3. Oktober 2009 / , , , , , , , , , , / Henry / 3c

Die Wende aus dem Blickwinkel eines 19-Jährigen.

Für mich gibt es keinen Osten und keinen Westen mehr. Mir ist es egal, ob jemand aus Frankfurt oder aus Leipzig kommt. Mir ist es egal, ob die da drüben mehr verdienen oder weniger. Mir ist es egal, ob die Bildung in den neuen Bundesländern besser oder schlechter ist. Für mich gibt es keine neuen Bundesländer. Für mich existieren nur 16 Bundesländer, die durch föderale Strukturen Deutschland zu einer Bundesrepublik machen. Das Geschwafel um Ost- und West-Unterschiede interessiert mich nicht. Mir ist es egal, ob die Linke aus der SED hervorgegangen ist. So viele Politiker, die in den heutigen Parteien große Reden schwingen, haben sich in der DDR der einen “Partei” untergeordnet und für einen Studienplatz oder ein paar Mark mehr ihre Nachbarn verraten. Mir ist es egal, ob jemand die DDR für gut hält. Für mich war sie eine unterdrückende Diktatur, die Menschen aufgrund ihrer persönlichen Überzeugungen gequält, gefoltert und getötet hat. Mir ist das Wort Wende zuwider, aber mir fällt kein besseres ein. Ich denke die Beendigung des kalten Krieges ist das wichtigste Ereignis des 20. Jahrhunderts. Ich denke die Wiedervereinigung ist das wichtigste Ereignis der neueren deutschen Geschichte. Ich bin glücklich mit meinem Leben. Ich bin eingeschränkt, aber dennoch auf eine gewisse Art glücklich. Irgendwie. Wenn man mir die Frage stellen würde, was Deutschland nach dem Krieg auf lange Sicht am meisten getroffen hat, dann würde ich antworten: Seine Spaltung und die Ausprägung eines Ost-West-Verständnisses. Ich fürchte mich vor Menschen, die nicht verstehen können, dass es solche Einteilungen nicht mehr gibt, die Menschen aus dem ehemaligen Gebiet der DDR wie Außenseiter oder Hinterwäldler behandeln und die denken, dass die Bundesrepublik nicht wirklich zum Machtinstrument der Alliierten wurde. Ich verurteile die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und der Bundeswehr nach dem Krieg. Und ich verurteile noch um einiges mehr das Fortführen der NATO nachdem der kalte Krieg vorüber gegangen ist. Ich kann nicht verstehen, warum man bei der Bundeswehr für Auslandseinsätze ausgebildet wird, warum die Bundeswehr überhaupt ins Ausland gehen darf. Ich denke Deutschland verschenkt sehr viel Potenzial durch das Fehlen einer progressiven, toleranten und zukunftsorientierten Politik. Aber ich bin dennoch glücklich in Deutschland zu leben. Glücklich. Irgendwie. In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Tag der Deutschen Einheit. Geht feiern!