30. Oktober 2008 / , , , , , , , , / Henry / 0c

Die Handlung von Mika Brzezinski

tv studio
Foto: Matti Mattila – Anpassung durch Xesier, Lizenz

Menschen mögen Nachrichten von Prominenten, weil es literarische Geschichten sind, die auf einer wirklichen, meist vielleicht auch besonders herausragenden Persönlichkeit basieren. Was wäre das, wenn es einen Hulk wirklich geben würde und wir ständig von ihm im Fernsehen hören würden. Da ginge schneller als man Nerd-Overkill sagen könnte jegliches Interesse an anderen Themen verloren. Dennoch muss uns bewusst werden, dass Prominente auch nur Menschen sind und sich hinter jedem Hulk auch nur ein Bruce Banner versteckt.

Mika Brzezinski hat das begriffen. In der Morning-Joe-Show am 26. Juni 2007 auf MSNBC weigerte sich besagte Moderatorin die Freilassung von Paris Hilton als Hauptbericht vorzustellen. Zwar ist die Geschichte schon recht alt, aber sie ist mir erst heute unter die Augen gekommen.

Frühstücksfernsehen war schon immer furchtbar, was die Bild-mäßige Aufmachung und Präsentation von Nachrichten angeht. Allerdings muss das nicht so bleiben. Menschen wollen sich informieren. Menschen wollen nicht mehr nur die beste Zeit für das Anpflanzen von Oleander oder die wirksamsten Heilkräuter im Frühling kennenlernen. Sie wollen sich ebenfalls geopolitisch informieren. Sie wollen moderne Kunst erleben. Sie wollen wissen, was es bedeutet, wenn man vom Leitzins der EZB spricht.

Die Überbetonung von Prominenten, Esoterik und Gartenbau im deutschen Frühstücksprogramm ist meines Erachtens einer der großen Fehler des Fernsehens. Natürlich verlangen wir danach, natürlich wäre es schon längst verschwunden, würden wir es uns nicht immer noch angucken, aber irgendwann – irgendwann zerstören wir uns mit diesem Kreislauf aus Interesse nach Einfachem und Angebot an Einfacherem noch selbst.

Das ist keine Realität mehr, das sind auch keine Geschichten mehr. Das ist eine Scheinrealität, die uns vom Fernsehen vorgegaukelt wird. Die Frage, die mich dahingehend jedoch persönlich beschäftigt, bezieht sich auf den Sachverhalt, ob wir uns überhaupt Realität wünschen oder ob wir lieber solange in diesem Trugbild leben bis irgendwann Nahrung, Wasser und Strom knapp sind.

(via)