28. November 2007 / , , , , , , , , , , / Loisa / 6c

Albertine Sarrazin – Mit 29 war es zu Ende

Albertine Sarrazin
Foto: © Offizielle Seite – Anpassung durch Xesier.de

Jeder kennt sie, die großen Schriftsteller, Dichter und Denker wie Goethe, Brecht oder Kafka. Doch auch im Ausland, genauer gesagt in Frankreich, gibt es eine Autorin, die mich mehr als begeistert hat. Ich weiß, dass die meisten bei dem Wort “Frankreich” schon leichte Angstzustände bekommen, denn was wird mehr mit diesem Wort verbunden, als der verhasste Französischunterricht? Doch es lohnt sich wirklich etwas mehr über diese beeindruckende Frau zu hören. Ihr Name ist Albertine Sarrazin.

Ihr Vater war 1936 Militärarzt in Algier, der Hauptstadt von Algerien. Dort verliebte er sich in eine erst fünfzehnjährige, jüdische Magd. Schon ein halbes Jahr nach ihrer ersten Begegnung bekommt das Mädchen am 17. September 1937 ein Kind, doch da sich beide noch nicht bereit für eine solche Herausforderung fühlen, gibt die junge Mutter ihre Tochter Albertine Damien zur Adoption frei. Als das Neugeborene dann 18 Monate alt ist, wird es von einem schon älteren, französischen Ehepaar adoptiert. Als Albertine erst 10 Jahre alt ist, wird sie von ihrem Onkel vergewaltigt und erleidet dadurch einen schweren Schock. Sie wird von ihren Adoptiveltern in ein Erziehungheim gesteckt. Das machte Albertines Leben noch schlimmer und ihre psychischen Probleme noch tiefgehender. Albertine wird mit der Zeit immer eigensinniger, was dazu führt, dass sie den größten Teil ihrer Jugend in Besserungsanstalten, verschiedenen Erziehungsheimen und hinter Gefängnismauern verbringt. Am Tag ihrer Abiturprüfung hat sie aber Freigang und nutzt diese Chance, um nach Paris zu fliehen. Dort stiehlt sie und prostituiert sich um zu überleben. Albertine trifft in Paris Emilienne, ihre Geliebte. Zusammen wollen die jungen Frauen bewaffnet eine Boutique überfallen, doch sie werden verhaftet und zu sieben Jahren Jugendgefängnis verurteilt. Am 19. April 1957 gelingt Albertine die Flucht, doch als sie von der zehn Meter hohen Gefängnismauer springt, bricht sie sich den Fußknöchel. So schwer verletzt wird sie von Julien Sarrazin gefunden, der ebenfalls ein entlaufener Häftling ist. Zuerst sind die beiden nur Freunde, dann wird Julien Albertines Geliebter und am 7. Februar 1959 heiraten sie. Die acht Jahre ihrer Ehe verbringen sie aber meist getrennt, denn beide müssen wegen Diebstählen und Hehlerei mehrmals ins Gefängnis. Während dieser Zeit schreiben sie sich jedoch jeden Tag heimlich Briefe.

Schon hinter Gittern beginnt Albertine ihre Erinnerungen und ihren harten Gefängnisalltag schriftlich festzuhalten. 1964 in Freiheit formuliert sie aus diesen Notizen ihre ersten Romane “L’Astragale” und “La Cavale”. 1965 erscheinen sie als weibliche Knast- und Kriminellenromane und machen Albertine Sarrazin bekannt und gefeiert. Im gleichen Jahr folgt ihr dritter Roman “La Traversière”.
1966 wurde Albertine der “Prix des Quatre Jurys” verliehen.

Am 10. Juli 1967 in Montpellier stirbt Albertine an den Folgen einer Nierenoperation. Sie hatte schon davor einen Eingriff, weil sie an Eierstockkrebs erkrankt war und auch am Fußknöchel, welchen sie sich beim Ausbruch gebrochen hatte, musste sie erneut operiert werden. Doch auch ihr chaotischen Leben mit viel Alkohol und Tabak haben zu einem schlechten Gesundheitszustand geführt.

Albertine Sarrazin hatte ein kurzes und chaotisches Leben. Sie erlebte alle Höhen und Tiefen, doch ist leider heutzutage in Deutschland nicht so bekannt, wie es anhand ihrer faszinierenden Lebensgeschichte erwartet werden könnte. Ich freue mich immer noch, dass ich zufällig auf diese bemerkenswerte Autorin gestoßen bin und werde auch in nächster Zeit noch einige ihre Bücher, allerdings auf deutsch, lesen. Vielleicht konnte ich euch dadurch ein Stückchen der französischen Literatur näher bringen. Es würde mich persönlich sehr freuen.