25. März 2009 / , , , , , , / Henry / 0c

Das, was verborgen bleiben soll

Eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Webseiten im Internet wird einem Großteil meiner Leserschaft sicherlich unbekannt oder vielleicht auch völlig egal sein. Doch gerade deshalb denke ich, dass es wichtig ist, einmal über Wikileaks.de zu sprechen. Wikileaks ist eine dezentrale, Wikipedia-ähnliche Website, auf der all jene Dokumente veröffentlicht werden, die in den unterschiedlichen Ländern dieser Welt aus machtpolitischen oder egozentrischen Einflüssen entweder verboten oder geheim gehalten werden.

Wikileaks bietet eine Plattform für Informanten, Journalisten, aber auch für jegliche sonstige interessierte Leser, die sich nicht nur mit der Aufarbeitung begnügen, sondern direkt zur Quelle gehen wollen. Für mich ist Wikileaks aber auch deshalb so wichtig, weil man hier einen direkten Kontakt mit den Menschen erlebt, die von den uns meist abstrakt erscheinenden Problemen dort draußen wirklich betroffen sind. Man weiß, dass das Material in Wikileaks gesichtet wurde und dass es einen gewissen Anspruch an Qualität erhebt.

Dennoch sollte man nicht unbedingt die bestformuliertesten Texte der Welt darunter vermuten. Es sind immer noch nur Quellen, von gewöhnlichen Menschen geschrieben. Dennoch bewundere ich die Art von redaktioneller Freiheit, die die heutigen sogenannten Leitmedien doch gerne vermissen lassen. Ich finde es einfach nur großartig, dass man als Leser die Möglichkeit hat, Informatenberichte kennenzulernen und diese beliebig weiter zu benutzen. Umso verwerflicher empfinde ich es, wenn eine freiheitlich demokratische Regierung beispielsweise versucht diese Kanäle zu unterdrücken oder sogar restlos zum Schweigen zu bringen.

Gehört es denn in einer aufgeklärten Gesellschaft nicht dazu, Kritik zuzulassen und ihr Bedeutung zu schenken, auch abseits persönlicher Machtkonflikte? Aber anscheinend gibt es dafür in einem Superwahljahr, in dem man durch unsinnige Sperrlisten Aktivität vortäuschen möchte, absolut keinen Platz. Ich bin traurig darüber, dass ich in einer Welt lebe, in der versucht wird, Problemen mit Zensur oder sogar Hausdurchsuchungen beizukommen. Gerade deshalb ist Wikileaks für mich ein Vorreiter in Sachen Transparenz und Freiheit, aber auch Repräsentant für die Möglichkeiten des Internets.

Auf der anderen Seite besitzt Wikileaks natürlich aber auch ein enormes Missbrauchspotenzial, das durch andere weniger freie Medien recht gut dargestellt wird. Man darf nicht allen Informationen glauben schenken, das ist richtig. Man sollte aber versuchen sich weiträumiger über strittige Themen zu informieren und nicht allein auf das zu vertrauen, was Redakteure tagtäglich in weniger unseriösen Medien veröffentlichen. Deswegen ist Wikileaks so wichtig und sollte unter keinen Umständen lautlos aus dem deutschen Internet verschwinden.

Update: Aus aktuellem Anlass habe ich mich dazu entschlossen, alle Links zu Wikileaks zu entfernen und durch entsprechende andere Verlinkungen zu ersetzen.