19. Juni 2009 / , , , , , , , , , , / Henry / 12c

Die Internetzensur und ich

Ich möchte heute ein wenig persönlich werden. Ich weiß, das bin ich auch meistens in anderen Beiträgen, aber dieser hier geht mir wirklich zu Herzen. Ich verfolge das Thema der Internetzensur und die lustigen “Zensursula“-Beiträge ja schon seit den Anfängen und ich habe mich immer ein wenig zurückgehalten, weil ich mir dachte: “Ach komm, so dumm und ignorant wird schon niemand sein.”, doch jetzt, wo das Gesetz beschlossen wurde und ich schon von Sperren für Internet-Shop-Anbieter höre, kann ich nicht mehr und muss meinem Frust ein wenig Luft verschaffen.

So. Erst einmal muss ich sagen, dass ich es nicht mehr verstehen kann, wenn Jugendliche wirklich noch die CDU/CSU (oder neuerdings die SPD) wählen. Ich weiß zwar, dass es in der Partei Menschen gibt, die sympathisch sein können und auch sicherlich in einigen Gebieten ein fundiertes Fachwissen vorzeigen, aber genau die gleichen Politiker haben sich in einer Debatte, die einen Großteil der Bevölkerung betrifft, einfach taub gestellt und sind in keinster Weise auf die Kritik der Gegenseite eingegangen. Das ist für mich einfach nur sehr schwer zu verstehen und hat für mich eigentlich nur zwei mögliche Ursachen. Entweder man wollte auf einem Hardliner-Kurs bleiben, um damit, auch auf Kosten der demokratischen Strukturen, Stärke zu beweisen und damit für die kommende Bundestagswahl gerüstet zu sein oder man steuerte von Anfang an auf eine Zensur hin, um damit die Möglichkeit in die Hand zu bekommen, das Internet, das wesentlich geringere mediale Schranken aufweist und dadurch ein höheres Missbrauchspotenzial bietet, zu kontrollieren. Beide Ursachen erscheinen aus dem Blickwinkel einer konservativen Partei verständlich, allerdings führen diese konservativen Werte ebenfalls dazu, dass das Internet sein gesamtes Potenzial als schnelles, preiswertes und vor allem unabhängiges Medium zum uneingeschränkten Informations- und zum freien Meinungsaustausch verliert. Aus diesem Grund frage ich mich, wie man diese Auswirkungen als junger, aufgeschlossener Mensch, der seine Zukunft noch vor sich hat, einfach so aufgeben möchte? Natürlich gibt es noch andere wichtige Themen wie Wirtschaft, Bildung und Soziales, aber diese Themen haben alle einen Knotenpunkt im Internet und werden von diesem gleichbedeutend beeinflusst. Wo wäre unsere heutige Schul-Elite, wenn sie keine Wikipedia hätte? Wo wären Firmen wie Microsoft oder Apple, wenn sie keine Möglichkeit hätten, sich frei zu entfalten und auf das Wohlwollen des Staates angewiesen wären? Wo wären die Millionen von Wissbegierigen, die durch das Internet lesen, lernen und lieben gelernt haben? Was wäre das für eine Informations-Gesellschaft ohne Internet? Eine Gesellschaft, der wir heute den Weg bereitet haben.

Weiterhin werde ich es wohl nie verstehen, warum erfolgreiche deutsche Politiker, noch nie meinen Idealen entsprechen konnten. Ich meine, in den USA hat es mit Barack Obama doch auch geklappt? Warum muss ich mich also immer wieder mit Politikern herumschlagen, die eine Jetztpolitik betreiben und niemals an die Zukunft denken? Warum muss ich ständig mit meinen Eltern über politische Ausreißer diskutieren, wenn ihnen doch längst bewusst ist, dass ihre Politiker sie die ganze Zeit nur anlügen? Warum nichts Neues probieren, wenn die alten Politiker nur noch ihren eigenen Machtinteressen folgen, anstatt die Gesellschaft voranzubringen? Warum sind die Ideen der Grünen, der Linken oder auch der Piratenpartei so abwegig in Deutschland? Ist Deutschland dafür nicht bereit? Könnte es sein, dass die Menschen, die die Entwicklung durch das Internet nicht mitbekommen, auf die gesellschaftlichen Veränderungen zu langsam reagieren? Ich finde keine Antworten und niemand wird sie mir geben können, denn diese verfluchte Gesellschaft möchte überhaupt keinen Dialog. Sie will Überwachung, Zensur und Zwang zugunsten von überflüssiger Terrorabwehr, Verschleierung von dokumentierter Kindesmisshandlung und Wahrung kleinbürgerlicher Werte, die Rock-Musik, Computer spezieller vielleicht Computerspiele, Homosexualität, Pädophilie und Atheismus als Krankheit verstehen, die es zu “heilen” gilt. In solch einer eingeschränkten Gesellschaft möchte ich nicht leben, denn sie unterdrückt mein persönliches Empfinden von Freiheit und von Individualisierung. Und was nützt schon ein Staat, der die Individualität des Menschen durch seine Regelungen soweit kürzt, dass nur noch eine einzige Meinung die “richtige” ist?

Es würde mich deshalb unglaublich freuen, wenn ich weiterhin in einer aufgeschlossenen und freien Gesellschaft leben könnte, die die Entwicklungen unserer Zeit nicht verurteilt, sondern als Chance begreift, sich selbst zu vervollkommnen und die Interessen aller Menschen wenigstens in Betracht zu ziehen. Ich hoffe darauf, dass die nächste Regierung eine Regierung sein wird, die meine Interessen versteht und sie wenigstens in kleinen Teilen mit in ihre Überlegungen einfließen lassen wird. Natürlich hoffe ich auch darauf, dass ich eine Gesellschaft erleben werde, die von lügenden oder bigotten Politikern verschont bleiben wird, aber in der heutigen Zeit kann man ja leider nicht mehr alles haben.