28. August 2008 / , , , , , / Martin / 9c

Ein Tag voller Eindrücke

Beim folgenden Artikel handelt es sich um eine Notiz, die ich direkt nach dem Geschehen, welches hier geschildert wird, aufgezeichnet habe. Eine Momentaufnahme, deren Ästhetik ich nicht durch Anpassen an die Aktualität verwischen möchte. Jedes Wort wird hier genauso übertragen, wie ich es gestern auf meinen Notizzettel brachte.

27.08.2008. Schon heute morgen gegen 8.30 Uhr wusste ich, dass heute nichts so sein würde, wie sonst. Es hatte ja schon damit begonnen, das ich um halb neun aufstand. Ich war mit Loisa und Marco verabredet. Wir wollten in die Hauptstadt Berlin fahren. Um neun Uhr zwanzig traf ich die beiden am Bahnhof. Marco hatte das Ticket für uns schon parat und wir konnten losfahren. Kurzer Stop und Zugwechsel in Cottbus und nach anderthalb bis zwei Stunden waren wir in Berlin. Ich als kleiner Provinzjunge war natürlich erstmal überwältigt von sovielen Menschen und Kaufhäusern, die (gefühlt) so groß wie mein Heimatort waren.

In solch einem Kaufhaus, dem “Alexa”, vertrieben wir uns dann zunächst die Zeit. Anschließend ging es nach Kreuzberg in ein vegetarisches Restaurant. Nach dem Essen besichtigten wir den Stadtteil und ich war fasziniert von den verschiedenen Menschen mit verschiedenen Kulturen und Traditionen, die hier scheinbar gut zusammenlebten. Kreuzberg stellte ich mir immer wie ein heißes Pflaster vor, wo Menschen auf offener Straße getötet werden. Nun gut. So war es nicht.

Natürlich hatte ich viele Eindrücke von Berlin gewonnen, aber die will ich jetzt gar nicht so detailliert und genau wiedergeben. Für mich erschütternd und erwähnenswert war noch, dass mir ein Mann am Bahnhof verschiedene Sorten Drogen angeboten hatte. Um 19.15 Uhr fuhren wir wieder nach Hause. Dort angekommen, beschlossen wir noch einen Film zu sehen.

Und jetzt komme ich zum zweiten, für mich eindrucksvolleren Teil des Tages. Denn dieser Film war von so wunderbarer Machart, so großartigem Inhalt und mit einem sehr gutem Konzept gesegnet, so dass er mich sehr sehr beeidruckte. “A Clockwork Orange” von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1971.

Es geht um einen jungen Mann, der zusammen mit einer Gang Gewalt- und Sexualstraftaten begeht, dessen Kumpanen ihn im Stich lassen und er so von der Polizei geschnappt wird. Im Gefängnis wird er dazu auserkoren, eine neue Art der Resozialisierung an einem Institut mit zumachen. Ihm werden Filme mit Gewalt- und Sexszenen gezeigt. Ihm werden dabei die Augen offengehalten, in welche er immer wieder Tropfen von Serum bekommt, das in ihm starke Übelkeit hervorruft. So wird er von erneutem Verbrechen abgehalten, denn schon die kleinste Form von Gewalt löst bei ihm Brechreiz aus. Er wird aus der Haft entlassen und erfährt im weiteren Verlauf immer wieder Rache für seine früheren Taten, bis er beschließt sich zu töten. Es gelingt ihm jedoch nicht und er wacht in einem Krankenhaus auf. Ein Mann der Politik, der auch für das Programm der Resozialisierung (das mittlerweile arge Kritik einstecken musste) zuständig war, kommt zu ihm, um mit der Genesung des Exschlägers und Opfers eines qualvollen Experiments auf Stimmenfang bei den Wählern zu gehen. Am Ende ist das Opfer geheilt von seinen Reaktionen auf Sex und Gewalt und man sieht ihm beim Sex mit einer Frau, während Leute um die beiden herumstehen und applaudieren.

Ich verfolgte die Handlung des Films mit einer großen Spannung. Danach ging ich dann auch, denn es war für die Verhältnisse und Umstände des Tages schon sehr spät. Auf dem Weg nach Hause dachte ich viel an den Film. Es war keiner draußen in der Nacht, alles ruhig. Ein wenig komisch war mir. Als ich zu Hause war, schnappte ich mir dann sofort einen Stift und einen Zettel, um das Erlebte und Gesehene direkt in Worten einzufangen. Nun werde ich schlafen, mich erholen und morgen diesen Text auf Xesier stellen.

Hiermit nehme ich dann doch noch eine kleine Aktualisierung vor. Nachdem ich heute einen Wikipedia Artikel zu “A Clockwork Orange” gelesen habe und mehr als fasziniert davon bin, ist dieser Film der mit Abstand beste und großartigste Film, den ich bisher sah. Ich habe ja in letzter Zeit viele Filme gesehen. Viele Gute, auch schlechte. Aber dieser hier löst sich einfach von allen anderen ab und erreicht eine vorher noch nie gekannte Spitzenklasse bei mir. Mein unantastbarer Lieblingsfilm.
Der Tag in Berlin war auch sehr toll, allein schon weil ich kurz vor Schulbeginn noch einmal etwas mit den Leuten machen konnte, die ich sehr gern habe. Außerdem war es hochinteressant, solch eine Großstadt zu besichtigen, wenn man aus einem kleinen Ort kommt.