8. April 2009 / , , , , , , , , , , , , , / Henry / 6c

Abenteuer am Felixsee

Marcel und Martin

Es war ein Tag wie jeder andere. Am nächsten würde meine Schulzeit vorbei sein. Da stehen sie vor meiner Haustür. Sie wollen los, ich weiß nicht wohin. Sie fahren los, ich stecke mittendrin. Auf geht es zum Felixsee, meine Motivation ist auf null.

In den meisten Fällen, wenn ich die Tür aufmache, bin ich unfreundlich. Ja, sogar fast unausstehlich. Doch, das hat eigentlich weniger mit meiner Persönlichkeit als viel mehr mit der schier endlosen Erfahrung zu tun, dass wenn ich die Tür öffne, der Besuch meistens überhaupt nicht zu mir möchte. Früher bin ich wie ein verspielter Hund immer die Treppe zur Haustür runtergerannt, riss mit Entzückung eben jene auf und verzog anschließend mein Gesicht in Trauer. “Ist diese oder jene Person im Haus?”, “Sind deine Eltern gar nicht da?” oder “Kann ich das mal hier lassen?”, kamen dann aus den Mündern dieser fremden Menschen. Das prägt.

Marcel

Ich mit Bauarbeiter-Overall

Als ich am entsprechenden Tag also mit wenig Motivation die Tür öffnete, Marcel und Martin erblickte, war mir nur teilweise bewusst, wie abgewrackt und fertig ich wirken musste. Neben der Türgeschichte, war ich an diesem Tag aber auch durch andere Erlebnisse besonders geprägt. Zum einen hatten wir uns eine Mottowoche für die letzte Schulwoche überlegt, in der wir jeden Tag noch einmal ein anderes Kostüm anziehen würden, um uns damit gebührend von der Schule zu verabschieden. An diesem Mittwoch war also das spezielle Thema “Bauarbeiter” und ich, der ja für meine unglaubliche Faulheit berühmt ist, hatte immer noch meinen türkisen Overall an, in dem ich mich außerordentlich wohl fühlte. Zum anderen hatte ich es an diesem Tag auch nicht so sehr mit der Hygiene, sodass ich also die Haustür aufmachte und meine beiden Freunde einen ungekämmten, unrasierten, im Gesicht dreckigen Typen sahen, der einen türkisen Overall anhatte und mit abwertenden Blick verkündete, er hätte keine Motivation.

Ich wäre wahrscheinlich abgehauen. Doch die beiden hatten Kondition und ich machte mich fertig. Ich holte mein Geld, verabschiedete mich von meinen Eltern und setzte mich letztendlich in Marcels Wunderkarre. Ich nenne es Wunderkarre, weil ich es einfach nur unglaublich finde, dass es immer noch fährt, ja. Jedenfalls ging es los, zuerst einmal Richtung Bohsdorf, wir hatten alle noch nichts gegessen und ich überredete die beiden, in meiner melancholischen unmotivierten Art, doch beim Imbiss in Bohsdorf-Vorwerk anzuhalten, um ein paar Pommes zu essen. Ja, nichts ist schöner, als überteuerte Pommes in einem kleinen Kaff-Imbiss zu essen, während einem die Stammgäste mit leeren Blicken in die Seele schauen. Ich glaube, das macht der Alkohol bei denen.

Marcel

Marcel auf dem Weg zum Felixsee

Doch wir waren noch lange nicht am Ende, weiter ging es, mit dem Auto nach Bohsdorf und dann schließlich auch zum Felixsee. Diese Dorfidyllen hatten doch schon immer etwas Besonderes und ich fragte mich wohl, ob die Frau, die von ihrem Grundstück aus uns schon die ganze Zeit beobachtete, wie wir auf einem fremden Grundstück parkten, um der lächerlichen Parkgebühr vom Felixsee aus dem Weg zu gehen, gleich die Polizei rufen würde. Sie tat es nicht. Aber ihre wutentbrannten Augen verfolgen mich manchmal noch in meinen Träumen. Ich habe Angst. Da wir am Dorfrand geparkt hatten, mussten wir also einen kleineren Fußmarsch zurücklegen, der uns schnell dazu veranlasste ein wenig herumzutollen. Martin und ich wollten den Weg nicht laufen und Marcel bot sich an, uns beide zu tragen. Leider mussten wir feststellen, dass es Marcel nicht hinbekommen konnte, uns irgendwie beide auf seinem Rücken oder allgemein seinem Körper zu platzieren, sodass wir letztendlich doch laufen mussten. Als Reittier ist Marcel damit also ganz klar durchgefallen.

Turm

Die Lausitz von oben, vom Aussichtsturm am Felixsee

Nach mehreren verschlungenen Wegen und einem mit einigen Bierflaschen gefüllten Volleyballfeld, kamen wir dann endlich ans Wasser. Es war mir unheimlich, aber auch irgendwie schön. Ich kann es nicht wirklich beschreiben. Ich mag keine Erholungsseen, die prinzipiell dafür angelegt wurden, damit sich Leute auf die faule Haut legen und in irgendwelchen Bungalows entspannen können. Nein, ich bin der wilde Typ, der mit aufgeschlagenem Zelt, versucht mit den Tieren um die Vorherrschaft am Rand des Sees zu ringen. Trotzdem war die Spannung und die Stimmung, die gerade in diesem Moment der absoluten Verlassenheit dort herrschte, einzigartig.

Zuletzt erklommen wir noch den Aussichtsturm vom Felixsee und musste dann einen Stich in mein Herz aushalten. Ich verfiel in leichte Depression, da sich auch die Person, zu der ich mich am meisten zugezogen fühle, sich dort verewigt hatte. Mit jemand anderem. Wie konntest du nur Wilhelm! Wie konntest du nur. Jedenfalls hatte unsere kleine Reisegruppe eine wunderbare Aussicht auf die Lausitz und wir konnten einmal wirklich eine friedliche Natur erleben, die uns sonst in unserem sonstigen Alltag eher verwehrt blieb. Auch wenn ich an diesem Tag nicht besonders gut drauf war, so danke ich euch beiden, Martin und Marcel, doch noch einmal vielmals, dass ihr mich mitgenommen habt. Es war doch schon auf irgendeine Art toll, selbst wenn es mir jetzt erst so wirklich bewusst geworden ist.