31. August 2008 / , , , , , , , , / Henry / 13c

Das Problem mit mir zu diskutieren

Ich bemerke, dass es Leute sehr schwer haben, wenn sie mit mir diskutieren und möchte vielleicht einmal erklären, warum es mir manchmal so wichtig erscheint, endlos zu reden. Ich bin ein Mensch, der Situationen, die sein eigenes Weltbild infrage stellen oder generelle Abweichungen zu seiner eigenen Auffassung enthalten, zunächst einmal kritisch betrachtet und für sich selbst überprüfen muss.

Sobald das geschehen ist, beginne ich mich zu fragen, wie Menschen auf diese Sichtweise gekommen sind und ob meine Sichtweise Fehler aufweist. Kann ich persönlich bei mir keinen Fehler entdecken, versuche ich die Menschen in Gespräche zu verwickeln, indem ich ihre Thesen nach und nach überprüfe. Ab genau diesem Zeitpunkt beginnt jedoch für meinen Gesprächspartner eine schwierige Zeit, da ich nicht versuche eine Meinung einfach so zu akzeptieren, sondern sie genau zu analysieren.

Für mich sind Meinungen ohne Argumente und Belege oberflächliche Auseinandersetzungen und das Weigern, die eigene Meinung darzustellen, sehe ich persönlich als große Schwäche an. Niemand ist perfekt und in den meisten Fällen hat man auch keine Lust zu ergründen, warum man in einer bestimmten Situation ein bestimmtes Gefühl erlebt hat. So erging es mir beispielsweise mit dem Beitrag über dreizehnte Klasse beim Karneval.

Ich hatte keine Lust mich damit auseinanderzusetzen, weil ich keine Lust hatte, das Thema länger als fünf Minuten zu behandeln. Ich wollte meine Meinung hinausbrüllen, weil ich von der Situation und den Gefühlen mitgerissen wurde. Jetzt ist mir dieser Fehler vollkommen bewusst und ich werde ihn sicherlich kein zweites Mal begehen.

Doch nun weiter mit dem Problem der Diskussion. Aus dieser Veranlagung also heraus Meinungen nicht einfach gelten zu lassen, sondern sie gekonnt und mit einer prägnanten Art und Weise zu hinterfragen, wird es meiner Ansicht nach für die meisten Leute unangenehm, sich noch mit mir zu unterhalten. Weiterhin denke ich, dass meine Fragen durch ihre Einfachheit vielleicht den Gesprächspartner verwirren, weil sie davon ausgehen, dass ich nicht zugehört hätte. Das stimmt so nicht. Mein Problem besteht viel eher darin, dass ich nachfrage, um genau zu verstehen, wie ein Beispiel gemeint ist.

Bei solchen Diskussionen besteht mein Ziel Ungereimtheiten (bei mir oder beim Gesprächspartner) zu finden, um damit einen Konsens zu schaffen. Ich gehe also an eine solche Diskussion immer logisch heran und versuche so wenig wie möglich selbst Erfahrungen mit einzufließen, um die Problematik von Grund auf verstehen zu können. Würde ich Erlebtes mit in das Gespräch einbringen, würde das vielleicht als ein spezielles Beispiel taugen, aber es kann keinen generellen Beweis dafür abliefern, dass Menschen immer so handeln. Aus diesem Grund mag ich auch keine Statistiken über die Handlungen von Menschen, denn jeder Mensch verhält sich aus seiner Person heraus einzigartig.

Es ist schwierig Diskussionen zu führen, wenn das Gegenüber nicht ebenfalls die gleiche Ausdauer wie man selbst besitzt. Mir fallen während der Unterhaltung immer wieder neue Fragen ein, die ich den Leuten noch stellen möchte, doch plötzlich geraten sie in eine Situation, in der sie nichts mehr erklären wollen, weil sie sich selbst von der Situation genervt sehen. Ich fühle mich in solchen Situationen immer total im Stich gelassen, weil ich gerne ergründen wollte, warum mein Gesprächspartner nun einmal so denkt, wie er denkt. Beschwichtigen ist in diesen Momenten für mich die einzige Möglichkeit das Gespräch nicht vollkommen aufgeben zu müssen.

Ich weiß, meine Art Dinge zu diskutieren, kann nervig sein. Ich möchte mich aber dafür nicht entschuldigen, weil es für mich das Wichtigste meiner Person ist. Ich möchte lernen und verstehen, das ist eines meiner Ziele. Ich kann das aber nicht, wenn ich Meinungen akzeptiere, die ich nicht nachvollziehen kann. Ich toleriere sie und bin dann natürlich enttäuscht, wenn mir jemand nicht erklären kann, warum er so handelt oder denkt.

Abschließend möchte ich sagen, dass es niemals einfach ist, Dinge zu formulieren oder Diskussionen zu führen. Man kann immer Fehler machen und es ist gut, wenn einem jemand diese Fehler aufzeigt, damit man sich selber ändern kann. Trotzdem muss man immer noch versuchen darüber zu diskutieren und sich selbst eine tiefgründige Meinung zu bilden, da man sonst den Fehler macht, Menschen frühzeitig zu verurteilen.