Das Leben des George

George Jung war einer der größten Kokain-Händler der USA, er war einer von Pablo Escobars Männern und wenn man seiner eigenen Aussage in einem Interview glauben schenken darf, hatte er knapp 100 Millionen Dollar durch Drogengeschäfte verdient.
George Jung wurde am 6. August 1942 in Boston (Massachusetts) geboren und ihm wird auch der Spitzname “Boston George” zugeordnet, was wohl auf seine Herkunft zurückzuführen ist. Er wuchs in einer zerrütteten amerikanischen Familie auf, welche nicht sehr viel Geld zur Verfügung hatte und so nahm er sich schon sehr früh in seiner Kindheit vor, einmal eine Menge davon zu besitzen.
Sein bester Freund Tuna und er zogen nach ihrer Highschool-Zeit zusammen nach Kalifornien, wo sie auch das erste Mal mit Marihuana in Kontakt kamen. Schnell erkannten die Zwei, dass sich mit dem Verkauf von Drogen viel Geld machen lässt und so fingen sie an zu dealen. Kurze Zeit später beschlossen sie, das Marihuana aus Mexiko zu beschaffen und eigenhändig in die USA zu schmuggeln.
Das erste Mal erwischt wurde George Jung 1974 in Chicago mit rund 330 kg Marihuana im Kofferraum. Seine Haftstrafe saß er im „Federal Prison Danbury“ in Connecticut ab, wo er Carlos Lehder traf. Er, der Beziehungen zu kolumbianischen Kartells hatte, weckte das Interesse von Jung, indem er ihm vom möglichen Reichtum durch Kokain erzählte. Als George Jung aus dem Gefängnis entlassen wurde, traf er sich trotz seiner Bewährungsauflagen mit Lehder im Ausland und fing an Pläne für den Schmuggel von Kokain in die USA zu schmieden.
Sie brachten große Mengen an Kokain in die USA, bis sie die Aufmerksamkeit des kolumbianischen Medellín-Kartells auf sich zogen. Schon bald stellte Lehder, Pablo Escobar und George Jung einander vor und so wurde Jung, Escobars Mann für die Versorgung beziehungsweise den Schmuggel von Kokain in die USA. Sie brachten tausende von Kilos in die USA und brachten es sogar soweit, dass in den 80ern circa 85% des Kokains in den USA von ihnen stammte. Als Carlos Lehder herausfand wer Jungs Verbindungsmann war und sich mit Robert Vesco zusammen tat, einen weiteren Drogenschmuggler, hintergingen sie Jung und schmissen ihn praktisch aus dem Geschäft.
Zu diesem Zeitpunk war George Jung laut eigener Aussage circa 100 Millionen Dollar reich und er feierte die wildesten Partys mit Filmstars, Rockstars und anderen großen Persönlichkeiten aus Amerikas “High Society”. George Jung wollte Rache, doch Escobar riet ihm davon ab, weil dadurch eine menge Geld für ihn verloren gegangen wäre. Der Kokainschmuggel wurde also weiter betrieben, bis Jung mit einer relativ geringen Menge in seinem Haus erwischt und verhaftet wurde. Er erschien nicht zu seinem Gerichtstermin, wurde jedoch von einem seiner Piloten verraten und danach verhaftet. Jung sagte als Zeuge gegen Carlos Lehder aus und wurde wieder auf freien Fuß gesetzt, bis er 1994 bei einem erneuten Schmuggelversuch in Mexiko mit 250kg Marihuana von der DEA (Drug Enforcement Administration) erwischt wurde. Das war das Ende von “Boston” George Jung. Seitdem sitzt er seine Haftstrafe im „Otisville Federal Prison“ ab. Er wird voraussichtlich am 27. November 2014 freigelassen. George Jung wird dann 72 Jahre alt sein.
Seine äußerst interessante Lebensgeschichte wurde 2001 in dem Hollywoodstreifen „Blow“ verfilmt, in welchem Jung von Johnny Depp verkörpert wird. Für viele ist Jung eine Art Star, ein Held, ein Vorbild, ein Mann, der es nicht verdient im Gefängnis zu sitzen. Er ist jemand, der Respekt, Mitleid und Anerkennung für seine Vergangenheit verdient hat und für den man auch mal eben eine MySpace-Seite macht.
Der Film “Blow” und die charismatische Verkörperung Jungs durch Johnny Depp sind es, die den Zuschauern dieses Bild quasi aufzwingen! Ja aufzwingen. Laut Drehbuch ist Jung ein junger, fabelhaft aussehender Mann mit schlechter Kindheit und Geldsorgen. Seine Freundin, die durch Krebs verstirbt, die Freunde die ihn hintergehen, die böse Frau, nein, die dumme Kuh welche ihre Nerven im Auto verliert und Jung an die Polizei verrät oder die kleine süße Tochter die ihren armen, armen Vater nicht sehen will, sind es die uns fragen lassen, wer ist so herzlos und würde ihn denn bitte nicht mögen?
Die Frage, die sich mir jedoch stellt, ist, wer hätte vor erscheinen des Films im Jahr 2001 so gedacht? Wer von uns hätte Mitleid mit einem Drogendealer und –schmuggler gehabt, der für das damals brutalste kolumbianische Kartell arbeitete, Millionen verdiente und Jahre später von seinen Geschäftspartnern verraten wurde und dabei alles verlor? Wer von uns hätte es furchtbar traurig gefunden, dass seine mehrfach enttäuschte Tochter ihn nicht im Gefängnis besuchen will? Wer von uns hätte Verständnis für seinen Werdegang gehabt, nur weil er aus einer zerrütteten Familie wie tausende andere amerikanische Kinder kam und Geld brauchte? Wer von uns hätte für ihn eine MySpace-Seite gemacht? – Der Großteil von uns wahrscheinlich nicht.
Nun ist es ja allerdings nicht so, dass in dem Hollywood-Streifen seine schlechte Taten nicht erwähnt oder gänzlich geleugnet werden. Wer den Film gesehen hat weiß, Jung ist Zeuge eines Mordes und schweigt, er klaut ein Flugzeug, er bedroht jemanden mit einer Pistole und will Rache, er spannt jemanden die Frau aus, er enttäuscht seine Tochter mehr als einmal und vom Drogenkonsum, dem Schmuggel, der Geldwäsche und den anderen Taten, welche mir gerade entfallen sind oder auch gar nicht im Film erwähnt werden, will ich gar nicht erst anfangen. Trotzdem ist es so, dass wenn der Abspann anfängt, der Durchschnittszuschauer George einfach sympatisch findet und traurig ist, denn schließlich sind scheinbar alle seine gerade genannten schlechten Taten durch die weiter oben genannten traurigen Geschehnisse gerechtfertigt, oder? Ohne jetzt weiter moralisch zu werden sage ich: “Nein!”
“Blow” ist meiner Meinung nach ein Film, der das Leben und die Taten eines Kriminellen beschönigt. Ich bin zwar nicht der Meinung, dass es ein schlechter Film ist, im Gegenteil, jedoch stelle ich oft mit bedauern fest, dass Filme den Zuschauern die falschen Werte vermitteln. Frei nach dem Motto „der Zweck heiligt die Mittel“ lassen sie die “Guten” genauso verwerfliche Dinge tun, wie es die “Bösen” normalerweise machen, jedoch ohne diese ausreichend kritisch zu betrachten und/oder zu bewerten. In meinen Augen führt dies zum Abstumpfen des Sinnes für das, was moralisch richtig und/oder falsch ist. Am Beispiel „Blow“ fehlt mir persönlich die gewisse Ernsthaftigkeit gegenüber dem Thema Drogenmissbrauch. Während fast des gesamten Filmes wird dies nur verharmlost beziehungsweise versucht auf humorvolle Weise darzustellen.
Einzig die Szene als George ins Krankenhaus wegen einer mehr als tödlichen Überdosis kommt und wohl mit scheinbarer Leichtigkeit überlebt, lässt auf eine zwar beabsichtigte, aber erfolglose Warnung vor Drogen schließen. Der Film zeigt zwar die Gefahren und Probleme des organisierten Drogenhandels und des Ausstieges daraus, doch wer von uns kommt schon einmal in solch eine Situation? Selbst darauf bezogen ist die Vorstellung, man könnte mit dem Drogenhandel alles erreichen eher das Bild, was sich dem Publikum ins Gehirn brennt. Ich finde die Lebensgeschichte Jungs zwar voll und ganz filmtauglich und unterhaltend, jedoch hätte ich mir ein kritischeres Bild gegenüber der Thematik gewünscht.

![Nostalgie ist ein Scheusal, denn die Vergangenheit erinnert uns nur an das, was wir nicht mehr haben. [Seperator]](http://archiv.xesier.de/wp-content/themes/xesier_archiv/images/blank.gif)
[...] Here’s another interesting post I read today by Xesier – Kultur, Meinungen und Wissen [...]
Ein sehr cooler Artikel insgesamt. Der Anfang mit der Biografie ist vielleicht ein wenig lang, aber irgendwie ein sehr interessantes Leben.
Ich habe mir den Film “Blow” gerade zum ersten Mal angeguckt. Als er zu Ende war , entschied ich mich sofort, nochmal nach diesem Beitrag hier zu suchen, ihn gründlich durchzulesen, um nun meine meinung dazu abzugeben.
Ein sehr guter Film ist das, dass muss man sagen. Ich habe an einer Stelle des Filmes geweint, als Jungs Tochter meint: “Ich dachte du kannst ohne dein herz nicht leben!” und daraufhin das Gefängnis verlässt, in dem ihr Daddy gefangen ist.
Ein Film der wirklich gut Höhe- und Tiefpunkte eines Mannes einfängt, dessen Lebenslauf so interessant ist, dass die Menschen, die ihn sehen tatsächlich vergessen, was er getan hat.
Durch seinen Handel mit Drogen, hat er Leute in den Tod geschickt, abhängig gemacht, Leben zerstört und andere in sein dreckiges Geschäft mit hineingezogen. Er ist ein Massenmmörder und das unterschlägt der Fim ganz einfach mal. Der Mann sollte keinen Hype durch den Film erhalten, sondern zeigen, was einem der Handel mit Drogen bringt.
So muss ich Axel also zustimmen, wenn er sagt, das der Film ein sehr gelungener ist, der aber Tatsachen beschönigt und gewisse schlechte Dinge unterschlägt.
was fürn quatsch
alkohol bringt mehr menschen um und zerstört mehr leben als alle illegalen drogen zusammen. trotzdem kommt keiner auf die idee den vorstand von Öttinger ein zu sperren. jeder mensch kann selbst entscheiden mit welchen substanzen und ob überhaupt er sich voll dröhnt.
was zu kritisieren is sind die bedingungen unter welchen die drogen hergestellt werden. eben weil der konsum illegalisiert wird, sind die umständen unter dehnen die produzenten (arbeiterInnen) leiden grausam und unmenschlich.
toller film da stimm ich zu
Und was ist mit den Leuten, die ungwollt damit in berührung kommen und dann abhängig sind… oder familienväter diedamit ihre ganze Familie ins unglück stürzen.. Ich find verbot gut von mir aus auch bier und kippen………
@ dreadrat: viele menschen kommen durch autounfälle ums leben… wollen wir nicht den vorstand von daimler benz einsperren… klar kann man von öttinger auch abhängig werden… klar liegt es an jedem selbst, was er tut… aber kokain gehört im gegensatz zu öttinger bier zu den illegalen drogen, weil es eine viel schlimmere wirkung hat und viel schneller abhängig macht… es is ja nich umsonst verboten… und wie gesagt familien werden zerstört, zwischenmänner getötet und so weiter… mal gucken ob das bei der öttinger fabrik auch so ist… sei nicht immer gleich gegen alles (punker style -.-) und überdenke mal dein “was fürn quatsch”…
@Martin: Jetzt mischst du einige Aspekte von Wilhelms und dreadrats Meinung, die nicht zusammengehören.
1. Er möchte niemanden wegen der Herstellung von Drogen einsperren, weder die, die Alkohol produzieren, noch diejenigen, die Kokain produzieren. Dein Vergleich mit den Autos ist deshalb nicht zutreffend.
2. Welche Droge schlimmere Auswirkungen hat, kommt auf jeden Menschen selbst an. Dass Alkohol nun nicht verboten ist, hat nur damit zu tun, dass es ein riesiges internationales Geschäft mit Tradition ist (siehe Tabak).
3. Die kriminellen Machenschaften, die du beschreibst, können sehr wohl auch bei jedem anderen größeren Betrieb auftreten. Wenn sich jemand gegen die Konzernleitung stellt, wird er es sicherlich nicht leicht haben. Ich möchte nicht unterstellen, dass das bei Öttinger der Fall ist, aber ich denke jeder hat schon einmal von den südamerikanischen Kriminalfällen von Coka Cola gehört.
@dreadrat: In Bezug auf die Produktion von Drogen kann man die Auffassung besitzen, dass Drogen eine persönliche Sache sind, in die sich der Staat nicht einmischen sollte. Allerdings ist eine Sympathie zu den Produzenten, aufgrund ihrer schlechten Behandlung fehl am Platz. Es ist ihre Entscheidung, in dieses Geschäft einzusteigen und sich damit den Gefahren auszusetzen. Sie dafür jetzt zu bemitleiden, wäre genauso falsch, als würde man einen Profikiller bemitleiden, weil der Staat das Morden nicht legalisiert.
zu 1. natürlich ist der vergleich passend… denn bier ist wie autos nun mal legal, auch wenn es verschiedene gefahren in sich bürgt… aber es ist legal, daran können wir nix ändern…. deshalb: vergleich gut
zu 2. glaube ich nicht das bier nur erlaubt ist, wegen der tradition… es ist einfacher aus der alkoholsucht herauszukommen als von irgendwelchen harten illegalen drogen…
zu 3.: hört man wohl weit aus weniger von der kriminalität bei alkohol und tabak konzernen als bei drogengeschäften… es is doch nun mal so: das drogengeschäft ist ein viel dreckigeres als es bei tabak oder alki- konzernen der fall ist, schon allein, weil illegale drogen nun mal verboten sind
zu 1.: Nein, er kritisiert ja eben nicht, dass es legal ist. Er möchte die Legalisierung nur auf andere bisher verbotene Drogen übertragen.
zu 2.: Na dann stelle dich mal gegen irgendwas, was schon immer so war und fordere, dass es verboten wird. In jedem Fall erhälst du eine Ablehnung. Deswegen ist Willis Vorschlag auch vollkommen undurchführbar.
zu 3.: Ehrlich gesagt, höre ich in Deutschland zurzeit überhaupt nichts von Drogen in den Medien.
könnte man jetz ewig drüber diskutieren… für mich steht fest: die drogen die verboten sind, sind es zu recht… bier ist nicht so gefährlich wie kokain… und atürlich hört man hier nix von drogen… es is ja hier nich so ausgeprägt… außerdem wird es hier oft vertuscht… ich sag ja nur, das an unserem gymnasium auch gedealt wird, wie man es sogar schon in berichten gesehen hat…
Frag mal einen ehemaligen Alkoholabhängigen, ob es leicht ist von Alkohol loszukommen. Zum Beispiel macht Kokain im Gegensatz zu Alkohol nicht körperlich abhängig…
ja ok, dann sag ich halt, das kokain nich so schlimm is wie bier… warum verbieten wir nich alkohol und jeder darf koka nehmen so viel er möchte… is doch egal
An sich schon.