bin und zweitens mir nicht noch mehr Arbeit aufhalsen wollte.
Was ich persönlcih auch sehr fesselnd fand,war das Verhältnis von Rorschach zu seinem Psychiater. So krass wie Rorschach ihm die Augen öffnet und nicht andersrum. Rorschachs Geschichte fand ich ehh am interessantesten. Ein Typ der von seiner Vorgeschichte her, der perfekte Psychopath hätte werden können, sich aber freiwillig datzu entscheidet seine Wut an Verbrechern auszulassen. OOb das richtig ist, ist auch Geschmackssache, aber es ist auf jedenfall ziemlich fesselnd
Auf jeden Fall. Rorschach gehört auch zu meinen Lieblingen. Allein schon sein Sprachstil, göttlich.
Watchman hatte für mich vor allem den Reiz, weil die Welt, wie es auch Veidt sagt, nicht Schwarz und Weiß ist, sondern in unterschiedlichen Grautönen gestrickt ist.
Und sonst typische Antihelden, wie der Comedian, z.b. als Held gefeiert wird…
Die Geschichte ist gespickt mit einem gradwandel zwischen Recht und Gerechtigkeit.
hatte des buch heute inner hand… fand den zeichenstil aber echt ziemlich oldschool, ich hab gedacht graphic novels wären alle so hochglanz-krass-gemacht… und daneben stand eine graphic novel von stephen king “der dunkle turm”, das hat mich dann doch überrascht. aber 20 ois…
Tja, ist eben alles nicht so billig. :/