Do you really want to know?
Da Hannes ja immer noch in Kanada ist und auch nicht so bald vorhat zurückzukehren, möchte ich Patricks Stöckchenwurf aufgreifen und ein bisschen darüber berichten, wie mein Leben in den vergangenen Wochen so abgelaufen ist.
Nun, die erste Sache, von der ich berichten möchte, ist die Zeit. Die vergeht nämlich um einiges schneller, als ich es noch in der Schulzeit gewöhnt war. Man wacht auf, arbeitet den ganzen Tag, fährt nach Hause, ruht sich ein wenig aus, schläft und beginnt schon wieder einen neuen Tag. Die Zeit rast und dass ich erst jetzt, nach schon fast zwei Monaten nach Hannes’ Abreise, dazu komme, einen Bericht über meine Erlebnisse im ersten Monat seiner Abwesenheit zu schreiben, sollte eigentlich eine grobe Richtlinie dafür geben, dass alles irgendwie ein wenig merkwürdig ist, seit Hannes weg ist.
Trotzdem ist meine Arbeit nicht unbedingt eintönig. Obwohl man vermuten könnte, dass mir das Mähen des Rasens, die Säuberung der Kegelbahn oder das Zupfen des Unkrauts mit der Zeit zum Hals raushängen könnte, so kann ich eigentlich überwiegend positiv davon berichten. Ich habe sehr viel Zeit, über Dinge nachzudenken, die in meinem früheren Leben immer von sehr viel Stress und Vorbereitungsdruck unterbunden wurden. So finde ich jetzt zum Beispiel die Zeit, mich stundenlang mit verschiedenen literarischen Texten auseinanderzusetzen ohne auch nur ein Wort mit jemand anderem zu wechseln. Ich beschäftige mich mit den Sachen, die mir nützen und die mir dabei helfen, ein wünschenswertes Leben zu führen. Ich teste regelmäßig mein Wissen. Man kann so viel mit seinen Gedanken anfangen, wenn man sich nur regelmäßig die Zeit dafür nimmt und sich nicht nur die ganze Zeit berieseln lässt.
Doch Arbeit ist Arbeit und sie kann in manchen Momenten genauso nerven, wie sie gut tut. So sind manche Gespräche mit meinem Chef sehr einseitig und ich fühle mich auch häufig nicht in der Lage, alles so perfekt zu machen, wie man es von mir verlangt. Das einzige, was ich dahingehend jedoch versprechen kann, ist meine mir bestmögliche Ausführung der Aufgaben. Allerdings habe ich auch gemerkt, dass ich einige Probleme mit dem Vokabular dieser Arbeiten besitze. Ich hasse Wörter wie “Weisung” oder “Freischneider” oder “Multicar”, da sie versuchen sich in meinen alltäglichen Sprachgebrauch mit einzuschleichen. Es sind Wörter, die ich immer mit einem negativen Konnotat belegen werde, da ich sie erst wirklich durch die Arbeit kennengelernt habe. Das schlimmste davon ist für mich immer noch “Weisung”, denn es trägt für mich zum einen diese furchtbare offizielle Komponente und zum anderen dieses erzieherische “zur Ordnung weisen” mit sich herum. Ich gebe keine Anweisungen, ich gebe “Weisungen” weiter. Absolut unerträglich.
Doch meine Arbeit ist ja nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen steht immer noch meine Freizeit und ich muss leider sagen, dass in den meisten Fällen davon nicht mehr viel übrig bleibt. Genau so, wie ich es angekündigt habe, beschäftige ich mich derzeit sehr stark mit allen möglichen Projekten und versuche meist einen kühlen Kopf zu bewahren. Ich gebe mein bestes und fühle mich immer ein wenig bescheuert, wenn etwas nicht so klappen will, wie ich das ursprünglich geplant hatte. So klingen Absätze, die man an einem Arbeitstag um 0:30 Uhr für ein Skript geschrieben hat, plötzlich gar nicht mehr so gut, wenn man sie sich fünf Minuten vor dem Dreh noch einmal gemeinsam mit den Schauspielern anguckt. Es zeigt mir, dass ich mehr Zeit für eine vollständigere Ausarbeitung nehmen sollte. In den meisten Fällen ist mir das aber unangenehm, weil damit mehr Arbeit verbunden ist, als man zunächst denken mag. Es müssen Schauspieler angewiesen angeleitet werden, sie müssen zueinander in Beziehung gesetzt werden und man muss darauf achten, dass die Natürlichkeit mit der Künstlichkeit harmoniert.
Nach vielen Wochen sind Martin und ich endlich auch soweit, dass wir alle Lieder unserer EP aufgenommen haben und jetzt eigentlich nur noch mit den Feinarbeiten und der Präsentation beschäftigt sind. Dass dieser Bereich einer der schwierigsten werden könnte, hat uns natürlich niemand gesagt. Aber wir nehmen die Herausforderung auf uns und versuchen dann wenigstens ein einigermaßen passables Gesamtwerk abzuliefern. Auch freue ich mich darüber, dass ich die Hälfte der Dreharbeiten zu meinem Nachtfilm abgeschlossen habe und jetzt nur noch darauf warte, dass ich nächste Woche die Dreharbeiten vollständig beenden kann. Dann fehlen nur noch ein paar Aufnahmen für meinen Katzenfilm und der arbeitsreiche August wird vom etwas ruhigeren September abgelöst. Dort hoffe ich auch darauf, etwas mehr Zeit für meine Freunde zu nehmen und mal wieder ein paar alte Bekannte zu besuchen.
Ja, nun, so verlief mein bisheriges Leben ohne Hannes und ich frage mich natürlich auch, wie andere die Zeit sozusagen “mitten im Leben” erfahren haben. Deshalb möchte ich das Stöckchen gerne an Marco und Martin weiterschmeißen. Ansonsten wünsche ich dir noch alles Gute in Kanada und komm nicht unter die Räder, oder so!

![Nostalgie ist ein Scheusal, denn die Vergangenheit erinnert uns nur an das, was wir nicht mehr haben. [Seperator]](http://archiv.xesier.de/wp-content/themes/xesier_archiv/images/blank.gif)
Hey Henry,
ich bedanke mich recht herzlich für deinen Artikel und ich hab auch schon viele Parallelen zwischen uns erkannt. Wenn man in diesem Arbeitsrhythmus ist, ist es unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Bei mir heißt es um 9 zur Arbeit und um 18Uhr bin ich zu Hause, dann bleibt nur noch Zeit zum Joggen, Ausruhen, Kchen und Waschen, ehe es dann ins Bett geht und ein neuer Tag beginnt. Aber ich freue mich schon auf die Zeit, wenn es ans Weiterreisen geht :).
Ich wünsche dir und Martin weiterhin viel Erfolg bei eurem Musik-Projekt. Die Lieder gefallen mir echt gut, die bei myspace online sind.
Grüßerle Hannes
Hi Henry,
wollte auch mal wieder was von mir hören lassen.
Das mit der Arbeit ist natürlich doof, mein Beileid (^ ^)
Trotzdem ein guter Artikel.
mfg
Ich danke euch beiden. :)
@Jonathan: Wie sieht es mit Sonntag aus? Ich würde gerne mit Jonas und dir eine Szene für meinen neuen Kurzfilm drehen. Hast du da Zeit? (21:00 Uhr) Melde dich mal bei mir, ICQ und E-Mail hast du ja von mir.