22. November 2008 / , , , , , , , , , , , , , , / Henry / 0c

De-Mail sollte lieber ein soziales Netzwerk werden

De-Mail ist eine in den letzten Monaten aufgekommene Idee zur sicheren Kommunikation zwischen Staat und Menschen, die ihr Gegen-eine-Wand-Laufen noch nicht bemerkt hat. Sicherheit ist in diesem Staat in den letzten Jahren zu einem Thema geworden, das jeder Datenschützer einfach nur noch leid hat. Es ist deshalb auch nicht weiter verwunderlich, dass die angepriesene sichere Kommunikation absolut niemanden interessiert.

Die Regierung denkt, dass sie ein Zeichen gegen ihre absolute technische Unbegabtheit im Internet setzen müsste. Zum Beispiel versucht sie in letzter Zeit ihren Internetauftritt zu verschönern oder vergeblich Blogger zu ihren IT-Treffen einzuladen. Dass das alles nicht so sehr den erdachten Erfolg entspricht, spielt dabei keine allzu große Rolle.

Es geht doch eh meistens nur darum, einen Anschein zu erwecken. Man muss den Anschein erwecken, in etwas aktiv zu sein, dann ist man darin auch aktiv und wird dafür bewundert. Das funktioniert vielleicht beim Umweltschutz oder bei der Rettung der Wirtschaft, in welcher nur ein kleiner Kreis von Wirtschaftsjournalisten wirklich kritisieren kann und der Rest meistens nur nachplappert. Sich diesen Versuchen jedoch im Internet hinzugeben, ist ein Schuss ins eigene Knie.

De-Mail ist ein von der Telekom-Untergruppe T-Systems mit mehreren E-Mail-Diensten verhandeltes Geschäft, dass die brieffreie und identitätstreue Kommunikation erlauben soll. Dazu wird von der Telekom und seinen Partnern ein E-Mail-System auf die Beine gestellt, das 2009 erstmals in Pilotprojekten eingesetzt und 2010 dann in den Regelbetrieb übergehen soll. Das System soll vor allem dazu dienen, rechtsgültige Dokumente auszutauschen und damit die umständliche Verschickung über Post oder die Behörde zu ersparen.

Wenn man sich aber nur bereits die häufig gestellten Fragen (FAQ) des Dienstes anschaut, dann wird man schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgezogen. Dort heißt es beispielsweise auf die Frage, wie teuer der Dienst werden wird: “Preise und Modalitäten wird jeder Anbieter von De-Mail im freien Wettbewerb um die Kunden selbst festlegen. Es wird voraussichtlich ein ähnliches Prinzip wie beim Postversand gelten: der Absender zahlt ein e-Porto.” Eine weitere Antwort auf die Lösung des Spam-Problems ist zum Beispiel: “De-Mail beugt Spam vor, da Spam-Versender sicher nicht ihre Personendaten und Erreichbarkeit preisgeben möchten. Zudem müssen Konto-Inhaber, die sehr viele De-Mails versenden möchten, ein hohes Anmeldeniveau verwenden. So wird verhindert, dass massenhaft Nachrichten über ein “gehacktes” Konto mit geklautem Benutzernamen und Passwort versendet werden.”

Der Dienst wird also durch uns finanziert, wir haben aber nur ein begrenztes Volumen an E-Mails, die wir verschicken können? Sobald aber jemand unser Konto knackt, könnte er mit unserem Geld tausende E-Mails verschicken, wenn wir nur regelmäßig genug online wären? Das klingt alles nach total überholten Sicherheitsmaßnahmen, die durch den Geldverkehr nur eine noch größere Bedrohung für die eigenen Finanzen darstellen. Ich möchte gar nicht auf die wirklichen Verschlüsselungen der E-Mails eingehen, weil man sich erst einmal bewusst machen sollte, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Sobald es zum Beispiel eine Verschlüsselung gibt, kann man die Information davor oder nach der Entschlüsselung abfangen. So gut die Verschlüsselung auch sein mag, sie ist vollkommen belanglos, wenn man an den richtigen Stellen angreift.

Weiterhin sind die Telekom und der Staat nicht gerade die besten Ansprechpartner, wenn es darum geht Anonymität zu versichern. Die Telekom hat mehr als genug Schwierigkeiten mit ihren Betriebsräten und kritischen Mitarbeitern, die mehrfach überwacht und ihrer Privatsphäre beraubt wurden. Der Staat ist jedoch mit Wolfgang Schäuble noch viel mehr bestraft. Der Innenminister, für den das Grundgesetz eine biegbare Variable darstellt, hat sowohl die Vorratsdatenspeicherung, als auch das neue BKA-Gesetz, das einer Behörde geheimdienstähnliche Privilegien übergibt, initiiert.

Ich möchte dem Staat nicht die vollständige Glaubwürdigkeit aberkennen, aber im Sektor der Sicherheit und des Datenschutzes werde ich wohl nie wieder dieser Regierung vertrauen. Doch genug zur Kritik. Ich vergesse jetzt auch noch schnell die fragwürdigen wirtschaftlichen Entscheidungen, diese Aufgabe allein ehemals staatlichen Unternehmen zu übergeben und komme nun zu meinen Verbesserungsvorschlägen.

Das, was die Regierung möchte, ist kein E-Mail-System, es ist ein soziales Netzwerk, in dem der Bürger mit der Regierung und seinen wichtigsten Behörden zusammenarbeitet, sich in Foren über Bestimmungen austauscht und sich generell politisch aktiv verhalten kann. Ich schlage deshalb vor, De-Mail einzustampfen und dafür DeVZ oder DeSpace einzuführen.

Wenn die Behörde ein entsprechendes Dokument fordert, wird eine Meldung auf der Website angezeigt, die zu einem Upload-Formular führt, in welchem das Dokument hochgeladen werden kann. Nach dem Hochladen wird eine erneute E-Mail-Bestätigung verlangt und das Dokument ist vom Nutzer verifiziert. Der Nutzer erhält daraufhin eine weitere Bestätigungs-E-Email, die ihm Bescheid gibt, dass der Übermittlungsprozess erfolgreich vonstatten gegangen ist. Sendet man die entsprechenden Dokumente per Post, werden die Meldungen ebenfalls automatisch von der Website entfernt. Man erhält außerdem durch eine weitere E-Mail-Bestätigung für zehn Minuten einen Zugriff auf alle bisher versandten Dokumente und kann diese ohne Probleme auch wieder herunterladen.

Eine weitere Funktion umfasst die Möglichkeit, sich bei seinen Behörden zu melden und in Foren Kommentare mit anderen Bürgern der Umgebung auszutauschen. Es könnten schriftliche Werke, die mit Passwörtern abgesichert sind, verschickt werden. Das Passwort kann dann wiederum in den einzelnen Gemeindevertretersitzungen oder über andere Wege bekannt gemacht werden. Weiterhin können sich die gewählten Vertreter auf dieser Basis treffen und mit den Bürgern diskutieren, ohne dass sie unbedingte Privilegien genießen müssen.

Da viele Aktionen nur durch eine E-Mail-Verifikation möglich sind, müsste ein potenzieller Hacker sowohl Kenntniss vom E-Mail-Konto, als auch von den Daten des sozialen Netzwerkes haben. Es besteht natürlich die Möglichkeit sein eigenes Konto generell online vor Zugriffen auf verschickte Dokumente zu sperren, sodass nur die Kommentar- und Beteiligungsfunktion in den Foren zugänglich ist.

Ich möchte gar nicht bestreiten, dass man sich natürlich noch mehr Gedanken zu diesem Thema machen könnte. Ich möchte auch nicht bestreiten, dass solch ein System vielleicht noch gefährlicher sein könnte, als die bisherige Überlegung einer E-Mail-Adresse. Allerdings müssen wir uns damit abfinden, dass wir uns ständig weiterentwickeln und wir auch einmal mit alten Traditionen brechen können. Schließlich ist die Post auch nicht zu 100% sicher.

Die Regierung allerdings sollte sich auf jeden Fall einmal mit der Piratenpartei kurzschließen und noch einmal über ihr Projekt nachdenken. Der bisherige Entwurf ist nämlich ein ziemlicher Reinfall, den ich mit meiner Person in keinstem Fall unterstützen werde. Solange es geht, werde ich mich diesem Dienst entziehen und selbst dann wenn er Pflicht sein sollte, nur im äußersten Notfall darauf zurückgreifen.