27. August 2008 / , , , , , , , , , , / Henry / 7c

Das Problem des Journalismus

Reading the Newspaper
Foto: James Cridland – Anpassung durch Xesier, Lizenz

Es gibt die Gruppe von Menschen, die über die BILD lachen kann, und es gibt die Gruppe, die die BILD einfach nur verachtet. Doch warum verändern sich diese Gruppen und vor allem die BILD bei gut recherchierter Kritik selber niemals? Nun, es beginnt damit, dass die vierte Gewalt korrupt ist.

Bilderstrecken, merkwürdige Quiz- oder Puzzlespiele und vor allem mehr Prominentenhatz auf den Onlineportalen der gängigsten Printmedien sind Alltag geworden und die Innovation in Richtung Information gerät immer mehr in den Hintergrund. Es werden unbearbeitete Bilder auf die Seite geklatscht, daneben maximal ein Satz platziert und fertig ist ein journalistischer Beitrag in der Medienlandschaft. Diagramme, Tabellen und Animationen zur Erklärung sind nahezu verschwunden. Heutzutage fällt es da dann schon sehr schwer, aufwändigen Journalismus entsprechend zu würdigen. Er geht einfach in der Masse der halbfertigen Internetrecherchen und Bilderreportagen unter.

Mich selber schließt diese Kritik natürlich nicht aus. In vielerlei Hinsicht bin ich nicht perfekt und Fehler einzugestehen, kann manchmal zu einer schwierigen Tortur werden. Allerdings mache ich das alles hier immer noch kostenlos und wenn ich keine Leser habe, dann ist mir das vielleicht nicht vollkommen egal, aber nicht einmal annähernd so wichtig, wie für die Typen von den Print- oder bezahlten Onlinemedien.

Ich möchte auch nicht alle Medienquellen verteufeln, schließlich machen Heise und “Golem meiner Meinung nach einen sehr guten Job. Die ZEIT ist auch ab und an lesenswert. Trotzdem gehören diese Medien lange noch nicht zu den Topquellen, sodass sie Spiegel, BILD oder Welt von den Spitzenpositionen verdrängen könnten. Außerdem besitzen sie natürlich auch immer noch mehr oder weniger große Schwächen. So würde ich es mir manchmal sehr wünschen, wenn ZEIT Online endlich auf ein Kommentarsystem Wert legen würde, das nicht nur zur Attrappe dient und auch das ein oder andere Mal mehr benutzt wird.

Nun, das eigentliche Problem des Journalismus sind nun nicht diese Schnitzer im Präsentationsstil, sondern es ist seine Abhängigkeit. Es gibt keinen Journalismus, der unabhängig ist, da er immer an das Geld gebunden ist, welches ihm von Volontären, Werbern oder eben Lesern zur Verfügung gestellt wird. Da fragt man sich dann zu Recht, welcher Geldgeber es auch verkraften würde, die kritischen Wahrheiten, die das eigene Kapital beeinflussen könnten, aus einer von eigenem Geld unterstützten Zeitung zu hören. Ohne Geld kein Journalismus oder besser ohne viel Geld kein Qualitätsjournalismus. So könnte eine entsprechende Investition zwar einen ordentlichen Beitrag hervorbringen, allerdings generiert der dann nicht einmal annähernd so viele Klicks wie eine in fünf Minuten zusammengeschusterte Bilderstrecke. Und Klicks sind ja quasi das Öl des Internets.

Jetzt mag man sich denken, dass eben zwei Zeitungen sich gegenseitig überwachen und dann gegebenenfalls die Fehler der anderen in entsprechender Weise darstellen sollten. Damit wäre doch das Problem der Abhängigkeit gelöst, da die Abhängigkeiten sich gegenseitig überwachen. Nichts ist gelöst. Wer sagt denn, dass die beiden Zeitungen den anderen nicht jeweils aus dem Geschäft drängen und in diesem Sinne die andere Zeitung jeweils bei einem entsprechenden Ereignis diskreditieren wollen. Was passiert, wenn plötzlich die Abhängigkeiten zum Geldgeber zu groß werden und dieser verlangt, dass Artikel abgeändert werden müssen, um der Konkurrenz zu schaden?

Selbst Freizeitjournalismus oder Bürgerjournalismus ist davor nicht gefeit und muss damit leben, dass der Arbeitgeber jederzeit die eigenen Beiträge mitlesen könnte. Wer sich verstellt oder anonymisiert, gerät dann schnell in den Konflikt mit der Glaubwürdigkeit. Es ist ein verhextes Spiel, aus dem es so gut wie kein Entrinnen gibt. Journalismus ist korrupt und uns damit abzufinden, ist der erste Schritt, Informationen zu hinterfragen und Entscheidungen nachzuvollziehen.

Deshalb ändert die BILD nicht ihr Erscheinungsbild, es verkauft sich. Es bringt Geld. Wenn ein paar Menschen in den Dreck gezogen werden, na ja, was soll’s. BILD macht Gewinn und muss niemanden aufgrund fehlender Einnahmen entlassen. Wir vergessen ja stets, dass jede Entscheidung, die die Qual eines Einzelnen auflöst, auch mit der Qual von tausenden anderen einhergehen kann. Man muss die Arbeit von BILD nicht verteidigen, man kann und sollte auch immer noch weiter gegen das Geschäftsmodell von BILD vorgehen, aber man muss auch BILD-Redakteure verstehen, die damit ihre Miete bezahlen.