30. November 2007 / , , , , , , , , , , , , , / Henry / 2c

Die Killerspieldebatte

Auf zur zweiten Runde

Weniger als früher ist das Spielen in meinem Leben nicht mehr so präsent wie es einmal war. Hauptsächlich liegt es daran, dass mich meine kreative Seite mehr und mehr beansprucht und der Genuss von Kultur immer weiter in den Hintergrund rückt. So merke ich beispielsweise, dass ich es kaum noch schaffe Bücher zu lesen, die mir eigentlich interessant vorkommen oder Hörspiele zum Einschlafen hin anzuhören, die mal wieder einen Hauch von Kindheit verströmen lassen würden. Jedenfalls aber besitze ich immer noch ein klein wenig Verständnis in Bezug auf Computerspiele und deren Wirkungsweise und möchte nicht unbedingt abstreiten, dass ein Kampfbegriff wie “Killerspiele” für eine Diskussion rund um das Thema Computerspiele einigermaßen sogar angebracht ist, um eine aufgebrachte Meute zu ermutigen für die intensivste Art der Kultur einzutreten.

Während früher Computerspiele ein Nischendasein fristeten, so sind sie heute Teil einer normalen Alltagsbildung. Wo es früher hieß, “wir gehen ins Kino”, so heißt es heute, “jo, dann spielen wir eine Runde AoE2 über Hamachi“. Das bedeutet nicht, dass damit das Kino aus der Auswahl wegfallen würde, aber im Vergleich steht heute eine kostenfreie interaktive Art der Kultur und des Wissensaustausches gegen eine passive von Werbung überschwemmten Art der Pseudounterhaltung aus Hollywood. Wenn erwachsene Menschen jedoch anfangen, Computerspiele als etwas Besonderes zu erachten und sie als “Killerspiele” zu bezeichnen, dann fehlt diesem Aufschrei nach Gesetzen zum Jugendschutz eindeutig das kleinste Maß an allgemeinem kulturellen Verständnis. Computerspiele sind Alternativen, soweit richtig. Computerspiele benutzen das Thema der Gewalt, auch gut. Computerspiele sind schädlich, jetzt rutscht es ab. So wie Bücher schädlich für die Bibel, Zeitungen schädlich für die Bücher, Radio schädlich für die Zeitungen, Kino schädlich für das Radio und Fernsehen schädlich für das Kino waren, so sind Computerspiele, gesondert auch das Internet und die damit verbundene Vernetzung, nun schädlich für das Fernsehen und den ganzen Rest der verschiedenen Medien. Das involviert gleichzeitig aber auch, dass es schädlich für die Kinder sein muss, da es ja schon allgemein schädlich gewesen ist. Der neue Weg, nachdem Computerspiele halbwegs annehmbar in den 90ern geworden waren, sind “Killerspiele”. “Killerspiele” sind der Versuch aus Computerspielen Gewaltimmanenzen zu machen. Gewalt ist schlecht, deshalb ist Gewalt in Computerspielen schlecht, da Computerspiele ja nur etwas für Kinder sind. Also muss der Jugendschutz eingreifen und die Regierung über ein scheinbar so wichtiges Thema in allen möglichen Sendungen darüber berichten.

Ich finde es ehrlich gesagt witzig und angenehm, dass Computerspiele thematisiert werden und freue mich auch darüber. Auch wenn das bedeutet, dass wir uns dazu aufraffen müssen dieses Medium mit allerhand Fachwissen und kultureller Auseinandersetzung zu verteidigen. Es ist doch positiv zu beobachten, wie sich aus den paar Nerds in Deutschland eine Mannschaft aus hochgradig intellektueller Besetzung entwickelt, die sich mit voller Kraft der Zukunft der Computerspiele widmet, obwohl diese schon wieder einen Abfall an Qualität im Hollywood der Spiele zu verzeichnen haben. Aber egal, es entwickelt sich und da macht es auch gar nichts, dass Golem, Süddeutsche und die Blogosphäre rund um Spreeblick, Niggemeier und Walter sich wieder mit dem Thema beschäftigen. Auch wenn es sich abzeichnet, dass es sich im Nachhinein wohl dann weniger um die Spiele und deren kulturelles Potenzial, als mehr um die journalistische Arbeit der Öffentlich-Rechtlichen zu brisanten Themen handeln wird.