Das Paradoxon vom Streben nach Ruhe und Bewegung
Ich habe schon lange nicht mehr über philosophische Themen geschrieben, weil ein Großteil meiner Philosophie in meinen beiden Büchern abgehandelt wurde. Während aber sich das erste Buch allein mit der Sprache und das zweite nur mit dem Menschen auseinandergesetzt hat, fehlt an sich noch ein großer Punkt in meiner Philosophie, den ich früher mit Universalphilosophie umrissen hatte.
Ich spreche von meiner Philosophie über die Welt, das Universum und das Zusammenwirken von Naturgesetzen. Es handelt sich dabei, um keine gesellschaftlich relevante Philosophie, weshalb ich sie auch nicht groß weiter behandelt habe. Allerdings hatte ich in letzter Zeit wieder einige sehr interessante Unterhaltungen, in denen ich meine Theorie vortragen und weiterentwickeln konnte.
Wenn man sich die Frage nach dem Ursprung des Lebens stellt, beginnt man sofort die Frage nach Gott zu stellen. Zwar sind Theologie und Philosophie in ihrer Suche nach Antworten auf den Ursprung des Seins fest miteinander verwurzelt, da ich allerdings nicht an Gott glaube und generell die Entwicklung der Menschheit auf Zufälle in der Natur zurückführe, möchte ich in meinen theoretischen Ansätzen nicht mehr länger auf theologische Möglichkeiten eingehen. Für mich steht meine Universalphilosophie in Einklang mit den Naturwissenschaften und versucht Fragen zu stellen, die über den Horizont eines reinen Schöpfergottes hinaus gehen.
Wenn ich aber so darüber nachdenke, dann verwischen die Grenzen vielleicht in diesen Bereichen aber auch zu sehr, als dass man es vollkommen ausschließen kann, dass ich auf Gott noch einmal eingehe. In jedem Fall aber ist es für mich wichtig, Gott nicht als Antwort zu betrachten, die die Frage der Existenz restlos beantwortet, gerade auch in Hinblick auf die Tatsache, dass ein Schöpfer sich dieselbe Frage wie wir stellen muss. Wer ist der Schöpfer des Schöpfers?
Die Frage nach dem Sinn des Lebens beantworte ich mit einer Gegenfrage: Was ist Leben überhaupt? Wir definieren Leben durch bestimmte Merkmale, die wir an uns selbst festgestellt haben und deshalb versuchen auf andere Entitäten zu übertragen. So sind die wichtigsten Stützpfeiler des Lebens hauptsächlich eigenständige Bewegung und Kommunikation, Stoffwechsel, Fortpflanzung und Wachstum. Ich denke aber, dass diese Definition von Leben zu speziell ist. Ich halte deswegen die Bewegung für das wichtigste Indiz des Lebens, denn alle Lebensprozesse sind Bewegungen, die wiederum auf ihr Weiterbestehen bzw. Weiterbewegen abzielen.
Wenn man also die Bewegung in das Zentrum der Definition setzt, dann verallgemeinern wir die Definition so weit, dass uns von einem unbewegten Stein eigentlich nur noch die Tatsache trennt, dass wir scheinbar unsere Bewegungen kontrollieren könnten. Ist das aber der Fall? Wenn wir den Determinismus einmal beiseite lassen, steuern wir im Grunde genommen nur sehr oberflächlich unseren Körper. Wir sagen zum Beispiel nicht, dass ein bestimmter Hormoncocktail an einen bestimmten Abschnitt in unserem Körper geschickt werden soll. Das wird automatisch übernommen. Wir sagen auch nicht, dass sich ein bestimmter Muskel anspannen soll, damit wir den Arm heben. Wir heben einfach nur den Arm. Wir steuern Makros und sind uns über die eigentlichen Tätigkeiten gar nicht mehr bewusst. Nennt man so etwas Kontrolle?
Wir werden beeinflusst und wir beeinflussen andere durch unsere Beeinflussung. Man könnte das mit einer Lawine vergleichen, die einen Berg herunterjagt und dadurch Wälder mitreißt. In der gleichen Art wie ein Stein angestoßen wird und durch seine inneren Bestandteile bestimmte Effekte auf seine Umgebung hat, haben wir durch einen Anstoß Effekte auf unsere Umgebung. Was unterscheidet uns also von einem unbewegten Stein? Uns unterscheidet einzig die Tatsache, dass wir uns bewegen, nicht dass wir uns kontrolliert bewegen, sondern dass wir eine Bewegung überhaupt ausführen und versuchen diese Bewegung so lange es geht aufrecht zu erhalten. Doch so wie der Stein versucht das beste aus seiner Bewegung zu machen, versuchen wir das auch. Die Unterscheidung also, dass wir so lange es geht, unser Leben und damit unsere Bewegung aufrecht erhalten, lässt sich somit ebenfalls auf den Stein übertragen. Das bedeutet letztendlich aber, dass das Leben nichts weiter als Bewegung ist. Ein Stein, der sich bewegt, lebt nach dieser Definition genauso wie ein Mensch.
Wenn wir Leben also mit Bewegung gleichsetzen, dann fragen wir in Wirklichkeit nicht, was der Sinn des Lebens ist, sondern nach dem Prinzip der Substitution, was der Sinn der Bewegung ist. Diese Frage ist im Grunde genommen nicht einfacher zu beantworten, als die Frage nach unserem Leben, aber sie benutzt wissenschaftliche Grundlagen und wir nähern uns hier der Verbindung von Mensch und Universum. Dadurch haben wir die Möglichkeit uns von der Mystifizierung des Menschlichen zu entfernen und den Ursprung des Universum mit dem Ursprung des Menschen/Tieres in Einklang zu bringen.
Wenn wir also die Frage nach dem Sinn einer Bewegung betrachten, dann müssen wir zuerst einmal genauer definieren, was eine Bewegung ist. Eine Bewegung lässt sich leicht als eine Veränderung des Standortes in der Raumzeit definieren. Doch was das bedeutet, ist relativ schwer zu erfassen. Da Zeit fast genauso schwer zu erschließen ist wie das Leben, gehe ich vereinfacht von einer linearen Zeitbewegung aus. Das kann man am besten mit einer linearen Interpolation in einem Diagramm vergleichen. Warum man Zeit nicht einfach für alle linear betrachten sollte, lässt sich durch die Relativitätstheorie und die Funktionsweise unserer Augen erklären.
Unsere Augen nehmen Dinge dadurch wahr, indem sie das Licht, das von den Dingen reflektiert wird, an unser Gehirn weiterleiten. Da aber das Licht nicht unendlich schnell ist und der Prozess des Erfassens ebenfalls eine geringe Zeit in Anspruch nimmt, existiert für uns keine Gegenwart. Alles, was wir sehen, ist Vergangenheit. Außerdem ist alles, was weiter von uns entfernt ist, dementsprechend älter, da das Licht länger zu unseren Augen braucht. Die Bewegungen, die wir also wahrnehmen, geschehen immer in einem zeitlich veränderten Kreis. Ein einfaches Beispiel ist die Tatsache, das wir in unserem Sternenhimmel auch noch das Licht von Sternen wahrnehmen, die sich schon längst in ihre Bestandteile zersetzt haben.
Das bedeutet, dass eine räumliche Bewegung gleichzeitig auch eine Verschiebung unserer Zeitwahrnehmung impliziert, was bedeutet, dass Zeit für unterschiedliche Personen nicht gleich abläuft. Da durch unsere Bewegung ständig eine Zeittransformation stattfindet, läuft Zeit für uns einmal schneller und einmal langsamer ab. Allerdings bekommen wir davon nichts mit, da Licht sich unglaublich schnell bewegt und die Zeitwahrnehmung sich nur um Millionstel Sekunden verändert. Trotzdem bewegt sich die Zeit auf dieser Achse nicht völlig linear.
Viele große Physiker haben über die Relativität der Bewegung argumentiert und tatsächlich ist es eine der am einfachsten zu verstehenden Regeln der Dynamik: Während ein Beifahrer sich in Bezug zum Fahrer in Ruhe befindet, so befindet sich der Beifahrer in Bezug zu einem Fußgänger in Bewegung. Das bringt aber eine merkwürdige Frage auf, wenn eine Bewegung relativ ist, kann es dann sein, dass das Leben ebenfalls relativ ist und dass, was uns unbewegt und tot erscheint, in Wirklichkeit in einem anderen Bezugssystem lebendig ist, sich also bewegt?
Doch wir sollten nicht völlig abschweifen. Die Bewegung ist also einigermaßen definiert. Nun ist es Zeit, sich dem Sinn, den Vorteilen, den Gründen zuzuwenden. Und ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, warum ein Körper sich bewegen sollte und mir ist nichts wirklich Sinnvolles eingefallen. Das Ganze wird nur noch von der Tatsache überflügelt, dass anscheinend alles irgendwann aufhört sich zu bewegen und damit die Bewegung an sich hinterfragt wird. Wenn etwas aufhört, warum hat man dann damit begonnen? Was verändert man mit Bewegung? Warum ist es sinnvoll? Was macht Bewegung zu einem erstrebenswerten Ziel? Ich habe keine Ahnung. Es ist sinnlos. Das ist paradox. Und genau das beschreibt mein Gefühl und auch die Überschrift zu diesem Artikel.
Natürlich kann man Bewegung auf erster Ebene mit der Vereinfachung der Energiezufuhr erklären. Wir bewegen uns, damit wir leichter an Energie kommen und neue Energien finden. Doch die Frage, die mich wirklich beschäftigt ist, was es uns nützt, diese Energien zu finden und dann in neue Bewegungen umzusetzen? Das ist die Frage, die mich jetzt beschäftigt und die mich wahrscheinlich immer beschäftigen wird.

![Nostalgie ist ein Scheusal, denn die Vergangenheit erinnert uns nur an das, was wir nicht mehr haben. [Seperator]](http://archiv.xesier.de/wp-content/themes/xesier_archiv/images/blank.gif)