Antirassistischer Kongress in Forst

Am letzten Samstag, den 10. November, fand in Forst ein antirassistischer Kongress statt. Schon am Morgen, bevor der Kongress losging, erlebte ich wie üblich ein paar Überraschungen. Als ich dann nun endlich im Park 7 (dem Veranstaltungsort der Kongresses) ankam, erwartete mich schon ein Freund, dem ich kurzfristig früher helfen sollte als geplant, da die Verpflegung für die Besucher des Kongresses noch nicht sichergestellt war.
Aber da ich ja als Hausmeister nun auch kein Unmensch bin, ließ ich nicht lange mit mir diskutieren und legte meinen Besen ausnahmsweise aus der Hand und trat dem Versorgungsteam mit bei. Nun war die Stimmung in der Küche, im wahrsten Sinne des Wortes, “am Kochen”. Ich eilte mit meinem getreuen, motorisierten Gefährten ins nahe gelegene Kaufland, um noch die restlichen Zutaten zu besorgen. Als bald war das Essen schon so gut wie fertig und das Zeit-o-meter zeigte mir: Aha schon 12 Uhr. Nun war es schon höchste Zeit für die Gäste zu kommen. Doch leider hielt sich der Ansturm in Grenzen. Drei junge Menschen kamen mir entgegen, als ich den Veranstaltungsort betreten wollte. Als ich nun in den Räumlichkeiten stand, war dort leider niemand mehr. Ich fragte mich : Hm … nanu … wird denn der Kongress schon vorbei sein?! Aber aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen mit jungen Menschen wusste ich jedoch, dass eine halbe Stunde Verspätung ja normal ist. Und meine Erfahrungen enttäuschten mich nicht. Ich frohlockte, als nun die Gäste auch schon grüppchenweise eintrudelten. Dies war ein Grund zum Feiern. Kurz entschlossen aß ich genüsslich einen bzw. mehrere Lebkekse, die in der “normalen” Bevölkerung auch als Lebkuchen bezeichnet werden. Als sich der Raum füllte, wuchs die Erleichterung nicht alleine dazustehen. Mein getreuer Koch erledigte wie ein fleißiges Bienchen in der Küche die Arbeit der Ratatouille. Aber als Lokalmatador kannte er sich bereits prima mit den örtlichen Gegebenheiten aus. Alles war ein bisschen chaotisch. Unsere zuvor geschaffene Stuhl-”Ordnung” wurde kurzerhand umgeordnet. Auch die Banner „BUNT STATT BRAUN“ und „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zierten die wände des Kulturtempels Park 7.
Es war mir neu, zu dieser „frühen“ Stunde so ein Rumgewusel auf dem Park 7 Gelände zu erleben. Doch es gefiel mir. Jeder half beim Aufbau mit an. Plötzlich gingen alle Menschen in den Raum des Kongresses. Drei Leute setzten sich vor den Stuhlreihen, vor zwei Tischen nieder. So. Nun sollte es also losgehen. Sie fingen mit einer Begrüßung an, die zu meinen Erstaunen auf Französisch war. Doch ich ließ mir nichts anmerken, da ich selber nahezu perfekte Französischkenntnisse besitze. Doch ich war erleichtert, als eine Frau, die ein bisschen abseits saß sich als “Dolmatcherin” entpuppte und alles ins Deutsche oder wahlweise auch ins Englische übersetzte. Das erste Thema war die derzeitige Situation der Asylbewerber im Landkreis, Land Brandenburg und speziell in Forst. Dort wurden erstaunliche Sachen gesagt, die auch teilweise auf Missverständnisse oder Verständigungsprobleme zurückzuführen sind. Es wäre teilweise ein Skandal, wenn diese Sachen gewollt wären. Dann ging es weiter mit einer ausführlichen Diskussion und ausführlichen Vorträge über das Chipkartensystem für Asylbewerber und diejenigen, die es noch werden wollten.
Ich hörte mir mit Interesse das Programm an und schlürfte genüsslich einen Tee nach dem anderen. Also nun weiter im Programm: Es wurden Erfahrungsberichte vorgetragen und Lösungsmöglichkeiten referiert. Danach gab es erstmal eine kurze Pause für fast alle Beteiligten … fast, denn die extra angereiste Sambaband “Action Sambaband” aus Berlin beglückte das tobende Publikum mit prickelnder Trommelmusik. Das Publikum tobte förmlich vor Begeisterung. Nach dieser doch für mich neuen Begegnung mit so einer Art der Livemusik, ging es mit den Vorträgen von FelS, Flüchtlingsinitiative Brandenburg, Flüchtlingsrat Brandenburg, Initiative gegen das Chipkartensystem Berlin und der Opferperspektive Brandenburg weiter. Sie stellten sich und ihre Arbeit in Kurzform vor.
Danach wurde zu einer Demonstration aufgerufen, an der sich die ca. 60 Teilnehmer der Konferenz beteiligten. Außer diesen Menschen schlossen sich noch mehrere weitere Menschen an, sowie auch 4 verkleidete Polizisten (!!!). Meiner Schätzung nach waren ca. 80-100 Menschen an der Demo durch Forst beteiligt. Sie wurde von mehreren PolizeifahrzeugInnen und PolizistInnen umringt. Voraus das Transparent „BUNT STATT BRAUN“, dahinter die Sambaband und dann „der Rest“. Die Menschenmasse schob sich mit Sprechchören und Stimmung machenden Trommelrhythmen durch die sonst recht ruhige Forster Innenstadt. Erfreulicherweise schlossen sich noch mehrere ForsterInnen dem Umzug an. Auch ein paar Menschen, die BROWN hießen standen an der Straße und verfolgen das Spektakel. Sie wurden mit Sprechchören wie „Nazis raus!“ begrüßt. Irgendwann endete auch die Demo am Bahnhof. Alles Gute hat ein Ende auch die Demo hat zwe … ähm eins.
Nach der Demo blieben noch ein paar Menschen am Bahnhof und plauderten über die Erlebnisse des Tages und verabschiedeten sich mit einem „Bis zum nächsten mal.“ und gingen ihrer Wege. Ich kann auf diesen Tag mit einem weinenden Auge und einem lachenden Auge zurücksehen. Einerseits fand ich es schade, dass es überhaupt einen Grund gibt, so einen Kongress zu veranstalten. Auf der anderen Seite fand ich es sehr gut, dass sich so viele Menschen, insbesondere auch von der Schul AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an diesem Kongress beteiligten.

![Nostalgie ist ein Scheusal, denn die Vergangenheit erinnert uns nur an das, was wir nicht mehr haben. [Seperator]](http://archiv.xesier.de/wp-content/themes/xesier_archiv/images/blank.gif)
also ich muss sagen, dass der text sehr gut geschrieben ist und ich auch gerne mal den tollen hausmeister kennen lernen würde….^^
Jop, ein sehr interessanter Text über ein sehr wichtiges Treffen. Man sollte meinen, dass soetwas gut besucht und regelmäßig stattfindet.